Gesellschaft | 27.03.2015

Siebenundvierzigster Brief aus Deutschland

Es wäre ein lustiger Brief gewesen, doch bei tink.ch angekommen ist er bislang nicht. Nun - mehr als ein Jahr später - nehmen die Kollegen von Eine Zeitung das Nicht-Ereignis zum Anlass, ihre Kritik an der Schweizer Post zu äussern. Sie sei sogar dafür verantwortlich, dass unzählige Beziehungen in die Brüche gehen.
Da hätten die Kollegen von Eine Zeitung ihren Brief besser per Brieftaube versendet. Diese fliegt Postsendungen allwöchentlich zuverlässig in die Schweiz. (
Bild: Katharina Good)

Guten Tag liebe Schweizer,

 

wussten Sie eigentlich, dass wir unseren ersten Brief an die Schweiz damals tatsächlich mit der Post verschickt haben?

 

Es war ein wunderschöner Herbsttag im November 2013. Ein Donnerstag. Das Thema damals war die Vorweihnachtszeit in Deutschland verglichen mit der Vorweihnachtszeit in der Schweiz. Es war ein wirklich lustiger Brief, über den wir auch heute noch herzhaft schmunzeln können.

 

Wir erinnern uns noch daran, wie wir ihn kichernd ausgedruckt und eingetütet hatten, zur Post fuhren und ihn persönlich abgaben, voller Vorfreude darauf, ihn dann einen Tag später bei tink.ch veröffentlicht zu sehen.

 

Wir konnten damals beide in dieser Nacht nicht besonders gut schlafen. Die Aufregung war groß. Der erste Brief aus Deutschland an die Schweiz. Wie werden die Schweizer darauf reagieren? Werden sie sich amüsieren? Werden sie beleidigt sein? Können sie überhaupt irgendwas damit anfangen?

 

Am darauffolgenden Tag saßen wir schließlich gebannt vor unserem Computer und warteten.

 

Und warteten.

 

Und warteten.

 

Doch der Brief wurde nicht veröffentlicht.

 

Auch eine Woche später erschien unser wirklich fabelhafter Brief nicht bei Tink.ch.

 

Wir konnten es uns nicht erklären und fragten nach weiteren drei Wochen einmal persönlich nach. Die Antwort überraschte uns: Der Brief war noch nicht angekommen!

 

Und hier wären wir beim Thema unseres heutigen Briefes angelangt: Die Schweizer Post.

 

Verschickt man einen Brief innerhalb Deutschlands, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er einen Tag später den Empfänger erreicht. Verschickt man einen Brief aus Deutschland an einen Adressat innerhalb Europas, kann man davon ausgehen, dass er binnen einem bis sieben Tagen ankommt.

 

Verschickt man einen Brief aus Deutschland an ein Land außerhalb Europas wie Simbabwe, Mexiko, Australien oder Surinam, kann man davon ausgehen, dass er nach spätestens zwei Wochen sein Ziel erreicht.

 

Und schickt man einen Brief aus Deutschland in die Schweiz, tja, dann kann es schon mal locker drei Monate dauern.

 

Wir wollen jetzt echt nicht meckern, es gibt schließlich auch in Deutschland Dinge, die etwas länger dauern – wir denken nur an die Anmeldung eines PKW, die Entschädigung von unschuldig Verurteilten oder unsere Steuererklärung.

 

Dennoch muss es doch möglich sein, einen einfachen Brief innerhalb eines vertretbaren zeitlichen Rahmens an den Empfänger in der Schweiz zuzustellen! Ein wahres Beispiel aus dem privaten Leben eines der Autoren: einst wurde ein Brief nach Brasilien verschickt, von einem Postamt in Nordrhein-Westfalen. Keine fünf Tage später war er beim Empfänger in Sao Paolo. Derselbe Autor hat auch mal einen Brief nach Basel verschickt, der nie ankam. Nie.

 

Überhaupt, Ihre Post: A- und B-Priorität. Ja, habt Ihr sie denn noch alle? DAS ist ein Grund für einen Aufstand. Nicht so blöde Affären irgendwelcher Politiker oder das im Aargau zu viele Stopschilder stehen. Aber wie erklärt ein Liebhaber seiner Freundin in der Schweiz, dass er ihr nur einen Brief mit B-Priorität zugeschickt hat? Da sind doch überflüssige Diskussionen und zahlreiche Trennungen vorprogrammiert.

 

Aber wir kommen vom Thema ab. Wir fragen jetzt mal an dieser Stelle ganz offiziell nach: wo ist der Scheißbrief, den wir vor mittlerweile drei Wochen abschickten? Dieser Brief enthielt ein von uns ausgefülltes Formular, das tink.ch dringend benötigt. Wir sind uns ziemlich sicher, dass er schon am Tag nach dem Absenden (ordentlich frankiert übrigens) bei einem Postverteilzentrum irgendwo in der Schweiz landete. Was passierte dann damit? Wo liegt er? Warum liegt er da? Worauf muss gewartet werden? WORAUF Herrgott nochmal!?!

 

Solange das nicht geklärt ist, werden wir auch vorerst auf weitere Briefe jedweder Art verzichten.

 

 

Ungeheuerlich!

 

Ihr Deutschland.