Kultur | 07.01.2015

Von den Honolulu-Girls bis Züri West

Text von Melanie Bösiger | Bilder von Melanie Bösiger
Einmal quer durch 60 Jahre Schweizer Musikgeschichte führt die Ausstellung «Oh yeah! Popmusik in der Schweiz«. Noch bis im Juni 2015 zeigt das Museum für Kommunikation in Bern Lieder und andere Fundstücke aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart.
  • Auf der Poplounge lassen sich 75 Schweizer Songs hören.

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  • Der "Backstage"-Bereich zeigt Platten- und CD-Covers aus den letzten 60 Jahren.

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  • Eine Auswahl der goldenen Schallplatten von Krokus.

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Im Museum für Kommunikation in Bern dreht sich derzeit alles um die Schweizer Popmusik. Die Ausstellung mit dem Titel “Oh yeah!” ist chronologisch in fünf Zeitabschnitte gegliedert, die bildlich als CD Hüllen dargestellt werden. Zu jeder CD gibt es eine Einführung zu hören, gesprochen von François “FM” Mürner. Dieser prägte während fast 45 Jahren das Programm von Radio DRS. In den 1970ern trug er wesentlich dazu bei, dass Pop- und Rockmusik Eingang in das Musikprogramm der Sender gefunden hat.

Mit Kopfhörern kann sich jeder Museumsbesucher seine eigene Führung zusammenstellen. Ganz nach persönlichem Interesse kann man so den Schwerpunkt beispielsweise auf die Honolulu-Girls der späten 1950er-Jahre legen, auf Les Sauterelles als die Schweizer Beatles in den 60ern oder auf den frühen Schweizer Mundartrock um Polo Hofer.

Neben den Audiokommentaren gibt es Videos, Hintergrundtexte und unzählige Zeitdokumente wie Konzertplakate und Eintrittskarten. Gerade mal 13.20 Franken kostete ein Eintritt zu den Rolling Stones 1967 im Zürcher Hallenstadion. Daneben stehen Hazy Osterwalds Trompete Susy und eine Setlist mit Original-Blutflecken von Kuno Lauener.

Musik als Spiegel

Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die Musik, sondern zeigt viele politische und gesellschaftliche Hintergründe sowie den technischen Fortschritt bei Radio und Musik. So werden etwa das Aufkommen des Privatradios dokumentiert, die sich entwickelnden Aufnahmetechniken, die 68er-Unruhen und Einflüsse ausländischer Bands. Vor allem in der Westschweiz war der Bezug zu Frankreich lange spürbar, im Gegenzug konnte etwa Stephan Eicher erfolgreich Mundartchansons in Paris spielen. Eine Archiv-Fernsehaufnahme zeigt französische Zuschauer, die Eichers Texte zwar nicht verstehen, aber trotzdem begeistert sind von der Musik.

Die Qual der Auswahl

Bei all der Hintergrundinformation bleibt die Musik aber (meist) im Zentrum. Einer Wand entlang steht ein meterlanges Sofa, versehen mit vielen Kopfhörerbuchsen. Auf dieser sogenannten Poplounge lassen sich eine ganze Reihe Lieder hören. An bestimmten Buchsen gibt François Mürner Informationen und Kommentare zu den Songs. Die Pop-Geschichte aus dem Ausstellungstitel weitet sich beträchtlich aus, geht über Punk, Metal und Dance schliesslich zum zeitgenössischen Hip-Hop.

Die Musikgeschichte in der Schweiz ist derart vielfältig, dass eine Auswahl getroffen werden musste, das ist klar. An manchen Stellen mag diese aber irritieren. Während die goldenen Schallplatten von Krokus und Chris von Rohrs Gitarren eine grosse Wandfläche schmücken, vermisst man Mani Matter, der erst in den 1990ern mit der Cover-CD “Matterrock” auftaucht – zu einem Zeitpunkt, als der Sänger bereits gut 20 Jahre tot war. Und auch die Frauen sind eher untervertreten, Grössen wie Gigi Moto oder Natacha werden nicht gezeigt, auch Sina wird nur in einem Nebensatz erwähnt.

Schweizer Musik heute

Letzteres ändert sich allerdings im zweiten Raum. Von der übrigen Ausstellung abgetrennt, zeigt er die Jahre 2000 bis 2015. Auf Hintergrundinformationen und Ausstellungsstücke wurde weitgehend verzichtet. Auf drei Leinwänden laufen Videoclips aktueller Bands, darunter mit Boy, Steff la Cheffe oder Heidi Happy auch viele von Sängerinnen. Hier kann ebenfalls nur eine Auswahl an Songs und Künstlern berücksichtigt werden. Trotzdem gibt die Ausstellung einen guten Überblick darüber, wie gross die Schweizer Musikszene war und ist.