Journalismus im Tiefflug

Dienstag, 24. März 2015, 10.53 Uhr MEZ: Der Airbus A320 des Germanwings-Linienflugs 9525, auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, zerschellt an einem Bergmassiv im südfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence. Alle 144 Passagiere, darunter sechzehn Schülerinnen und Schüler einer deutschen Schule, und die sechs Besatzungsmitglieder kommen bei dem Absturz ums Leben. Es ist eine Tragödie unvorstellbaren Ausmasses, zumal zwei Tage nach dem Unglück bekannt wurde, dass der Co-Pilot die Maschine offensichtlich gezielt zum Absturz gebracht hatte.

 

Auch die irrelevanteste Information wird zur Meldung

Die Anteilnahme und die Trauer in der Bevölkerung, egal ob in Deutschland, Frankreich, Spanien oder der Schweiz, ist enorm, das Leid der Angehörigen unvorstellbar, das Geschehene ist kaum zu begreifen. Eine solche Situation erfordert besonderes Spitzengefühl von allen Seiten; die Politik, die Behörden und die betroffenen Unternehmen scheinen das schnell verinnerlicht zu haben.

 

Anders die Medien. Die Sensationsgier schien von Anfang an ungebrochen, und somit liessen die ersten fehlerhaften Meldungen nicht lange auf sich warten: “Gewitter während des Absturzes” oder “Stimmen-Rekorder kann nicht ausgewertet werden” sind nur zwei Beispiele von einer endlosen Liste. Wenn sie nicht fehlerhaft waren, so waren die Meldungen meist irrelevant: Die Newsticker der Onlinemedien liefen kurz nach dem Verschwinden von 4U 9525 heiss, Hauptsache man berichtete darüber, egal wie spekulativ und nichtssagend die Informationen auch waren.

 

An den eigenen Massstäben gemessen

In der “Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten” des Schweizer Presserates heisst es in Punkt 7: “Sie respektieren die Privatsphäre der einzelnen Personen, sofern das öffentliche Interesse nicht das Gegenteil verlangt. Sie hinterlassen anonyme und sachlich nicht gerechtfertigte Anschuldigungen.” Inwieweit es für das öffentliche Interesse von Bedeutung sein soll, ein Foto in Grossformat von trauernden Angehörigen, die soeben vom Unglück erfahren haben, zu publizieren, bleibt schleierhaft. Auf massive Kritik dazu rechtfertigte sich beispielsweise Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild, auf Twitter, dass sie es nur anderen Medien gleich tun würden.

 

“Sie halten sich an die Wahrheit ohne Rücksicht auf die sich daraus ergebenden Folgen und lassen sich vom Recht der Öffentlichkeit leiten, die Wahrheit zu erfahren” lautet der Punkt eins der Erklärung des Schweizer Presserates. Diese Passage meinen Manche wohl sehr frei interpretieren zu können. Bei der Informationsbeschaffung schrecken die Journalisten scheinbar vor nichts zurück: So boten sie laut Aussagen einiger Schüler aus Haltern, deren Schule insgesamt 18 Opfer zu beklagen hat, Geld gegen Interviews, anstatt sie um ihre Mitschüler und Lehrkräfte trauern zu lassen.

 

Eine bis dahin ungeahnte Dimension nahm die Berichterstattung an, als bekanntgegeben worden war, dass der Co-Pilot den Sinkflug vorsätzlich eingeleitet hat. Sofort machten sich die Medienschaffenden daran, seine Wohnung und das Haus seiner Eltern in allen Details zu filmen und zu fotografieren, seinen kompletten Namen und Fotos von Namensvettern des Co-Piloten zu publizieren, die schlecht über soziale Netzwerke recherchiert wurden. Dieses Vorgehen der Boulevardmedien erschien den seriösen deutschsprachigen Medien wohl als Freifahrtschein, nachzuziehen, sich an der Hetzjagd zu beteiligen und dieselben falschen Fotos zu veröffentlichen – eine Richtigstellung erfolgte nicht in allen Fällen.

