Sport | 02.03.2015

Eistanz der Gefühle

Text von Michelle Stirnimann | Bilder von Joëlle Misson)
«Stars. Emotionen. Highlights." - Die 20-Jahre Jubiläums-Show des Art on Ice versprach Gefühle, Olympiasieger und gereizte Tränendrüsen. Kombiniert mit langen Unterhosen, nackter Haut und offenen Hemden.
Stéphane Lambiel in gewohnter Perfektion (Fotos: Joëlle Misson) Le Patin Libre nur in Unterhosen und Schlittschuhen Stolhova/Klimov in ihrer Kür (
Bild: Joëlle Misson)

„Am Anfang war das Eis. Mit Musik wird es zum Tanz der Gefühle“, versprach die Anmoderation der letzen Aufführung der diesjährigen Jubiläumsausgabe von Art on Ice am 14. Februar in Davos. Und mit viel Valentinstaggefühl wurde auch direkt in den Abend gestartet: Was als simpler Einstieg der Anmoderation begonnen hatte, führte zum Heiratsantrag: Markus frage seine Michelle vor laufender Kamera und inmitten der ausverkaufen Vaillant Arena. Sie sagte Ja. Freudetränen zum Apéro.

 

Von da an widerspiegelte jeder Auftritt eine Emotion, ein Gefühl – ein klein bisschen Valentinstag. Von Unbeschwertheit zu Trauer, von Unabhängigkeit zu Leidenschaft und zurück zu Verzweiflung und Sex.

 

Das Art on Ice in Davos kombinierte eine Aufführung aus der kompletten Palette der Eislaufkunst: Olympiasiegern, Weltmeistern, Paarläufern, Eistänzer und lokale Juniorinnen. Eine Show für das Herz, die Ohren und die Augen:

 

Ein Highlight des Abends war der letzte Auftritt von Sarah Meier als Einskunstlauf-Spitzensportlerin. Die Zürcherin fuhr dieses Jahr ihre 14. Show mit und hält somit den Rekord. Zu Tom Odells „Grow Old With Me“ zeigte sie eine perfekte Kür und verkörperte Familienliebe, Neugierde und Neuanfang, bevor sie das Eis endgültig verliess. Das Publikum bedankte sich mit Standig Ovation, das Leitungsteam mit einem Blumenstrauss.

 

Der Weltmeister 2010, Daisuke Takahashi stellte mit seiner Kür Harmonie und Vertrautheit dar und begeisterte damit nicht nur seine japanische Fangemeinde im Stadion. Publikumsliebling Stéphane Lambiel präsentierte in gewohnter Perfektion und Eleganz seine dreifache Axel und die Paarlauf Olympiasieger Ksenia Stolhova und Fedor Klimov visualisierten zu Marc Sways „Keep on Loosing Myself“ eine Kür zu Treue und Vertrautheit.

 

Das Zusammenspiel von Livemusik und Show lief nicht nur harmonisch und abgestimmt, sondern zeitweise auch seitenverkehrt. So stand Lambiel plötzlich auf der Bühne und Tom Odell drehte mitsamt Klavier Runden auf dem Eis.

 

Nelly Furtado, die bekannteste Persönlichkeit des Abends, heizte zu ihrem „Maneater“ die Eishalle richtig ein: Die Kombination zwischen Eis und Feuer, offenen Hemden und kurzen Röcken, Eiskunstlauf und Bühnentanz, Grazie und Muskelkraft, liess einem den Atem stocken und das Herz schneller rasen.

 

Auch neben dem Eis wurde den Zuschauern eine Show geboten: Eine Tänzergruppe zeigte atemberaubende Choreographien und Stangenakrobatik verbunden mit Trampolin. Es gab brasilianische Kampfkunst und twerkende Roboter. Alles im versprochenen Motto: Emotionen.

 

Der mechanische Roboter meinte zu Beginn: „Menschen sind merkwürdig. Wenn sie Lachen, zeigen sie Zähne.“ Doch die Eis-, Tanz- und Musikshow zielte nicht nur auf die Lachmuskulatur der Zuschauer, sondern auch auf deren Tränendrüsen, und rief vor allem eines hervor: Melancholie.

 

Auch für die Besucherinnen ohne Valentinsbegleitung gab es eine attraktive Darbietung: Die französisch-kanadische Eiskunstlaufgruppe „Le Patin Libre“ präsentierte ihre Kür bloss mit Slips und Eislaufschuhen bekleidet.

 

Für den letzten Lacher des Abends sorgte der Zürcher Soulsänger Marc Sway. Da er nächstes Jahr kaum nochmals als Sänger gebucht werde, verspricht er stattdessen, als Eiskunstläufer teilzunehmen. Wie er es selber bezeichnete: „Wichtig ist, dass man gut aussieht.“


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