Kultur | 27.03.2015

Eine Sinfonie für Luzern

Im Rahmen des Lucerne Festivals zu Ostern haben die Bewohner Luzerns gemeinsam ein spezielles Projekt umgesetzt: Im Verlaufe des letzten Jahres nahmen sie Klänge der Stadt auf, die nun vom Komponisten Tod Machover zu einer nicht alltäglichen Sinfonie zusammengeführt werden.
Der Komponist Tod Machover auf Klangjagd in Luzern. (
Bild: zvg/Lucerne Festival; Priska Ketterer)

Was kommt einem in den Sinn, wenn man an die Stadt Luzern denkt? Der See, die Touristen, eine schöne Altstadt, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern? Alles Bilder, die in Verbindung mit Luzern vor dem inneren Auge entstehen können. Doch wie hört sich das alles an? Welche Klänge sind «typisch Luzern«?

 

Städtische Klänge

Vielleicht der Wind in den Bäumen am See, das Planschen der Enten und Schwäne, der Verkehr auf der Seebrücke, das Wirrwarr von Musik und Gerede in den Bars?

 

Tod Machover vom Massachusetts Institute of Technology in Boston (MIT) ist dieser Frage  nachgegangen und dufte im Verlauf des letzten Jahres die Bevölkerung Luzerns dazu auf, genau solche speziellen Klänge aufzunehmen.

 

Dabei ging es dem Komponisten vor allem darum, dass sich die Bewohner auf die Klänge aus ihrem Alltag besinnen, die ihnen sonst vielleicht gar nicht auffallen würden oder «banal« klingen, wie das Treten in die Fahrradpedale oder die Katze, die morgens vor der Türe miaut. Nun besteht die Aufgabe darin, aus dem gesammelten Material ein Konzertstück zusammenzusetzen, das sich eben nach «typisch Luzern« anhört – die Luzerner Sinfonie.

 

Eine Uraufführung von Luzernern für Luzerner

Die Umsetzung ist bereits in vollem Gange. Die Sammlung der musikalischen Einzelteile, die im August 2014 ihren Anfang nahm, geht diese Woche in ihre Endphase: während des Lucerne Festivals zu Ostern, das vergangenen Montag begann und noch bis kommenden Sonntag stattfindet, werden die Teilstücke spielerisch in öffentlichen Workshops zusammengesetzt. Die Luzerner Sinfonie soll sich schliesslich nach Luzern anhören, und wer kann dies besser beurteilen als die Bewohner selbst?

 

Die Workshops, zu deren Teilnahme der Komponist Machover explizit aufruft, finden diesen Samstag, den 28. März statt. In der Jazzkantine, dem belebten und kreativen Lokal der zugehörigen Jazzschule, stellt der Komponist seine Arbeitsweise vor.

 

Der Workshop startet um 10 Uhr zusammen mit Studierenden der Hochschule Luzern und führt laut Medienmitteilung des Lucerne Festivals in die Improvisation, aber auch in die «visionäre« Arbeit ein: Wie lassen sich diese gesammelten Geräusche in Musik übertragen? Wie lässt sich das Material verwenden, um ein Konzerstück daraus zu formen?

 

Studierende und Workshop-Teilnehmer suchen, tüfteln, improvisieren und verändern, um im gemeinsamen Kunstschaffen Rhythmen, einzelne Phrasen und Charakteristika der Sinfonie für Luzern zu gestalten.

 

Am selben Tag um 17 Uhr findet dann der zweite Workshop statt, in dem es noch einen Schritt konkreter wird: Im Foyer des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) wird der amerikanische Künstler zusammen mit anderen Musikern eine Präsentation in englischer Sprache halten, um die Entwicklung vom simplen Geräusch zum Motiv in der Sinfonie zu erklären. Dabei werden auch einzelne Umsetzungsmöglichkeiten und deren Entstehung vorgestellt und erläutert.

 

Als weiteres, jedoch nicht öffentliches Highlight, wird das Team mit Kindern ausgewählter Schulklassen während der gesamten Woche das Programmieren von Kompositionen üben. Hyperscore, eine laut Medienmitteilung speziell entwickelte Software, ist dank visuellen Symbolen einfach anzuwenden und erlaubt das Komponieren von Musik, ohne Vorkenntnisse zu besitzen.

 

Diese von den jungen Künstlern komponierten Stücklein werden wiederum in die Sinfonie einfliessen. So können die Kinder spielerisch erlernen, was komponieren bedeutet, ihre eigenen Beiträge zur Musik leisten und auf diese Weise erfahren, wie Musik entsteht.

 

Lange gesuchte Antwort schlussendlich gefunden

Das Schlusswerk, das aus all den aufgenommenen Geräuschen, Klängen und Melodien während dieser Woche in musikalische Elemente transferiert und schliesslich vom Komponisten zusammengeführt wird, findet seinen Weg an die Öffentlichkeit allerdings erst in einer nächsten Etappe.

 

Ein Jahr nach der Lancierung des Projektes wird mit der Uraufführung der Luzerner Sinfonie am 5. September dieses Jahres die Frage beantwortet werden, wie sich Luzern denn nun letztendlich anhört.