 

Rückbesinnung auf die eigenen Ansprüche

Diese Bestandsaufnahme soll kein Rundumschlag mit der Moralkeule gegen Medienschaffende allgemein sein, aber sie zeigt klar und deutlich, dass eine Rückbesinnung auf die eigenen Ansprüche gerade in solchen Situationen von grosser Wichtigkeit ist. Die Devise “Informationsbeschaffung und Berichterstattung um jeden Preis” gilt bei grossen menschlichen Tragödien, so zeigt der aktuelle Fall, nämlich nicht uneingeschränkt – Entschleunigung statt Bulimie-Journalismus, Empathie statt Pietätlosigkeit. Dies wären sicher bessere Ansätze.

Siebenundvierzigster Brief aus Deutschland

Guten Tag liebe Schweizer,

 

wussten Sie eigentlich, dass wir unseren ersten Brief an die Schweiz damals tatsächlich mit der Post verschickt haben?

 

Es war ein wunderschöner Herbsttag im November 2013. Ein Donnerstag. Das Thema damals war die Vorweihnachtszeit in Deutschland verglichen mit der Vorweihnachtszeit in der Schweiz. Es war ein wirklich lustiger Brief, über den wir auch heute noch herzhaft schmunzeln können.

 

Wir erinnern uns noch daran, wie wir ihn kichernd ausgedruckt und eingetütet hatten, zur Post fuhren und ihn persönlich abgaben, voller Vorfreude darauf, ihn dann einen Tag später bei tink.ch veröffentlicht zu sehen.

 

Wir konnten damals beide in dieser Nacht nicht besonders gut schlafen. Die Aufregung war groß. Der erste Brief aus Deutschland an die Schweiz. Wie werden die Schweizer darauf reagieren? Werden sie sich amüsieren? Werden sie beleidigt sein? Können sie überhaupt irgendwas damit anfangen?

 

Am darauffolgenden Tag saßen wir schließlich gebannt vor unserem Computer und warteten.

 

Und warteten.

 

Und warteten.

 

Doch der Brief wurde nicht veröffentlicht.

 

Auch eine Woche später erschien unser wirklich fabelhafter Brief nicht bei Tink.ch.

 

Wir konnten es uns nicht erklären und fragten nach weiteren drei Wochen einmal persönlich nach. Die Antwort überraschte uns: Der Brief war noch nicht angekommen!

 

Und hier wären wir beim Thema unseres heutigen Briefes angelangt: Die Schweizer Post.

 

Verschickt man einen Brief innerhalb Deutschlands, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass er einen Tag später den Empfänger erreicht. Verschickt man einen Brief aus Deutschland an einen Adressat innerhalb Europas, kann man davon ausgehen, dass er binnen einem bis sieben Tagen ankommt.

 

Verschickt man einen Brief aus Deutschland an ein Land außerhalb Europas wie Simbabwe, Mexiko, Australien oder Surinam, kann man davon ausgehen, dass er nach spätestens zwei Wochen sein Ziel erreicht.

 

Und schickt man einen Brief aus Deutschland in die Schweiz, tja, dann kann es schon mal locker drei Monate dauern.

 

Wir wollen jetzt echt nicht meckern, es gibt schließlich auch in Deutschland Dinge, die etwas länger dauern – wir denken nur an die Anmeldung eines PKW, die Entschädigung von unschuldig Verurteilten oder unsere Steuererklärung.

 

Dennoch muss es doch möglich sein, einen einfachen Brief innerhalb eines vertretbaren zeitlichen Rahmens an den Empfänger in der Schweiz zuzustellen! Ein wahres Beispiel aus dem privaten Leben eines der Autoren: einst wurde ein Brief nach Brasilien verschickt, von einem Postamt in Nordrhein-Westfalen. Keine fünf Tage später war er beim Empfänger in Sao Paolo. Derselbe Autor hat auch mal einen Brief nach Basel verschickt, der nie ankam. Nie.

 

Überhaupt, Ihre Post: A- und B-Priorität. Ja, habt Ihr sie denn noch alle? DAS ist ein Grund für einen Aufstand. Nicht so blöde Affären irgendwelcher Politiker oder das im Aargau zu viele Stopschilder stehen. Aber wie erklärt ein Liebhaber seiner Freundin in der Schweiz, dass er ihr nur einen Brief mit B-Priorität zugeschickt hat? Da sind doch überflüssige Diskussionen und zahlreiche Trennungen vorprogrammiert.

