Kultur | 19.03.2015

Heinecken: Zeitlose Gesellschaftskritik

Text von Anna Bachofner
Noch bis am 3. Mai 2015 werden in der Freiburger Kunsthalle Fri Art Werke des amerikanischen "Parafotografen" Robert Heinecken ausgestellt. In den 70er und 80er Jahren entstanden, sind die behandelten Themen wie Werbung, Massenmedien und Konsumverhalten auch heute noch aktuell.
Werbung einmal anders -“ Ausschnitt des Werkes "Lessons in Posing Subjects" von Robert Heinecken. Die Rolle der Frau in den Medien: Sex sales und wie die Frau durch die Bilder in der Werbung wortwörtlich in Ketten gelegt wird.

Vom 27. Februar bis 3. Mai 2015 werden in der Kunsthalle Fri Art in Fribourg die Werke von Robert Heinecken (1931–2006) ausgestellt. Laut dem Pressedossier des Veranstalters stammen die Werke aus der Zeit ab Mitte der 70er Jahre bis hin zu seiner Serie Lessons in Posing Subjects aus den Jahren 1981/82.

 

Robert Heinecken bezeichnete sich selbst gerne als “Parafotograf”, da er sich nicht nur auf die Fotografie beschränkte, sondern vielfältige Techniken für den Umgang mit Bildern nutzte. Des Weiteren zählt er zu den bedeutendsten amerikanischen Nachkriegsfotografen.

 

In seinen ausgestellten Werken setzt er sich kritisch mit den Massenmedien und ihrem Einfluss auf die Gesellschaft auseinander. So kommentiert er in seiner Bilderserie auf humorvolle Art und Weise die verschiedenen Posier-Techniken der Modelle aus Werbekatalogen.

 

Beeinflussung durch die Medien

Die Serie Lessons in Posing Subjects und die darin enthaltene Kritik an den Massenmedien und dem Konsumverhalten in unserer Gesellschaft ist – auch mehr als dreissig Jahre nach ihrer Entstehung – noch top aktuell und heute vielleicht sogar wichtiger denn je! Heinecken zeigt mit seinen Werken eindrücklich, wie uns die Medien und vor allem auch die Werbung beeinflussen können.

 

Diese doch so alltäglichen Themen werden durch die Arbeit des Künstlers aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtet und seine Bilder in den Ausstellungshallen auf eine eindrückliche Art dargestellt. An den grossen, weissen Wänden können sie ungehindert ihre Wirkung entfalten.

 

Sie verleihen den steril wirkenden Räumen Farbe und beweisen zugleich, dass es nicht auf die Grösse ankommt. Wie in unserem alltäglichen Leben auch ziehen die Bilder aus der Werbung unsere Aufmerksamkeit auf sich und beeinflussen sie uns unbewusst in unseren Entscheidungen und Handlungen.

 

Gender-Frage

Heinecken selbst bezeichnete sein Schaffen als “Guerilla-Kunst”. So greift er in seinen Werken auch die umstrittenen Themen Pornografie und die Gender-Frage auf. Dabei stellt er gängige Rollenbilder und Stereotypen in Frage. In seinen Typologien zu den verschiedenen Pose-Techniken stellt der Künstler auf satirische Weise verschiedene Fehler beim Posieren dar. So kann schon nur eine falsche Handhaltung den ganzen Ausdruck des Modells zerstören.

 

Hinter diesem humoristischen Ansatz klingt jedoch auch die Kritik an der Darstellung der Frau als Objekt mit. Sei es nun als auswechselbares Werbe-, Lust- oder gar Sexobjekt zur Befriedigung der männlichen Triebe. Sobald die Körperhaltung einer Frau in einer solchen Typologie, wie derjenigen der Serie Lessons in Posing Subjects, dargestellt wird, geht es nicht mehr um das Individuum, sondern um den Massenkonsum. Zudem prägen solche Darstellungen unsere Vorstellung davon, wie eine begehrenswerte Frau auszusehen, wie sie sich zu kleiden und zu verhalten hat. Ausserdem begleiten uns diese Stereotypisierungen von klein auf.

 

Abstumpfung durch Medien

Heutzutage sind aber nicht nur die in der Werbung vermittelten Rollenbilder ein wichtiges Thema. Viel mehr werden wir durch die Massenmedien mit Informationen praktisch überrollt. Bei dieser Flut an Neuigkeiten zum Weltgeschehen gestaltet es sich schwierig, den Überblick zu behalten.

 

Ist es denn nicht so, dass uns die Bilder aus Kriegsregionen wie Syrien mehr und mehr abstumpfen? Dass Nachrichten nur selektiv Wahrheiten verbreiten und andere Facetten des Weltgeschehens vernachlässigen? Dass die Wucht der gezeigten Bilder uns ohnmächtig und verständnislos zurück lässt?