Gesellschaft | 06.02.2015

Vierzigster Brief aus Deutschland

Das Wahrzeichen der Schweiz geht in den nächsten paar Milliarden Jahren hops. Die Rede ist von den Alpen. Philipp Feldhusen und Peer Gahmert von Eine Zeitung weisen uns netterweise auf die Folgen des schleichenden Alpenschwundes hin. Und die sind nicht ohne!
Die Brieftaube muss in wenigen Millarden Jahren nicht mehr in luftigen Höhen fliegen, um über die Alpen zu gelangen. (
Bild: Katharina Good)

Hallo liebe Schweizer und Schweizerinnen,

 

wie Sie sicherlich mitbekommen haben, werden Sie von Ihrer Nationalbank nach Strich und Faden verarscht. Vor wenigen Wochen wurde kurzfristig und ohne Ankündigung der feste Wechselkurs zum Euro aufgehoben, nur um jetzt wieder künstlich durch sagenhaft teure Euro-Ankäufe aufgebaut zu werden. Da platzt so manchem Eidgenossen langsam der Emmentaler im Topf.

 

Aber kommen wir zu etwas anderem. Die Alpen schrumpfen. Wirklich wahr, in wenigen Milliarden Jahren wird Ihr Wahrzeichen – die schrumpelige Landschaft – nahezu verschwunden sein. Wir wissen nicht mehr ganz genau, wo wir das gelesen haben, sind aber bereit, die Quelle nachzureichen. Sie müssen sich also mit dem Gedanken anfreunden, ohne Berge auszukommen. Was bedeutet das nun im Einzelnen?

 

1)      Die Skiindustrie können Sie abhaken. Rodeln, Langlauf, Après-Ski (für dieses Unheil werden Sie übrigens kollektiv in der Hölle schmoren) und lustige Seilbahnfahrten zu irgendwelchen Gipfeln sind dann nicht mehr möglich.

 

2)      Sie haben plötzlich freie Sicht auf Österreich, Frankreich und – überlegen Sie es sich gut – auf Deutschland. Das ist sowohl für uns als auch für Sie kein besonderes Vergnügen.

 

3)      Drei Ihrer beliebtesten Nationalfeiertage fallen weg. Der «Familien-Alpentag“ am 3. März, «Der Tag der Schweizer Alpen“ am 12. Juni und der «Alpine Funkeltag“, am 7. Oktober, an dem Sie dem Erfinder der Alpen, Sepp Alp, gedenken.

 

4)      Sie können sich nicht länger vor der Invasion ausländischer Feinde schützen, die es seit Jahren auf die Schweiz abgesehen haben, jedoch bisher schlichtweg an der Überwindung der Alpen gescheitert sind.

 

5)      Wie Sie sich sicherlich erinnern, hatten die heute meist gehassten Länder wie Nordkorea, Saudi-Arabien und Syrien auch bis vor 12 Milliarden Jahren Berge so groß wie die Alpen. Und was ist aus ihnen geworden? Eben.

 

Was können Sie tun, um diesem Übel zu entgehen? Tja, dafür haben Sie ja uns, liebe Schweizer. Wir können aber leider auch nicht sehr viel machen. Wir versichern aber, dass wir alles deutschenmögliche machen, um Ihnen zu helfen; trotz all der Differenzen, die uns teilen. In diesem Moment sind bereits einige unserer besten Philosophen auf dem Weg zu Ihnen, um Sie in öffentlichen Vorträgen auf das Nichtaufhaltbare vorzubereiten und um Ihnen seelischen Halt zu geben.

 

Auch ist schon eine Notfallhotline eingerichtet, an die Sie sich wenden können, wenn Sie sich bereits in unmittelbarer Nähe von schrumpfenden Bergen aufhalten. Allerdings ist diese Hotline derzeit noch ausschließlich von Deutschland aus erreichbar. Aber da ja ohnehin die Hälfte der Schweizer momentan die Grenzen für günstige Wocheneinkäufe in Deutschland passiert, sollte das kein Problem sein.

 

Wir freuen uns auf jeden Fall schon darauf, Ihnen bei Gelegenheit mal behilflich sein zu können.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr Deutschland