Kultur | 10.12.2014

Schlachtgetümmel mit digitalem Zuckerguss

Text von David Bucheli | Bilder von zvg/Warner Bros
High End-Gemetzel und ein schmerzhafter Abschied im finalen Hobbit-Film.
Bilbo Beutlin (Zweiter von rechts) und die Zwerge müssen sich ein letztes Mal den feindlichen Heerscharen entgegenstellen.
Bild: zvg/Warner Bros

Warum die Filmadaption von J.R.R. Tolkiens überschaubarem Kinderbuch “Der Hobbit” als episch breitgewalzte Trilogie von Anfang an ein höchst fragwürdiges Unternehmen war, hatte bereits der dreistündige Auftakt eklatant deutlich gemacht: Es herrschte rasender Stillstand in Eine unerwartete Reise, die Expedition rund um Gandalf, Bilbo Beutlin und die dreizehn Zwerge wollte nicht vom Fleck kommen. Auch die letztjährige Fortsetzung vermochte den Eindruck einer zähflüssigen Fantasy-Kino-Seifenoper kaum zu revidieren. Trotz einiger gelungener Einzelszenen schien Smaugs Einöde wiederum zu überfrachtet, zu forciert in epische Länge gezogen. Insofern trägt nun der Abschlussfilm die schwere Bürde, zur Ehrrettung des bis dato teuersten Filmprojekts der Kinogeschichte anzutreten. Die Schlacht der fünf Heere muss nichts weniger leisten, als die wild wuchernden Handlungsfäden zusammenzuführen und überzeugend in die Herr der Ringe-Trilogie überzuleiten. Und erwartungsgemäss wählt Regisseur Peter Jackson dafür den mühsam vorgetrampelten Weg des maximalen Spektakels.

 

Dreidimensionales Schlachtgemälde

Hin und zurück – auf diese einfache Formel brachte der Untertitel von Tolkiens 300 Seiten schmalem Büchlein die streng lineare Geschichte. Denselben Beititel hätte zunächst auch Jacksons Hobbit-Finale tragen sollen, bis im April dieses Jahres überraschend Die Schlacht der fünf Heere als definitiver Titelzusatz verlautbart wurde. Das ist nicht alleine aufgrund der ausgedehnten Kampfhandlungen passender. Jacksons 3D-Trilogie erweitert die Linearität der Vorlage um parallele, quere und diagonale Erzählachsen als narrative Verstrebungen innerhalb seiner Mittelerde-Saga. Was in Eine unerwartete Reise und Smaugs Einöde eher zu einem Stocken im Erzählfluss führte, kulminiert jetzt im dritten Teil zu einem opulenten Schlachtgemälde mit digitalem Pinselstrich.

 

Der Film setzt nahtlos dort ein, wo sein Vorgänger so verheissungsvoll endete: Der Drache Smaug ist aus dem Einsamen Berg ausgebrochen und richtet in der Seestadt ein Inferno an – wo es bereits zum ersten von zahlreichen Showdowns kommt. Währenddessen verschanzen sich die Zwerge in ihrem Königreich unter dem Berge, um die darin gehorteten Golddünen vor konkurrierenden Interesseparteien zu schützen. Weder Elben noch Orks lassen lange auf sich warten, um Anspruch auf den Zwergenschatz zu erheben. So werden einmal mehr endlose Kriegerkolonnen in Position gebracht, die sich auf Kommando ins Kampfgetümmel stürzen. Dabei ist Jackson darauf bedacht, aus der klassischen Ebene des Schlachtfeldes auszubrechen und das Kriegsgeschehen in alle Raumdimensionen auszudehnen – etwa durch Schwärme von Kampffledermäusen oder gipfelstürmende Schwertduelle.

 

Der digitale Zuckerguss der Fantasie

Wie schon die vorhergegangenen Hobbit-Teile hat auch der Abschlussfilm für sich alleine genommen erstaunlich wenig zu erzählen. Nur fällt das diesmal kaum auf, weil die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit randvoll sind mit rasanten Gefechten und kuriosen Details: Da galoppiert ein Zwergen-Feldherr auf einer gepanzerten Wollsau durchs Bild und statt Rammböcken knacken Kriegstrolle die Stadtmauern per Kopfnuss. Dazu gesellen sich furiose Kampfchoreographien und extravagante Enthauptungen im Akkord, die Jacksons Vergangenheit als Slapstick-Horror-Regisseur durchschimmern lassen – glasiert mit dem digitalen Zuckerguss, der die artifizielle Ästhetik der Hobbit-Filme so eigenwillig ausstellt.

 

Von Fun-Splatter-Feuerwerken wie Bad Taste oder Braindead bis hin zur Ring-Saga bot Peter Jacksons Kino stets Eskapismus-Fantasien erster Güte, da ist die Die Schlacht der fünf Heere keine Ausnahme. Es ist der dynamischste, spassigste und gleichzeitig brutalste Film der Hobbit-Reihe – exzessiv in jeder Hinsicht und damit die ersehnte Krönung jener zweitbesten Mittelerde-Trilogie, die so schleppend Fahrt aufnahm und nunmehr nach zwei Filmen in die Gänge kommt. Wenn Bilbo Beutlin zum Ende ins malerische Auenland zurückkehrt (eine der wenigen Umgebungen im Film, die nicht weitestgehend im Computer entstanden sind), so kommt tatsächlich noch einmal dieses ganz besondere Mittelerde-Gefühl auf, das leider viel zu selten durch die gut 8-stündige Hobbit-Reihe echote. Hier wird der Abschied tatsächlich auch die grössten Skeptiker und Tolkien-Muffel schmerzen. Nur die desillusionierenden High Frame Rate-Bilder*, die mit ihrer gnadenlosen Schärfe selbst den hintersten und letzten Zwergenbart als aufgeklebt entlarven, vermisst wohl so schnell keiner mehr.

 

*Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere läuft in ausgewählten Kinos in sogenannter High-Frame-Rate-Qualität mit 48 statt den üblichen 24 Bildern pro Sekunde.