Sport | 23.01.2015

Zum Schluss doch noch ein Sieg

Text von Anna-Lea Berger | Bilder von Anna-Lea Berger
Im Dezember fand in Zürich die WM-Qualifikation im Frauenhandball statt. Leider konnten die Schweizerinnen ihr Können nicht immer rechtzeitig abrufen. Die Topscorerin des Kaders erzählt von der Situation des Frauenhandballs in der Schweiz.
Topscorerin Sybille Scherrer kurz vor dem Abschluss.
Bild: Anna-Lea Berger

Von grossem Belang war das letzte Spiel zwischen Griechenland und der Schweiz nicht mehr. Nur die Siegermannschaft des Turniers darf weiter um die WM-Teilnahme kämpfen. Beide Teams hatten ihre vorigen Spiele verloren, weshalb bei ihrem Aufeinandertreffen nur noch um Platz drei geschwitzt wurde.

 

Wichtiger Sieg

Für die Schweizer Handballerinnen war ein Sieg trotzdem wichtig. “Wenn sie dieses Spiel nicht gewinnen, ist der Schweizer Frauenhandball noch nicht genug weit”, meinte ein Mitorganisator vor dem Match. So lief das Team von Trainer Jesper Holmris mit grossem Druck in die Zürcher Saalsporthalle ein. Dieser Druck sah man den Schweizerinnen in den ersten Minuten an. Sie spielten nervös, zum Teil aggressiv, womit sie sich gleich mehrere Strafminuten, eine gelbe Karte und einen Siebenmeter einhandelten. Erst nach einer Viertelstunde und mit einer Serie von vier Treffern konnte sich das Heimteam fangen und spielte konzentrierter und kreativer als die Gäste.

 

In der zweiten Halbzeit baute die Schweiz den Vorsprung aus. Als nach Dreiviertelstunden der Sieg praktisch feststand, schickte Trainer Homris auch eher weniger erfahrene Spielerinnen aufs Feld. Schlussendlich siegten die Schweizerinnen mit 36:22. Die Stimmung in der Saalsporthalle war trotz wenigen besetzten Plätzen gut. Die anwesenden Zuschauer machten Lärm, sogar die Spielerinnen auf der Ersatzbank samt Entourage stimmten in die Fangesänge ein.

 

Teamgeist

Auch Topscorerin Sibylle Scherer war zufrieden mit dem Match vom Samstag. Das Team hätte einen guten Zusammenhalt, auch wenn sie sich nur etwa alle drei Monate zum Training treffen. Leider sei die Schweizer Nationalmannschaft zu klein, um mit den ausländischen Mannschaften mithalten zu können. Fast alle erfolgreichen internationalen Teams haben Profispielerinnen in ihren Rängen. “Diese Spielerinnen trainieren doppelt so oft, da sind wir in der Schweiz weit davon entfernt”, so Sibylle Scherer.

 

Kaum Profisportler

Das Vereinstraining besucht sie viermal die Woche, sonst arbeitet sie als Primarlehrerin. Ein Broterwerb neben dem Sport ist für die männlichen Kollegen ebenfalls Pflicht: Selbst als erfolgreiches Kadermitglied der Nationalmannschaft verdient man in der Schweiz nichts ausser den Spesen und einem Tagessold. Letzteres reicht knapp für ein Mittagslunch. Das Geschlecht der Sportlerinnen und Sportler macht keinen grossen Unterschied. Klar sei in der Schweiz der Männerhandball etwas populärer, aber auch da gebe es kaum Profisportler.

 

Im Ausland, etwa in Deutschland, wären die Chancen auf eine Profikarriere höher. “Es würde mich schon reizen, im Ausland zu spielen”, meint dazu Sibylle Scherer. Nun stehe aber erst einmal die Titelverteidigungen mit ihrem Verein LK Zug an.

 

Versöhnliches Ende

Neben der WM-Qualifikation verpassten die es die Schweizerinnen auch knapp, mit der höchsten Tordifferenz an diesem Turnier zu gewinnen. Das Schlussresultat von 36 zu 22 kann sich dennoch sehen lassen.