Gesellschaft | 22.02.2015

Zweiundvierzigster Brief aus Deutschland

Auf der Redaktion von Eine Zeitung knallten jüngst die Korken: Einer der beiden Chefredaktoren feierte seinen Geburtstag und der andere schloss sich sogleich der einwöchigen, mit Alkohol nicht geizenden Feier an. Noch immer unter Kopfschmerzen leidend, wandten sich die beiden nun per Brief an uns.
Flog diesmal wohl nicht den direktesten Weg. Die alkoholisierte Brieftaube. (
Bild: Katharina Good)

Schönes Wochenende, Schweiz!

 

Unser heutiger Brief fällt ein wenig alkoholischer aus, denn es gibt Grund zum Feiern. Einer unserer Chefredakteure hatte neulich Geburtstag; wir nüchtern in diesem Moment aus. Junge, Junge, eine Woche durchfeiern, das ist in unserem Alter nicht mehr drin, das merken wir gerade. Unmengen von Bier und Schnaps in uns hinein zu schütten war bis vor kurzem kein Problem für uns, aber wir sind jetzt beide – die gesamte Redaktion – knapp über 30.

 

Und nun kommen wir zum Thema dieses Briefes. Uns ist aufgefallen, dass dieses Tink von sich selber behauptet, ein Magazin von Menschen unter 30 zu sein. Wir sind also schon über dem Alterszenit hinausgeschossen und bereiten uns langsam auf das Unaufhaltsame auf: den Tod.

 

Nicht den Tod im wörtlichen Sinne mit sterben und so, wir meinen den Tod dieser allwöchentlichen Briefe an die Schweiz. Wir rechnen sekündlich damit, dass der Chefredakteur uns anruft (das hat er übrigens noch nie getan!) und uns die Kündigung ausspricht. Vermutlich weiß er bis jetzt gar nicht, dass wir eigentlich schon längst nicht mehr für Tink schreiben dürften.

 

Wir geben zu: es gab mal ein kleines Missverständnis, was unser Alter angeht. Aus irgendeinem Grund glaubt Tink, wir wären so Anfang, Mitte 20 und damit noch im Rahmen der Altersstruktur.

 

Nun ist es also bald Zeit, Abschied von Ihnen zu nehmen, liebe Leser! Wir haben nochmal beide Leserbriefe durchgelesen, die uns in diesen beinahe 12 Monaten erreichten, und denken, dass wir einen ganz tollen Job gemacht haben. Wem so viel Hass entgegen schlägt – von Schweizern! – der kann keine allzu schlechte Arbeit geleistet haben.

 

Klar, wir könnten vor einen Gerichtshof gehen und gegen die altersbedingte Kündigung vorgehen, und wir hätten auch Erfolg damit. Bislang haben Schweizer Gerichte erstaunlich arbeitnehmerfreundlich geurteilt. Sogar hässliche Frauen dürfen mittlerweile bei Coop an der Kasse sitzen. Aber wir wollen diesen teuren und für Tink äußerst beschwerlichen Weg nicht gehen sondern akzeptieren, dass wir nun mal nicht mehr so hip und yolo sind, wie wir mal waren.

 

Herr Chefredakteur, wir warten auf ihren Anruf. Und bedanken uns schon jetzt für die monatelange vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ganz besonders wollen wir all den tapferen Menschen bei Tink danken, die sich so liebevoll um uns gekümmert haben, deren Namen uns aber immer wieder entfallen. Unser letzter Gruß gilt allerdings der liebenswerten SVP, bei der wir jetzt aufgrund unseres Alters in die Nachwuchsorganisation eintreten können.

 

 

Beste Grüße und auf bald mal!