Kultur | 29.12.2014

Viel Altbewährtes beim Bestatter

Text von Michael Küng | Bilder von zVg/SRF)
Die SRF-Erfolgsserie "Der Bestatter" geht in die dritte Runde. Unter dem Eindruck der überaus erfolgreichen zweiten Staffel erfinden die Macher die Welt der Serie nicht neu; sie erzählen die Geschichte rund um Louis Lauener (Mathias Gnädinger) und dessen kriminelle Machenschaften in Aarau schlüssig weiter. Achtung: Spoiler!
Mike Müller (Mitte) und sein Team probieren auch im neuen Jahr wieder, den Seelenfrieden in Aarau zu wahren. (
Bild: zVg/SRF)

Martin Ostermeier in seiner Rolle als Dr. Alois Semmelweis wird zur Hauptfigur der neuen Folgen und sein überlebtes Attentat zur wichtigsten Tatsache der neuen Staffel. Dies ist ein logischer Schritt: Ostermeier hat mit seiner Rolle und dem Wiener Charme schon lange den Status des heimlichen Stars der Serie inne.

 

Die Handlung setzt ein Jahr nach dem Attentat ein. Semmelweis wird mit einer Feier am Arbeitsplatz begrüsst und agiert, als wäre der Mordversuch nie passiert. Was er seinen Kollegen jedoch verheimlicht ist, dass er durch sporadische Rückblenden ständig an das einschneidende Erlebnis erinnert wird und mit psychischen Problemen kämpft. Sein Leiden bleibt jedoch nicht lange unerkannt.

 

In der ersten Folge macht Ostermeiers Rolle eine drastische Veränderung durch. Kein Humor sondern Nachdenklichkeit, Trägheit bis hin zum Alkoholismus prägen das neue Rollenbild von Semmelweis. Dem Schauspieler werden andere darstellerische Fähigkeiten abverlangt, die Martin Ostermeier überzeugend und natürlich spielt.

 

Auch der Antagonist kehrt zurück

Nicht nur Semmelweis sondern auch Louis Lauener (Mathias Gnädinger) kehrt nach einjähriger Haftstrafe in die Handlung zurück und die Geschichte rund um den Organhandel wird in der neuen Staffel als ledigliche Spitze des Eisbergs demaskiert.

 

Semmelweis wurde vor dem Attentat Zeuge eines viel grösseren Verbrechens. Dies wirkt konstruiert und unglaubhaft und legt die Vermutung nahe, dass die Autoren keine Lust hatten, sich einen neuen Bösewicht auszudenken. Man kann dieser Tatsache aber auch Positives abgewinnen: ein neuer Bösewicht würde bedeuten, dass die Crew nicht mehr auf die herausragenden schauspielerischen Fähigkeiten von Mathias hätte zählen können.

 

Der starke rote Faden führt dazu, dass die eigentlichen Hauptdarsteller gewohnt souverän ihre Rolle verkörpern, aber im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Staffeln von ihrer Präsenz abgeben und in den Hintergrund treten.

 

Im Verlauf der Serie taucht auch Pedro Lambert wieder auf. So bleibt schlussendlich weniger Raum für neue Entdeckungen. Mit Ausnahme der Episodenrollen in der dritten Folge tauchen fast keine neuen Gesichter auf.

 

Serienchronik

Die im letzten Jahr gestartete Serie ist das erste serielle Projekt seit zehn Jahren, das SRF umsetzte. Die Idee stammt von dem deutschen Autor Hartmut Block. Sie wurde von SRF gekauft und für das Schweizer Publikum in einem langen Prozess angepasst und umgesetzt.

 

Das fertige Produkt hatte mit der ursprünglichen Idee nicht mehr viel zu tun. Die SRF-Fassung wurde viel ernster und weniger oberflächlich gestaltet als die ursprüngliche Variante. Der Kabarettist und Satiriker Mike Müller übernahm die Hauptrolle des kernigen Bestatters und Ex-Polizisten. Barbara Terpoorten wurde in der Serie zu der Hauptkommissarin und Exfrau des Bestatters, Anna-Maria Giovanoli.

 

Die Serie wurde schnell zum Erfolg und nach einer ersten Staffel mit vier Folgen wurde die zweite Staffel auf sechs Folgen erhöht.

 

Wie persoenlich.com Mitte Dezember meldete, ist es dem SRF gelungen, die Serie an den Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) zu verkaufen. Die Synchronarbeiten beginnen im Februar und die ersten zehn Folgen werden im ersten Halbjahr 2015 im WDR ausgestrahlt.

 


SRF zeigt die dritte Staffel ab 6. Januar 2015 wöchentlich.