 

Aber wir kommen vom Thema ab. Wir fragen jetzt mal an dieser Stelle ganz offiziell nach: wo ist der Scheißbrief, den wir vor mittlerweile drei Wochen abschickten? Dieser Brief enthielt ein von uns ausgefülltes Formular, das tink.ch dringend benötigt. Wir sind uns ziemlich sicher, dass er schon am Tag nach dem Absenden (ordentlich frankiert übrigens) bei einem Postverteilzentrum irgendwo in der Schweiz landete. Was passierte dann damit? Wo liegt er? Warum liegt er da? Worauf muss gewartet werden? WORAUF Herrgott nochmal!?!

 

Solange das nicht geklärt ist, werden wir auch vorerst auf weitere Briefe jedweder Art verzichten.

 

 

Ungeheuerlich!

 

Ihr Deutschland.

Eine Sinfonie für Luzern

Was kommt einem in den Sinn, wenn man an die Stadt Luzern denkt? Der See, die Touristen, eine schöne Altstadt, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern? Alles Bilder, die in Verbindung mit Luzern vor dem inneren Auge entstehen können. Doch wie hört sich das alles an? Welche Klänge sind „typisch Luzern“?

 

Städtische Klänge

Vielleicht der Wind in den Bäumen am See, das Planschen der Enten und Schwäne, der Verkehr auf der Seebrücke, das Wirrwarr von Musik und Gerede in den Bars?

 

Tod Machover vom Massachusetts Institute of Technology in Boston (MIT) ist dieser Frage  nachgegangen und dufte im Verlauf des letzten Jahres die Bevölkerung Luzerns dazu auf, genau solche speziellen Klänge aufzunehmen.

 

Dabei ging es dem Komponisten vor allem darum, dass sich die Bewohner auf die Klänge aus ihrem Alltag besinnen, die ihnen sonst vielleicht gar nicht auffallen würden oder „banal“ klingen, wie das Treten in die Fahrradpedale oder die Katze, die morgens vor der Türe miaut. Nun besteht die Aufgabe darin, aus dem gesammelten Material ein Konzertstück zusammenzusetzen, das sich eben nach „typisch Luzern“ anhört – die Luzerner Sinfonie.

 

Eine Uraufführung von Luzernern für Luzerner

Die Umsetzung ist bereits in vollem Gange. Die Sammlung der musikalischen Einzelteile, die im August 2014 ihren Anfang nahm, geht diese Woche in ihre Endphase: während des Lucerne Festivals zu Ostern, das vergangenen Montag begann und noch bis kommenden Sonntag stattfindet, werden die Teilstücke spielerisch in öffentlichen Workshops zusammengesetzt. Die Luzerner Sinfonie soll sich schliesslich nach Luzern anhören, und wer kann dies besser beurteilen als die Bewohner selbst?

 

Die Workshops, zu deren Teilnahme der Komponist Machover explizit aufruft, finden diesen Samstag, den 28. März statt. In der Jazzkantine, dem belebten und kreativen Lokal der zugehörigen Jazzschule, stellt der Komponist seine Arbeitsweise vor.

 

Der Workshop startet um 10 Uhr zusammen mit Studierenden der Hochschule Luzern und führt laut Medienmitteilung des Lucerne Festivals in die Improvisation, aber auch in die „visionäre“ Arbeit ein: Wie lassen sich diese gesammelten Geräusche in Musik übertragen? Wie lässt sich das Material verwenden, um ein Konzerstück daraus zu formen?

 

Studierende und Workshop-Teilnehmer suchen, tüfteln, improvisieren und verändern, um im gemeinsamen Kunstschaffen Rhythmen, einzelne Phrasen und Charakteristika der Sinfonie für Luzern zu gestalten.

