Politik | 01.12.2014

“Manchmal verliert man – so läufts halt”

Text von Basil Koller | Bilder von Daniel Pochetti)
Wie sieht die Jugend von heute das Verhältnis der Schweiz zu Europa? Schnell wird klar, dass die Debattierenden am Status Quo - dem bilateralen Weg - festhalten wollen. Korrekturvorschläge gibt es dafür im Kleinen.
Sorgt bei den Jungen für hitzige Debatten: Die Beziehung der Schweiz zur EU. (
Bild: Daniel Pochetti)

Das Thema Schweiz und Europa zählt auch an der Jugendsession zu den meist diskutierten Themen. Während sich zwei Petitionen auf die Bilateralen Verträge beziehen, zielt ein dritter Vorschlag auf die Bekämpfung des prognostizierten Fachkräftemangels als direkte Folge der Masseneinwanderungsinitiative.

 

Am Freitag während eines ganzen Tages ausgearbeitet, wurde die Petition am Sonntag vor das Plenum getragen. Sie verlangt, dass der Bundesrat Massnahmen ergreift, um das Potential der in der Schweiz lebenden Arbeitskräfte zu steigern; die Arbeitsgruppe will an mehreren Stellen ansetzen. So könnten die Jugendlichen beispielsweise stärker für einen Beruf in einem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) begeistert oder das Rentenalter flexibilisiert werden, argumentieren die Jungpolitiker.

 

Knappes Resultat

Besonders beim Vorschlag zum flexiblen Rentenalter waren sich die Teilnehmenden uneins; dieser wurde zum wichtigsten Gegenstand der Diskussion und zum Hauptkritikpunkt an der Petition. Die Entscheidung fiel eng aus: 80 Stimmen fanden sich für den Antrag, 91 lehnten ihn ab: das knappste Ergebnis der diesjährigen Jugendsession. Das Resultat ärgert Gioia Pauli (18): “Es ist die einzige Petition der Jugendsession, die wirklich etwas hätte bewirken können.” Anders sieht dies Gian Donatsch: “Die knappen Entscheide machen den Reiz der Politik aus”, sagt der 16-Jährige. Zwar sei er enttäuscht, dass die Arbeitsgruppe mit ihrem Vorschlag keinen Erfolg hatte. Aber so laufe es halt. “Manchmal gewinnt man und manchmal verliert man.”

 

Jugendlicher Pragmatismus

Bemerkenswert ist, mit welchem Pragmatismus die Petition ausgearbeitet wurde. Da wurde keine Relativierung der Initiative gefordert oder Grundsatzfragen zum Verhältnis der Schweiz zu Europa gestellt. Und gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass die Europafrage nicht primär eine Generationsfrage ist. Es war von mehr Unabhängigkeit vom Ausland die Rede, die Bilateralen wurden weiterhin als der goldene Mittelweg angesehen und ein EU-Beitritt stand nicht zur Diskussion. Bei den Jungen nichts Neues.