Politik | 21.12.2014

Mehr Gleichberechtigung für die Männer!

Text von Laura Rufer | Bilder von Lukas Blatter
Männer brauchen die gleichen Rechte wie Frauen, findet "männer.ch" und setzt sich mit viel Engagement dafür ein. Tink.ch sprach mit dem Leiter des von männer.ch gegründeten "Schweizerischen Institutes für Männer- und Geschlechterfragen" Andreas Borter über die Beweggründe, sich für die Gleichstellung einzusetzen, und die Menschen, die dies unterstützen.
Die Lobbyorganisation Männer.ch setzt sich für die Gleichstellung des männlichen Geschlechts ein.
Bild: Lukas Blatter

Frauen und Gleichberechtigung, das sind oft diskutierte Themen. Dass auch Männer sich für die Gleichberechtigung einsetzen, scheint neu zu sein. Männer.ch tut dies jedoch seit nunmehr bald zehn Jahren. Entstanden ist die Organisation aus einer Strömung von Männerorganisationen. Ein politischer Arm, ein Sprachrohr wurde nötig. So kam es zur Gründung von Männer.ch, welche sich selbst als Sprachrohr für Buben, Männer und Väter versteht und die Männerperspektive in den politischen Diskurs einbringen will.

 

“Förderungsbedarf bei der Gleichberechtigung der Männer”

“Männer brauchen Geleichberechtigung. Dafür setzten sich jedoch mehrheitlich Frauen ein”, meint Andreas Borter, Leiter des von Männer.ch gegründeten “Schweizerischen Institutes für Männer-und Geschlechtsfragen”. Neun von zehn Anfragen, welche Männer.ch erhält, stammen von Frauen, erklärt er.

 

Der Geschlechterdialog wird bei Männer.ch grossgeschrieben. So sollen die Geschlechter gleichmässiger auf die Berufe verteilt werden. “Männer sollen vor allem mehr in Lehrerberufen und der Kinderbetreuung unterkommen. Momentan setzen wir uns für mehr Männer in Kitas ein”, so Borter. In Zukunft sollen die Väterzeit und der Elternurlaub oberste Priorität haben.

 

Ein weiteres wichtiges Thema nebst der Arbeit ist die Familie. Durch sein Interesse an der Väter-Thematik ist auch der Leiter des Institutes auf Männer.ch gestossen. “Mir ist es wichtig, Väterthemen in die Politik einzubringen. Das kann ich über die Lobbyorganisation Männer.ch tun”, sagt Borter dazu. Der Bereich der gemeinsamen elterlichen Sorge ist für Borter der wichtigste Punkt. Anfangs 2011 wurde aufgrund dieser Thematik eine Mahnwache vor dem Bundeshaus gehalten.

 

“Sexualität kommt in der Gleichstellunsdiskussion kaum zur Sprache”

Das dritte Kernthema von Männer.ch ist Sexualität. Borter kommentiert dies folgendermassen: “In der Gleichstellungsdiskussion kommt Sexualität bisher kaum zur Sprache.” Für Männer.ch gehöre das Thema jedoch auch in diese Debatte. “Es geht dabei unter anderem auch um Themen wie sexuelle Bildung, Wirtschaftsethik in der Sexbranche, Verantwortung im Internet und sexuelle Belästigung durch Werbung”, so Borter.

 

Männer.ch setze sich ausserdem dafür ein, dass Männer nicht von vorne herein als sexuelle Belästiger abgestempelt werden. Gesundheit im Allgemeinen sei deshalb von männer.ch nicht als Kernthema definiert worden, da dies ein Querschnittsthema sei und damit bereits in allen Kernthemen von männer.ch bearbeitet werde, wie Borter erklärt: “Alle Themen befassen sich indirekt auch mit der Gesundheit und dabei sowohl mit dem körperlichen wie auch dem seelischen Wohlbefinden von Männern.”

 

Kein exklusiver Klub

Männer.ch versteht sich als Geschlechterbewegung. Mitglied werden bei Männer.ch können aber nebst Männern auch Paare. “Das Engagement von Männer.ch kommt allen zu, nicht nur den Männern”, sagt Borter. Männer.ch sei kein exklusiver Klub, fügt er an. Die meisten Mitglieder sind jedoch Kollektivmitglieder. Sie seien also über einen Verein, bei dem sie bereits Mitglied sind, zu Männer.ch gestossen. Dreihundert Einzelmitglieder hat die Lobbyorganisation. Laut Borter sind diese sehr engagiert.

 

Frauenmehrheit im Bundesrat ist kein Nachteil

Auf die Frage, ob mehr Männer im Bundesrat sein sollten, antwortete Borter, dass eine Frauenmehrheit für Männer.ch wohl vorteilhafter wäre. Er hält die Männer im Allgemeinen für etwas verschlafen und sieht die Anliegen der Organisation besser durch Frauen vertreten. “Frauen sind sensibler bei Geschlechterfragen”, meint der Vizepräsident. Demzufolge würden sie sich auch vermehrt in dieser Thematik einsetzten.