 

Am selben Tag um 17 Uhr findet dann der zweite Workshop statt, in dem es noch einen Schritt konkreter wird: Im Foyer des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) wird der amerikanische Künstler zusammen mit anderen Musikern eine Präsentation in englischer Sprache halten, um die Entwicklung vom simplen Geräusch zum Motiv in der Sinfonie zu erklären. Dabei werden auch einzelne Umsetzungsmöglichkeiten und deren Entstehung vorgestellt und erläutert.

 

Als weiteres, jedoch nicht öffentliches Highlight, wird das Team mit Kindern ausgewählter Schulklassen während der gesamten Woche das Programmieren von Kompositionen üben. Hyperscore, eine laut Medienmitteilung speziell entwickelte Software, ist dank visuellen Symbolen einfach anzuwenden und erlaubt das Komponieren von Musik, ohne Vorkenntnisse zu besitzen.

 

Diese von den jungen Künstlern komponierten Stücklein werden wiederum in die Sinfonie einfliessen. So können die Kinder spielerisch erlernen, was komponieren bedeutet, ihre eigenen Beiträge zur Musik leisten und auf diese Weise erfahren, wie Musik entsteht.

 

Lange gesuchte Antwort schlussendlich gefunden

Das Schlusswerk, das aus all den aufgenommenen Geräuschen, Klängen und Melodien während dieser Woche in musikalische Elemente transferiert und schliesslich vom Komponisten zusammengeführt wird, findet seinen Weg an die Öffentlichkeit allerdings erst in einer nächsten Etappe.

 

Ein Jahr nach der Lancierung des Projektes wird mit der Uraufführung der Luzerner Sinfonie am 5. September dieses Jahres die Frage beantwortet werden, wie sich Luzern denn nun letztendlich anhört.

Vom Sozialamt zur Showbühne

Schicksalhafter kann es nicht sein. Vor acht Jahren lernten sich Theo Hutchcraft, heutiger Sänger der Band Hurts und Pianist Adam Anderson, bei einer Schlägerei ihrer Freunde kennen. Es war vier Uhr nachts. Zu betrunken, um sich die hübschen Gesichter einzuschlagen, begannen sie über Musik zu plaudern und gründeten daraufhin eine Band. Kaum zu glauben, aber wahr soll es, laut den beiden, sein. Einst vom Sozialamt abhängig, treten sie heute nur noch mit Chanel und Dior Anzügen auf.

 

Geldnot? Geschichte. “Durch gute Kleidung fühlt man sich gleich viel besser und nicht als ein Versager”, sagt Theo Hutchcraft gegenüber dem BBC News Magazine London UK. Von Versagern ist schon lange nicht mehr die Rede, denn mit einer Million verkauften Platten ihres Debütalbums Happiness (2010) sind sie eine der erfolgreichsten Bands Europas. Das Lied Stay blieb wortwörtlich in den Köpfen der Leute hängen, allein in Deutschland belegte das Lied drei Wochen lang die Charts. Dies liegt vielleicht auch am Film Kokowääh von Til Schweiger, welcher den Song verwendete.

 

Bühnenperformance mit netter Geste

Stets geschniegelt und die Haare auf Hochlack frisiert, performen sie auf der Bühne und beglücken ihre Fans am Ende des Konzerts jeweils mit weissen Rosen, die sie in das Publikum werfen.

Die Lieder von ihren ersten beiden Alben Happiness und Exile passen perfekt zu ihrer Erscheinung: Düster, dunkel und melancholisch, passend zu ihrer Vergangenheit. Doch gerade mit Wonderful life schafften sie den Durchbruch in Europa. Irgendwie ungewohnt, denn der Titel passt eigentlich so gar nicht zu den beiden Briten.

 

Preisabsahnen im Schnelltempo

Nachdem Wonderful life im Radio auf und ab gespielt wurde, folgte mit Happiness ein Preis nach dem anderen. Vom Bambi bis zum Echo Award und Nominierungen bei den Swiss Music Awards 2011 als beste internationale Band, um einige Beispiele zu nennen. Von Eintagsfliegen ist bei Hurts nicht die Rede.

 

Drei Jahre nach ihrem ersten Album gelangten sie 2013 mit dem Album Exile und den Singles Somebody to die for und Blind erneut in die deutschen Charts. Ihrem Musikstil sind sie treu geblieben. Traurig und melancholisch, von zerbrochener Liebe ist die Rede. Also Finger weg für Leute, die nahe am Wasser gebaut sind.

