Kultur | 03.02.2015

Humor im Asylheim

Text von Meret Jehle | Bilder von zVg)
Eine einsame Hausfrau inszeniert "Wilhelm Tell" mit einer Asylbewerber-Truppe, die kaum Deutsch spricht. Peter Luisis neuster Film "Schweizer Helden", der 2014 in Locarno den Publikumspreis erhielt, beginnt mit einer vielversprechenden Ausgangslage.
Mit Witz, viel Charme und ohne die Dramatik der Thematik auszulassen, kann "Schweizer Helden" die Herzen des Publikums trotz gewisser Mängel gewinnen. (
Bild: zVg)

Sabine wurde von ihrem Mann verlassen und wird dadurch von ihren ehemaligen Freundinnen weder akzeptiert noch geschätzt. Schlimmer noch: die gemeinsame Weihnachtsfeier in St. Moritz fällt aus und Sabine steht am Fest der Liebe alleine da. Eine naive, liebenswürdige Figur, die nicht aufgibt und es der Welt zeigen möchte, was von Schauspielerin Esther Gemsch überzeugend umgesetzt wurde. Sabine und ihre klischeehaft biederen Freundinnen bilden den einen Fokuspunkt der Geschichte und gleichzeitig auch den eher uninteressanten Teil. Dieser ist von vorhersehbaren Witzen im Sinne klischeehafter Hollywoodkomödien geprägt.

 

Mit Klischees und Charme

Auf der anderen Seite stehen die Asylbewerber, mit denen Sabine innerhalb von zwei Wochen versucht, “Wilhelm Tell” von Friedrich Schiller auf die Bühne zu bringen. Trotz ihrer teils üblen Launen und leicht kriminellen Neigungen gewinnen die Bewohner des Asylheims die Sympathien und Herzen der Zuschauer. Die Mischung aus Profi- und Laiendarsteller fällt nicht auf und überzeugt. Auch die Quersteller Elvis und Remzi, die nicht viel vom Theaterprojekt halten, erobern die Zuschauer mit ihrem Charme. Das wirkt während des Films zwar berührend, lässt aber fragen, inwiefern das auch realistisch ist. Ein Antagonist innerhalb der Asylanten hätte den Film spannender und realistischer wirken lassen können.

 

Publikumsliebling

Die Einzelgeschichten und das Leben im Asylantenheim bringen grosses Potenzial mit sich, das teilweise gut, jedoch wenig ausgenutzt wurde. Die leichten, witzigen Szenen werden durch dramatische Szenen verdüstert, in denen die Realität in die Idylle eindringt und die bittere Härte des Asylwesens eindrücklich aufgezeigt wird. So kommt es zu einer handgreiflichen Ausschaffung, bei der die Kamera die schreiende und um sich schlagende Frau unbarmherzig einfängt. Dadurch werden auch die darauffolgenden lustigen Szenen mit einem bitteren Beigeschmack versehen.

 

Trotzdem kratzt der Film lediglich an der Oberfläche und wagt wenig Provokatives. Jedoch kann der Film damit die Problematik des Asylwesens einem breiteren Publikum näher bringen. Mit Witz, viel Charme und ohne die Dramatik der Thematik auszulassen, kann “Schweizer Helden” die Herzen des Publikums trotz gewisser Mängel gewinnen. Nicht nur die von Locarno. Auch in Solothurn wurde Peter Luisis Film mit Zwischenapplaus und Standing Ovations gekürt.