Kultur | 11.03.2015

Radio Argovia wird zum kleinen Bruder von Radio 24

Text von Michael Küng | Bilder von Melanie Schmidt)
Der Schock in der Medienszene war gross, als die beiden Radiostationen bekanntgaben, dass sie enger zusammen arbeiten werden. Ab September 2015 werden die beiden Radiostationen einen Grossteil ihrer Programme gemeinsam ausstrahlen, das heisst: Radio Argovia übernimmt das Programm von Radio 24 aus Zürich.
Radio Argovia sendet bald Inhalte vom Zürcher Radio 24. Das sorgt in der Szene für viele Debatten. (
Bild: Melanie Schmidt)

Im Frühjahr 2014 war Tink.ch zu Besuch bei Radio 24, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Damals sprach noch niemand von einer engeren Verzahnung mit Radio Argovia. Auf dieses Thema angesprochen, widersprach Chefredakteurin Birgit Orgler damals vehement: Eine engere Zusammenarbeit komme nicht in Frage, da sich ein Zürcher nicht für ein Thema aus Kulm interessiere und der Aargauer kein Interesse an der Zürcher Budgetdiskussion habe. Ausgenommen seien Themen von nationaler Bedeutung. Damals wurden einzig Beiträge der Bundeshausredaktion und die Chartshow am Sonntagnachmittag für beide Radiostationen produziert.

 

Der Aussage von Birgit Orgler ist umso grössere Bedeutung beizumessen, da sie für beide Radiostationen tätig war, respektive ist: Bei Radio Argovia lancierte sie ihre Karriere in der Radiobranche. Es ist daher davon auszugehen, dass die Verwunderung über die engere Zusammenarbeit nicht nur ausserhalb des Unternehmens gross ist, sondern auch firmenintern, obwohl von offizieller Seite die Nutzung der positiven Synergien betont wird.

 

Hat Radio Argovia die Konzession noch verdient?

Aus dem Blickwinkel von Radio 24 ist diese Programmfusion eher zu verkraften, denn Radio 24 darf weiterhin in ähnlichem Umfang produzieren. Es geht sogar so weit, dass Radio 24 die Hörer von Radio Argovia dazugewinnt und so besteht die Möglichkeit, dass Aargauer Hörer Radio Argovia ganz den Rücken kehren. Radio Argovia und der Aargau als Medienkanton verlieren somit an Bedeutung. Dies ist besonders tragisch, da Peter Wanner, Aargauer und Besitzer der beiden Radiostationen, entschieden hat, den Grossteil seiner Medienaktivitäten nach Zürich zu verlegen. Dies, nachdem er Radio Argovia gegründet und jahrelang aufgebaut hat.

 

Erst vor kurzem stand er gegen Roger Schawinski vor Bundesgericht um sich die Konzession für Radio Argovia zu erkämpfen. Radiopionier Schawinski wollte die Konzession von Radio Argovia um eine zweite Radiostation im Aargau aufzubauen und somit das Monopol von Peter Wanner zu brechen. Mit der erstrittenen Konzession hat sich Peter Wanner für die Aargauer Medienlandschaft stark zu machen und sie in der Form zu erhalten, wie sie bei Konzessionsvergabe gedacht war. Ansonsten wäre es ein Fehler gewesen, die Konzession zu erteilen.

 

Wanner hätte bei einer allfälligen Konzessionsvergabe an Roger Schawinski mit dem Bundesamt für Kommunikation bestimmt eine Lösung finden können, um Radio Argovia am Leben zu erhalten. Leider wird der Aargau so ab Herbst 2015 nur noch von einem halben Radiosender mit relevanten Informationen versorgt. Nach Bekanntgabe der Programmfusion wirken die neuen Signete, die seit kurzem bei Radio Argovia on air sind und die Verbundenheit mit dem Kanton aufzeigen sollen, wie ein Hohn.

Um der ganzen Sache den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Tele M1 am Tag der Bekanntgabe versucht, kritisch darüber zu berichten. Ein Sender, der ebenfalls Peter Wanner gehört.

 

Verantwortliche erhalten keine Chance

Die Macher beider Radiostationen haben in der Vergangenheit einen guten Job gemacht. Jene Aargauer, die bis jetzt noch keine Möglichkeit hatten, Radio 24 zu empfangen, werden ein motiviertes und gutes Radioprogramm zu hören bekommen. Allerdings ist es schade, dass die Verantwortlichen nicht die Chance erhalten, sich mit zwei Vollprogrammen gegenseitig anzuspornen.