 

Zukunftsblick

Obwohl Hurts mit ihren ersten beiden Alben die Chats im Nu gestürmt hatten und regelmässig vor restlos ausverkauften Hallen spielen durften, lassen sie mit dem dritten Album lange auf sich warten. Ob sie ihr Niveau halten können und mit ihrer Musik erneut grosse Erfolge feiern dürfen, ist noch ungewiss. Wir warten jedoch gern.

SBB lanciert neues Angebot

Seit gut einem Monat können Erwachsene an allen SBB-Verkaufsstellen das Abend-GA für 490 Franken kaufen. Damit kann man anschliessend das gesamte öffentliche Verkehrsnetz der Schweiz ab 19 Uhr bis Betriebsschluss nutzen. Tönt erstmal nicht schlecht, wäre das GA nicht nur ein halbes Jahr gültig. Und wäre der Preis für das Abonnement nicht so hoch.

 

Eine nicht-repräsentative Umfrage der Basler Zeitung hat ergeben, dass gerade mal jeder Fünfte die 490 Franken für das Abend-GA bezahlen würde. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie höchstens 100 Franken zahlen würden, 35 Prozent wären immerhin bereit, 300 Franken dafür auszugeben.

 

Das Gleis-7 für Grosis

Neben dem hohen Preis und der begrenzten Gültigkeitsdauer gibt auch die erhoffte Zielgruppe Grund zum Zweifeln. Die SBB lanciert den Pilotversuch in Zusammenarbeit mit dem Verein öffentlicher Verkehr (VöV) in der Hoffnung, dass Pendler am Abend auf die weniger ausgelasteten Züge ab 19 Uhr umsteigen und damit das Platzproblem während den Stosszeiten verringern könnten.

 

Jedoch bedeutet dies im Umkehrschluss, dass sie folglich auch später zur Arbeit fahren würden, was jedoch mit dem Abend-GA nicht abgedeckt wird. Für Pendler ist ein Zonenabo oder ein normales GA deshalb günstiger.

 

Für Personen, die abends ausgehen, wäre das Abend-GA perfekt. Jedoch bietet die SBB mit dem Gleis-7 schon ein entsprechendes und auch günstigeres Angebot für Jugendliche unter 26 Jahren an. Wie viele Großväter und Großmütter am Abend Zug fahren ist wahrscheinlich eher überschaubar.

 

Ein Unterschied zum Gleis-7-Abo besteht darin, dass das Abend-GA für den gesamten öffentlichen Verkehr gültig ist, wie ein normales GA, das Gleis-7 dagegen nur in den Zügen der SBB. In Bussen, Schiffen und Zügen anderer Bahnanbieter wie dem privaten Bahn- und Busunternehmen RBS ist das Abo allerdings nicht gültig.

 

Top oder Flop

Die Zielgruppe beschränkt sich demnach ausschließlich auf jene, die am Abend an ein Konzert oder zu einem Abendkurs gehen und ansonsten den öffentlichen Verkehr nicht benutzen. Auch für Personen, die über das Wochenende verreisen und am Sonntagabend schon wieder heimkehren, wäre das Abend-GA eine Option. Damit fällt die Zielgruppe für das Abend-GA allerdings relativ klein aus.

 

Ob und inwiefern das Abend-GA ein Erfolg wird, ist zurzeit aber noch schwer abzuschätzen. Das Angebot ist ein guter Ansatz, das Platzproblem zu lösen, leider weist die praktische Umsetzung noch einige Mängel auf.

Sechsundvierzigster Brief aus Deutschland

Tja, das war’s leider: Coop hat uns aus dem Sortiment geworfen.

 

Schade, wir kamen einfach preislich nicht zusammen. Jetzt wirft die Supermarktkette uns und viele andere deutsche Presseerzeugnisse raus – angeblich, weil die ausländische Presse den derzeitigen Frankenkurs zu ihrem Vorteil nutzt.

