Kultur | 04.02.2015

Bonjour Godard-3D, adieu konventioneller Film

Text von Meret Jehle | Bilder von zVg)
In seinem neusten Film "Adieu au Language" lässt Jean-Luc Godard die Zuschauer seinen Film so stark erleben, dass es schmerzhaft wird.
Abschied einer Sprache mit schmerzhaften 3D-Effekten. Der neue Film von Jean-Luc Godard. (
Bild: zVg)

Während Jean-Luc Godard schon bei früheren Filmen mit dem wirren Zusammenspiel von Ton, Bild, Text und Musik den Zuschauer in den Sog der Wahrnehmung zieht, fügt er bei seinem neusten Werk 3D-Effekte hinzu. An einzelnen Stellen verschiebt er die übereinandergelegten 3D-Bilder, wodurch eine groteske Überschneidung entsteht. Mit dem zusätzlichen Schwenk der Kamerabewegung wirkt das so schmerzhaft auf die Augen, dass ein allgemeines Gestöhne durch die Menge raunt und die ersten Zuschauer aus dem Kino flüchten.

 

Godard möchte nicht für Popcorn-Kino und Abendunterhaltung sorgen. Das ist allen Kennern bewusst. Wer von Godard keine Ahnung hat und sich in den Film verirrt, hat ein Schock-Erlebnis vor sich.

 

Quiz für Intellektuelle

Drei Hauptfiguren dominieren das, was man vielleicht als Handlung identifizieren möchte. Ein Hund. Eine Frau und ein Mann. Letztere sprechen, streiten, diskutieren. Über den Krieg. Das Leben. Oftmals nackt. Es werden einige Philosophen zitiert, was vor allem im Abspann deutlich wird. Eine Art Quiz für Intellektuelle. Wer erkennt das Zitat?

 

Die vielen Kommentare und Zitate, wirken eher wie ein “name-dropping” à  la “Wer ist so intelligent, belesen und gebildet wie ich?” als eine interessante Auseinandersetzung mit der Thematik der jeweiligen Zitate. Die Schnelligkeit und Fülle der verschiedenen Eindrücke durch Bild, Ton, Musik und Text lässt das Gesagte untergehen.

 

Dazwischen der Hund

Dazwischen ist der Hund. Prominent und durchgehend sehen wir ihn schlafen, laufen, essen, schauen. Meistens im Wald oder am Bach in diversen Farbeffektspielen, die das Vergehen der Jahreszeiten zeigen. Der Hund hat einen durchdringenden Blick. Neben den Gesprächen und teils unangenehmen Einstellungen, abrupter Musik und Geräuschkulissen wirkt der Hund immer beruhigend. “Adieu au Language” – der Hund, der sich nicht der Sprache bedient und doch kommuniziert.

 

Nach siebzig Minuten fühlen sich die Augen und der Kopf etwas schwer an, viel länger hätten wohl nicht mehr viele ausgehalten. Doch während man das Kino verlässt schwirren die Bilder, summen die Geräusche noch immer im Kopf herum und man versucht ihnen einen eigenen Sinn zu geben. Interessante Diskussionen über Wirkung, Wahrnehmung, Inhalt und Aussage des Films zwischen den Zuschauern folgen. Godard ist wahrlich nicht für jeden Geschmack, aber niemand kann leugnen, dass er nicht besticht, herausfordert und Film als Film wahrnehmen lässt. Auch wenn es manchmal weh tut.