Gesellschaft | 06.03.2015

Vierundvierzigster Brief aus Deutschland

Die Kollegen von Eine Zeitung haben jüngst herausgefunden, dass unsere Sicherheitsbehörden so ziemlich alles dürfen: E-Mails lesen, SMS abfangen und Telefonate mitschneiden. Nun wollen sie die Behörden auf den Prüfstand stellen. Im neusten Brief ist eine Anleitung zu Terroranschlägen in der Schweiz.
Zum Glück wurde die Brieftaube samt Brief nicht von den Sicherheitsbehörden der Schweiz abgefangen. (
Bild: Katharina Good)

Guten Morgen, Schweiz!

 

Wir waren in dieser Woche etwas nachlässig, was Ihr Land angeht. Wir haben nur mitbekommen, dass die Schweizerischen Sicherheitsbehörden so ziemlich alles dürfen: Emails ausspionieren, SMS mitlesen, Telefonate mithören und mitschneiden, private Rechner infiltrieren und mit fremden Ebay-Konten einkaufen gehen. Ihr Geheimdienst darf sogar – und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! – im Ausland spionieren.

 

Wie auch immer. Wir führen ja auch regelmäßig Korrespondenz mit der Schweiz bzw. mit Schweizer Staatsbürgern und sind somit ebenfalls im Raster Ihrer Behörden gelandet. Wir sind gespannt, was die Polizei mit unserer Kommunikation so alles anstellt. Aber im Grunde sind wir vermutlich für die humoristische Note in diesen dunklen Amtsstuben zuträglich; denn Sie müssen uns glauben: unsere Emails sind ein Feuerwerk des Humors. Das merken Sie, geschätzte Leser dieser Kolumne, selten, aber privat sind wir ganz lustige Teufelchen.

 

Wirklich!

 

Vor ein paar Jahren, als in Deutschland ein ganz ähnlicher Skandal publik wurde, haben wir uns einen Spaß gemacht und bestimmte Schlüsselworte in unsere Schriften geschmuggelt. Man ahnt ja gar nicht, was einem dann blüht: Wörter wie “Bombe”, “Bundestag” und “Allahu Akbar” lösen da ganz schöne Betriebsamkeit aus. Als wir einen kleinen Mailverkehr führten, in dem wir davon sprachen, “ein Päckchen abzuholen”, wurden wir fortan permanent von einem Nachbarn gegrüßt. Das hat der vorher nie gemacht! Und seitdem – immer, wenn wir uns begegnen: ein freundliches “Hallo!”

 

Aber wir möchten diese Kolumne heute auch mal den tatsächlich Terror-interessierten Menschen widmen und ihnen ein paar Tipps geben, wie sie in Ruhe Anschläge in der Schweiz planen können, ohne ständig befürchten zu müssen, vorher geschnappt zu werden.

 

Machen Sie es so wie wir: Veralbern sie in Ihren Emails und Telefonaten regelmäßig die Überwachung. Schreiben Sie harmlose Emails und fügen Sie einfach mal ein paar Schlüsselwörter wie «Rakete”, «Anschlag”, «Terror”, «Schweiz ist doof”, etc. hinzu. Irgendwann, nach schätzungsweise einem halben Jahr (kann auch ein ganzes oder mehrere Jahre sein. Das müssen Sie einfach ausprobieren), haben die genervten Geheimdienste genug davon, Ihre albernen Mails weiter zu verfolgen. Und das ist Ihre Chance: Jetzt können Sie mit den richtigen Planungen anfangen.

 

Aber es geht wirklich noch viel einfacher. Sagen Sie einfach niemandem etwas von Ihren Plänen. Schreiben Sie es nicht auf, sprechen Sie nicht darüber, halten Sie einfach die Klappe. Das ist der Fehler vieler Terrorwilligen: sie plaudern einfach zu viel. Und jetzt denken Sie mal darüber nach: glauben Sie allen Ernstes, wahre Terroristen wären nicht in der Lage, Ihre Pläne ohne Facebook, Smartphones und Mails durchzuführen? Es ist so erschreckend einfach, dass man sich als Schweizer nun fragen könnte, wem der Spionagewahn in Ihrem Land eigentlich wirklich nützt.

 

Okay, wir machen es uns jetzt leicht. Wie einige von Ihnen wissen, war die Stadt, in der wir unseren Redaktionssitz haben (aus Steuergründen), neulich Schauplatz des bisher größten Antiterroreinsatzes in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Für ein Wochenende war Bremen von schwer bewaffneten Polizisten bevölkert. Jetzt freuen sich ein paar unbescholtene Menschen mehr auf staatliche Überwachung, denn sie haben ja nichts zu verbergen und waren von den Maschinenpistolen wahrlich so beeindruckt, dass sie beinahe freiwillig ihre Korrespondenz öffentlich machen. Zufall, dass der Bremer Innensenator Uli Mäurer so ähnlich heißt wie Ihr Bundes-Dings?

 

 

Freundliche Grüße,

 

Ihr Deutschland