 

Ganz offenbar waren wir also zu teuer. Nicht jeder Schweizer wollte so tief in den Geldbeutel greifen, um den deutschen Fokus, den Stern, Spiegel, Le Monde, die Micky Maus und die wöchentlichen Briefe aus Deutschland zu erwerben.

Na, dann eben nicht. Wir wissen ja als Deutsche immer noch nicht, was Coop eigentlich genau ist, aber uns wurde erzählt, der Ramschladen sei in Ihrem Land recht bekannt.

 

Deutschland hat übrigens augenscheinlich umgehend reagiert und sämtliche Druck- wie auch sonstige importierte Erzeugnisse aus der Schweiz aus dem Sortiment geschmissen.

Auf den ersten Blick ist zwar nur schwer zu erkennen, dass sich die Regale spürbar geleert hätten – aber wir wollten es genau wissen, wie üblich.

 

Erstmal also zum Filialisten REWE. Dort haben wir uns das Zeitschriftensortiment angesehen. Keine – Einzige – Schweizer – Zeitschrift! war dort zu finden.

Weiter zum Kiosk am Hauptbahnhof; auch dort: nichts! Keine Zeitschrift aus der Schweiz!

 

Sollte die Retourkutsche so schnell geritten sein? Wir haben es dann noch woanders versucht, aber wo auch immer wir hinkamen, wir fanden einfach keine schweizerischen Presseprodukte.

 

Ist das das Resultat der Frankenabwertung? Ein gegenseitiger Boykott der jeweils anderen Presse?

 

Der geübte Deutsche wird nun sagen: “Schweizer Presse? Hab ich noch nie gesehen.” Sollte es so sein, dass auch vorher kein Interesse an Schweizer Zeitungen bestand?

 

Das konnten wir nicht glauben und fragten deshalb genauer nach.

“Ja”, so die gleichlautende Antwort deutscher Zufallspassanten, “interessiert uns nicht die Bohne!”. Offenbar ist die Weltwoche oder der Tages-Anzeiger hierzulande gar nicht so gefragt. Wer hätte das gedacht?

 

(Kurz nebenbei: “Tageswoche” ist ein ziemlich komischer Name. Kann man da was machen? An wen muss man sich da wenden?)

 

Doch auch typische Schweizer Lebensmittel wie Holländischer Gouda, italienische Rispentomaten oder der in Deutschland beliebte Schweizer Kaffee aus China waren plötzlich nicht mehr in den Regalen zu finden.

 

Wir rufen Sie deshalb zur Vernunft auf und möchten mit gutem Beispiel vorangehen. Ab sofort sind sämtliche Briefe aus Deutschland an die Schweiz für Sie umsonst.

Für Null Franken können Sie sich ab jetzt wöchentlich die kleinen Kolumnen auf Tink.ch anschauen. Ja, so sind wir. Die Gewinne, die Tink.ch aus den letzten Briefen eingefahren hat, werden umgehend zurückerstattet.

 

 

Bis nächste Woche also,

Ihr Deutschland.

Das FIFF enthüllt die 29. Festivalausgabe

Das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF) trifft mit dem diesjährigen Programm den Nerv der Zeit: Freiburg setzt sich für die Freiheit ein. Die Aktualität der Zeitgeschehnisse äussert sich vom 21. bis zum 28. März auf der Kinoleinwand im Humor oder der Erotik, aber auch in Völkern, die ihre bedrohte Identität und Freiheit über die Kunst zurückerobern: Ossamma Mohammed, Autor des Films Silvered Water, Syria Self-Portrait kuratierte insgesamt 42 (!) Dokumentarfilme, die die Leidensgeschichte Syriens erzählen.

 

Mit 75 Filmschaffenden und Gästen – mehr als  je zuvor – und 150 Filmen aus 57 Ländern sowie verschiedensten Debatten, Ausstellungen und Masterclasses weist das FIFF eine moderne und aktuelle Bandbreite auf. Tink.ch ist dabei, wenn das traditionelle Filmfestival bereits zum 29. Mal mit erstklassigen Filmen Kinofans aus der ganzen Welt anziehen wird.

 


 

Mehr Informationen unter: www.fiff.ch