Gesellschaft | 24.01.2015

Achtunddreissigster Brief aus Deutschland

Lange hat uns kein Brief aus Deutschland erreicht. Und nun erfahren wir hier, dass auf Peer und Philipp von Eine Zeitung in Zukunft kein Verlass mehr sein wird. Ein herber Schlag für die Schweiz!
Lieber zu spät als gar nicht: endlich hat uns der achtunddreissigste Brief aus Deutschland erreicht. (
Bild: Katharina Good)

Hallo Schweiz,

 

Wir haben gehofft, dass niemandem auffällt, wenn wir keinen Brief an die Schweiz schicken. Das ging nun ein paar Wochen sehr gut, jetzt aber haben wir Hinweise darauf erhalten, dass zumindest die Redaktion von Tink auf unsere wöchentlichen Massregelungen angewiesen ist.

Wir machen’s aber kurz. In den letzten Wochen ist die Schweiz vor allem mit einem aufgefallen: mit ihrem Geld. Wir haben es aber nicht weiter verfolgt und haben auch keine genaue Ahnung, was die Nationalbank sich da hat einfallen lassen. Und bevor wir da etwas Falsches schreiben, lassen wir es natürlich lieber.

 

Überhaupt sollte sich niemand zu etwas äussern, wovon er keine Ahnung hat. Wir erleben das zurzeit vermehrt in Deutschland. Dem Vernehmen nach gibt es auch einen Schweizer Ableger von Pegida. Ist das wahr? Klasse!

Wir haben ja das Problem, dass wir so dermaßen auf Seiten dieser Bewegung stehen und so ziemlich alles unterstützen, was da propagiert wird. Aber das darf man in Deutschland ja nicht mehr sagen! Deshalb darf dieser Brief hier auch auf gar keinen Fall die Grenzen der Schweiz verlassen, hören Sie?

 

Aber halt, viel wichtiger für unsere Zunft und für Europa war ja das Attentat in Paris auf die Redaktion von Charlie Hebdo! Haben Sie das auch mitbekommen? Seitdem werden wir ständig gefragt, wie wir uns denn nun schützen, ob wir Polizeischutz genießen, etc. Natürlich sind auch wir in Gefahr. Als Satiriker, vor allem als selbsternannte, sind wir zur Zielscheibe des islamistischen Hasses geworden. Aber wir haben eine Lehre aus Paris gezogen: drei Redakteure von Charlie Hebdo haben den Anschlag vollkommen unverletzt überstanden, weil sie zu spät zur Redaktionskonferenz kamen. Das bestärkt uns darin, künftig die Pünktlichkeit Pünktlichkeit sein zu lassen und uns damit vor berechnenden Terroristen zu schützen. Tut uns leid, dass Sie nun auch darunter leiden müssen und dieser Brief einen Tag später kommt als geplant. Aber unser Leben sollte Ihnen das wert sein; gerade für Schweizer dürfte das schwer zu verkraften sein. Mal schauen, wann der nächste Brief kommt.

 

Herzlichst,

Ihr Deutschland