Politik | 18.03.2015

Was wird unser Geld über uns aussagen?

Text von Clara A'Campo | Bilder von Anita Béguelin)
Seit einem Jahrzehnt laufen hierzulande die Pläne für eine neue Banknotenserie. Viel symbolische Bedeutung haben die bunten Papierchen. Darum sind wir auf ihre Ausgabe sehr gespannt.
Die aktuelle, achte Banknotenserie, die 1995 eingeführt wurde, umfasst sechs Stückelungen. (
Bild: Anita Béguelin)

Lange Zeit war es so: auf den Geldstücken glänzte ein Profilbild des Herrschenden. Cäsars Konterfei bedeutete, dass Cäsar, der geniale Stratege und begnadete Konsul, über das Reich regiert. Ergo war der Wert von Roms Münzen garantiert. Doch wie ist es hier und heute? Wer sichert den Wert des Franken? Schauen wir, was unsere Scheinchen dazu sagen.

 

Momentan blicken berühmte Kunstschaffende und ein Kunsthistoriker von den Noten. Sie betonen den kulturellen Reichtum des Landes. Beziehungsweise die Kultur der Reichen im Land, denn wie gross ist schon das Bevölkerungsprozent, das Sophie-Täuber Arp und Arthur Honegger kennt?

 

Wie auch immer. Kultur als Stärke wirkt sowieso etwas naiv, wenig nützt schliesslich schöngeistige Blüte im internationalen Macht- und Geltungskampf. Und wenig taugt sie so zur Stabilisierung einer Währung. Aber zum Glück brauchen wir uns nicht zu sorgen, denn die Nationalbank tüftelt ja längst an der Ausgabe einer neuen Notenserie, die neue Motive haben wird.

 

Weltoffen für Tourismus

Wie die letzten beiden Male soll ‚weltoffene Schweiz‘ deren Thema sein. Den Gestaltungswettbewerb für die Serie gewann 2005 der Designer Manual Krebs. Jedoch bevorzugte die Nationalbank damals die Ideen einer der Zweitplatzierten. Manuela Pfrunder waren zu ‚weltoffen‘ und ‚Schweiz‘ die Touristen eingefallen, die manchmal her kommen, wenn der Franken gerade nicht so stark ist. Wie man diese Weise, das Vertrauen in den Franken zu sichern, zu verstehen hat, ist nicht so sicher. In jeder Staatskrise werden lächelnd fotographierenende Touristenströme unsere Finanzen durch ihre Reiseausgaben wieder ins Lot bringen?

 

Solche Deutung entspräche zumindest aktuellen Tendenzen, kurzfristige Einwandernde den Langfristigen vorzuziehen. Betrachtet man nämlich zurzeit die Parteienstärken in der Schweiz, so scheint Weltoffenheit nicht unbedingt eine Stärke des Landes zu sein. Dabei soll sich die Nationalbank in ihrem Tun eigentlich vom Gesamtinteresse des Landes leiten lassen. Dies könnte man so verstehen, dass die Schweizer Stimmberechtigten über Geldscheinmotive entscheiden. Aber man kann es auch anders verstehen. So eine Volksbefragung würde zudem noch ein Mal Zeit (und Geld) kosten.