Kultur | 13.02.2015

“Wir sind nicht mehr verblendet”

Text von Naomi Dankyi | Bilder von zVg/Tino Scherer)
Die Luzerner Rap-Welt ist produktiver denn je. Allen voran: Marash & Dave. Ein Jahr nach ihrem ersten Werk folgt Album Nummer Zwei namens Disneyland. Tink.ch traf die beiden Rapper zum Interview und sprach mit ihnen darüber, wieso der Ausgang nur noch wütend macht, etliche Künstler zu faul sind und was es mit diesem Disneyland auf sich hat.
Zwei, die sich nicht hinter einer Fassade verstecken: Marash & Dave. (
Bild: zVg/Tino Scherer)

Tink.ch:  Erst vor einem Jahr habt ihr euer erstes Album #wägeinischey veröffentlicht. Jetzt legt ihr mit eurem zweiten Werk Disneyland nach, Weshalb habt ihr euch nicht mehr Zeit gelassen?

Marash: Wir sind durchgehend produktiv. Es ist nicht so, dass wir denken: “Jetzt haben wir ein Album herausgegeben, vielleicht irgendwann mal wieder.” Bevor ein Album draussen ist, sind wir bereits am Schreiben von neuen Songs. Weil wir Bock darauf haben und uns das flasht.

 

Dave: Ein Jahr vergeht ja nicht so schnell.

 

Dennoch lassen sich viele Künstler Zeit, um an ihren Alben zu feilen und lassen ihre Hörer locker mehrere Jahre warten.

Marash: Ich glaube, das ist eine Ausrede, weil solche Künstler einfach zu faul sind (lacht). Ein Song pro Monat, das schafft man doch.

 

Dave: Man kann es sich nicht leisten, drei Jahre nichts zu machen. Danach zeigt kaum einer mehr Interesse.

 

Kürzlich war der Release von Disneyland. Wie war das Feedback?

Dave: Nur gut. Voll geil! Innerhalb von 24 Stunden wurde es bereits 1’000 Mal heruntergeladen. Das macht Freude.

 

Marash: Brutal, was uns die Leute geschrieben haben! Einer berichtete, er könne es kaum erwarten, bis er von der Arbeit nach Hause komme, um Disneyland herunterzuladen. Andere fänden die Musik qualitativ top und hören es rauf und runter.

 

Was ist auf Disneyland zu hören?

Marash: Nach der Maskerade folgt das Disneyland, in dem alles gekünstelt zu und her geht. Genauso gibt es Songs, bei denen es um nichts geht und wir die Könige der Welt sind. Auf dem letzten Album waren wir Pharaonen, jetzt Batman. Es ist wieder ein sehr facettenreiches Album entstanden, von poppigen Elementen bis hin zu elektronisch anmutenden Klängen. Wir schränken uns bei unseren Liedern nicht ein und müssen nicht irgendein Konzept erfüllen. Unsere Lieder sind Momentaufnahmen.

 

Wie seid ihr auf den Albumtitel gekommen? Habt ihr als Kinder oft Disneyserien geschaut?

Dave: Also ich schon. Ich schau immer noch gerne alles von Disney; Ratatouille, König der Löwen, das Dschungelbuch, aber auch die ganz neuen Filme – einfach das Coolste, was man sich ansehen kann (lacht)!

 

Marash: Ich war auch als Kind absoluter Disney-Fan, aber deswegen haben wir nicht unser Album Disneyland getauft. Im gleichnamigen Song wird alles thematisiert: Das makellos dargestellte Bild der Stadt, die kitschige Kulisse, die die Touristen sehen, das weisse über der Stadt thronende Schloss Gütsch. Du musst nur morgens nach dem Ausgang den Bahnhof überqueren und schon siehst du die Kehrseite.

 

Dave: Ausgang ist das Disneyland. Du gehst in den Ausgang – als Frau ziehst du dich schön an, schminkst dich, um dich zu besaufen und mit irgendwelchen Leuten zu feiern, die dir eigentlich scheissegal sind und am nächsten Tag geht es dir scheisse. Das ist alles so aufgesetzt. Eine riesige Maskerade. Alle sind nett zueinander, obwohl sie sich alle gleichzeitig hassen.

 

Marash: Alle sind am Schauspielern, wollen ein Konstrukt aufrechterhalten und wirken künstlich.

 

Vor eineinhalb Jahren habt ihr den Song 041, quasi eine Hommage an Luzern, ins Netz gestellt. In dem Lied wird gezeigt, wie toll Luzern ist. Habt ihr eure Meinung wieder geändert?

Marash: Das Statement steht nicht nur in Bezug auf Luzern, sondern auch auf die ganze Schweiz, ja sogar die ganze Welt. Aber die Schweiz im Speziellen. Was kommt jemanden aus Tokio, wenn er an die Schweiz denkt, in den Sinn? Heidi, Schokolade, Uhren. So einfach ist das allerdings nicht. Das weiss jeder, der hier lebt und sich aus seinem Nest wagt.

 

Dave: Wir sind auch nicht mehr so verblendet wie im letzten Jahr. Luzern bleibt natürlich geil, aber es hat auch seine Kehrseite. Dieses Sehen-und-gesehen-werden geht mir auf den Sack, vor allem mir fremde Leute, die sich eine Meinung über mich bilden müssen und das Gefühl haben, diese mir im Ausgang betrunken mitzuteilen. Ausgang bereitet mir keinen Spass mehr, sondern macht mich nur traurig und wütend (lacht).

 

Marash: Als ich für die Passerelle lernen musste und mich ein paar Tage nur zu Hause aufhielt, war ich voller Sehnsucht nach Ausgang und nach Menschen, die ich wenig oder nur kaum kenne. Ich habe das richtig gebraucht, Gesellschaft um mich zu haben und mich zeigen zu können. Jedoch würde mich nach einer Nacht im Ausgang gerne einsperren lassen, weil ich genug habe von diesen Menschen.

 

Nächstes Jahr soll euer Debütalbum erscheinen, das auf dem Markt zu kaufen sein wird.

Marash: Ja, Anfang 2016 wollen wir das erste richtige Debütalbum veröffentlichen. Es wird immer noch Marash & Dave bleiben, ein persönliches Album mit Momentaufnahmen – worüber wir denken, fühlen und was wir alles erleben. Dave und ich sind beide produktive Menschen. Dadurch entwickeln wir uns permanent weiter.

 


 

Unter www.marashunddave.ch kannst du dir Disneyland kostenlos herunterladen.