Gesellschaft | 20.03.2015

Sechsundvierzigster Brief aus Deutschland

Obwohl der Euro gegenüber dem Franken stark an Wert verloren hat, sind viele deutsche Presseerzeugnisse noch immer deutlich teurer. Die Kollegen von Eine Zeitung zeigen sich kulant. Ihre Briefe wollen sie (auch) in Zukunft einem ausgewählten Publikum gratis anbieten. Die Leserinnen und Leser von tink.ch freuts!
Armer Vogel! Seit die Briefe gratis in die Schweiz befördert werden, muss sich die Brieftaube eine lukrativere Nebenbeschäftigung suchen. (
Bild: Katharina Good)

Tja, das war’s leider: Coop hat uns aus dem Sortiment geworfen.

 

Schade, wir kamen einfach preislich nicht zusammen. Jetzt wirft die Supermarktkette uns und viele andere deutsche Presseerzeugnisse raus – angeblich, weil die ausländische Presse den derzeitigen Frankenkurs zu ihrem Vorteil nutzt.

 

Ganz offenbar waren wir also zu teuer. Nicht jeder Schweizer wollte so tief in den Geldbeutel greifen, um den deutschen Fokus, den Stern, Spiegel, Le Monde, die Micky Maus und die wöchentlichen Briefe aus Deutschland zu erwerben.

Na, dann eben nicht. Wir wissen ja als Deutsche immer noch nicht, was Coop eigentlich genau ist, aber uns wurde erzählt, der Ramschladen sei in Ihrem Land recht bekannt.

 

Deutschland hat übrigens augenscheinlich umgehend reagiert und sämtliche Druck- wie auch sonstige importierte Erzeugnisse aus der Schweiz aus dem Sortiment geschmissen.

Auf den ersten Blick ist zwar nur schwer zu erkennen, dass sich die Regale spürbar geleert hätten – aber wir wollten es genau wissen, wie üblich.

 

Erstmal also zum Filialisten REWE. Dort haben wir uns das Zeitschriftensortiment angesehen. Keine – Einzige – Schweizer – Zeitschrift! war dort zu finden.

Weiter zum Kiosk am Hauptbahnhof; auch dort: nichts! Keine Zeitschrift aus der Schweiz!

 

Sollte die Retourkutsche so schnell geritten sein? Wir haben es dann noch woanders versucht, aber wo auch immer wir hinkamen, wir fanden einfach keine schweizerischen Presseprodukte.

 

Ist das das Resultat der Frankenabwertung? Ein gegenseitiger Boykott der jeweils anderen Presse?

 

Der geübte Deutsche wird nun sagen: „Schweizer Presse? Hab ich noch nie gesehen.“ Sollte es so sein, dass auch vorher kein Interesse an Schweizer Zeitungen bestand?

 

Das konnten wir nicht glauben und fragten deshalb genauer nach.

„Ja“, so die gleichlautende Antwort deutscher Zufallspassanten, „interessiert uns nicht die Bohne!“. Offenbar ist die Weltwoche oder der Tages-Anzeiger hierzulande gar nicht so gefragt. Wer hätte das gedacht?

 

(Kurz nebenbei: „Tageswoche“ ist ein ziemlich komischer Name. Kann man da was machen? An wen muss man sich da wenden?)

 

Doch auch typische Schweizer Lebensmittel wie Holländischer Gouda, italienische Rispentomaten oder der in Deutschland beliebte Schweizer Kaffee aus China waren plötzlich nicht mehr in den Regalen zu finden.

 

Wir rufen Sie deshalb zur Vernunft auf und möchten mit gutem Beispiel vorangehen. Ab sofort sind sämtliche Briefe aus Deutschland an die Schweiz für Sie umsonst.

Für Null Franken können Sie sich ab jetzt wöchentlich die kleinen Kolumnen auf Tink.ch anschauen. Ja, so sind wir. Die Gewinne, die Tink.ch aus den letzten Briefen eingefahren hat, werden umgehend zurückerstattet.

 

 

Bis nächste Woche also,

Ihr Deutschland.