Kultur | 19.02.2015

Illusionäre Glückseligkeit in Zürich

Vielen dürfte der Film bekannt sein, einigen das Werk von Truman Capote: Breakfast at Tiffany-~s. Aber wie könnte eine deutschsprachige Theaterinszenierung aussehen? In Christopher Rüpings Frühstück bei Tiffany sind die Zuschauer Teil des Geschehens.
Realität vs. Illusion: Zwei Erscheinungen von Holly Golightly (Hanna Binder links, Magdalena Neuhaus rechts) und der Ich-Erzähler in der Mitte. (
Bild: zVg / Toni Suter, T+T Fotografie)

Die Show beginnt bereits beim Einlass. Jeder Zuschauer wird in der Schiffbau/Box Zürich über die Theaterbühne geschleust und ist damit unversehens selbst mitten im Geschehen – genauer im Vergnügungspark. Es herrscht eine betriebsame Stimmung mit viel Musik und Rufen. Bevor die Zuschauer ihre Sitzplätze einnehmen, ergreift der eine oder die andere noch die Gelegenheit, sich wieder einmal eine Zuckerwatte zu gönnen. Kindheitserinnerungen werden wach.

 

Es sind denn auch Erinnerungen, von denen der Ich-Erzähler, gespielt von Nils Kahnwald, anfangs spricht. Erinnerungen an die Glückseligkeit in New York, die im Wesentlichen durch seine Nachbarin Holly Golightly geprägt war.

 

Illusion und Melancholie

Die anfänglich heitere Stimmung kippt schnell, vorbei ist es mit der scheinbaren Traumwelt. Die Jahrmarktmusik und das bunte Treiben des Vergnügungsparks sind plötzlich verstummt, das Karussell liegt in der Bühnenmitte unbeleuchtet und verlassen am Boden.

 

Die Schilderungen des Ich-Erzählers sind von Melancholie geprägt, von Erinnerungen an Holly Golightlys Erscheinung und sein unerfülltes Begehren. Diese Gefühle sind so stark, dass er im Laufe der Aufführung selbst in die Rolle seiner Muse schlüpft und zunächst in High Heels, dann mit Badetuch umwickelt die berühmte Luftschacht-Szene mimt und schliesslich im Abendkleid auf der Bühne steht. Dank der Wandelbarkeit Kahnwalds entsteht ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Realität und Illusion.

 

Doch dann betritt die echte Holly (Hanna Binder) die Bühne – glaubt man zumindest. Die Illusion nimmt ihren Lauf, indem im Laufe des Abends zwei weitere Erscheinungen von Holly (Magdalena Neuhaus, Isabelle Menke) auftreten, die in ihrer Art verschiedener nicht sein könnten. Wo liegt die Grenze zwischen Realität und Illusion? Durch die Verdreifachung von Holly  gelingt es dem 1985 geborenen Regisseur, Christopher Rüping, das Wechselspiel bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Zugleich unterstreicht er damit Hollys Undurchschaubarkeit und Rätselhaftigkeit.

 

Zuschauer in der Mitmachrolle

Nicht nur beim Einlass sieht sich der Zuschauer als Teil des Geschehens. Vor allem die Männer sind gefragt: Einige von ihnen werden im Laufe des Theaterabends wieder auf die Bühne zu einem Drink eingeladen. Diese Szene soll einen der für Holly berühmten Männerabende darstellen, was allerdings aufgrund der eher zurückhaltend agierenden Zuschauer nur mässig gelingen will.

 

Und ganz zum Schluss wird das Publikum erneut involviert, der Kreis schliesst sich. Man summt gemeinsam das Lied «Somewhere over the rainbow« mit instrumentaler Begleitung. Doch trotz dieses musikalischen Lockrufes: Holly erscheint nicht mehr auf der Bühne. Dennoch und vielleicht gerade deshalb gipfelt diese bildgewaltige Theaterinszenierung in einem stimmungsvollen und berührenden Finale.

 


Frühstück bei Tiffany läuft noch bis zum 28. Februar im Schiffbau.