Kultur | 20.02.2015

Aufnahmen aus dem Bunker

Sechs Studenten wollen ihre Ängste in einem verlassenen Militärbunker überwinden. Doch nach und nach verschwinden die Protagonisten von der Bildfläche. Obwohl "11:23 - 09:59" von Stefan Jäger mit einer vielsagenden Ausgangslage beginnt, mangelt es dem ersten Schweizer Found-Footage-Film an einer guten Story.
Die Studenten werden von Öbi (Manfred Liechti) durch den Bunker geführt. (
Bild: zvg/Solothurner Filmtage)

Im Film „11:23 – 09:59 (Projekt Angst)“ von Stefan Jäger wollen sechs Schauspielstudenten ihre Ängste während einer Nacht in einem verlassenen Militärbunker überwinden. Von Höhenangst über die Angst vor Dunkelheit bis zur Platzangst soll alles ausprobiert werden.

 

Aber im Militärbunker scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen und diese eine Nacht wird für die Studenten ein Horrortrip, den keiner überleben wird. Was erwartet die Gruppe in den Tiefen des Bunkers? Mutierte Zombiesoldaten? Ueli Maurer? Oder steckt ein Gruppenmitglied hinter den merkwürdigen Vorkommnissen?

 

Pseudodokumentarischer Horrorfilm

Dass niemand lebend aus dem Bunker rauskommen wird, wird schon in den ersten Sekunden des Filmes mit Hilfe einer Texttafel verraten. Denn „11:23 – 09:59“ ist der erste Found-Footage-Film der Schweiz, also ein pseudodokumentarischer Film, worin Aufnahmematerial gezeigt wird, das erst im Nachhinein gefunden wird.

 

Seit dem Film Blair Witch Project aus dem Jahr 1999 ist dieses Genre wieder richtig in der Mode. Weitere Filme dieser Art sind Cloverfield und die Paranormal Activity Reihe. Dass sich „11:23 – 09:59 (Projekt Angst)“ an seinen Vorgängern bedient, wird nicht verschleiert. Es kommt schon mal der Satz „Das sah jetzt voll aus wie im Blair Witch Project, mach das noch mal!“.

 

Potential verspielt

Die Ausgangssituation des Films ist zunächst sehr interessant. Als Zuschauer weiss man lange nicht, was eigentlich los ist, ob die Schauspielstudenten sich gegenseitig verarschen oder ob die Vorkommnisse real sind. Aber ab dem Moment in dem angedeutet wird, wie die Auflösung aussehen wird, verliert der Film an Spannung und Potential. Diese Auflösung sah man in der Vergangenheit einfach schon zu oft.

 

Ein grosser Fehler ist ausserdem der frühe Abgang der interessantesten und zugleich merkwürdigsten Figur des Films, die bereits nach den ersten fünfzehn Minuten verschwindet. Denn der grunzende ältere Mann namens Öbi (Manfred Liechti), der den Studenten den Bunker zeigt, ist nicht nur unheimlich, sondern auch unterhaltsam.

 

Gut ins Bild gesetzt

Gefilmt wurde „11:23 – 09:59 (Projekt Angst)“ von Dominik Berg. Der macht seine Arbeit sehr gut. Die obligatorischen Wackelaufnahmen wirken real, werden aber nicht übertrieben, wie es beim Blair Witch Project ab und zu der Fall war. Dazu wird der verlassene Militärbunker, der für diese Art von Film ein perfekter Handlungsort ist, wunderbar in Szene gesetzt. Aber die gute Kameraarbeit und der tolle Drehort können nicht von der etwas schwachen Story und dem mittelmässigen Schauspiel der Hauptfiguren ablenken.

 

Regisseur Stefan Jäger kann man zugutehalten, dass er mit dem Versuch, ein neues Genre in die Schweiz einzuführen, ein gewisses Risiko eingegangen ist. Dass es in Zukunft mehr Found-Footage Filme aus der Schweiz geben wird, kann man sich eigentlich nur wünschen. Aus diesem Genre können kreative und gute Filme kommen, man sollte einfach nicht die berühmten Vorgänger abkupfern.