Politik | 02.12.2014

Bilaterale Aussprache

Es ist wieder soweit: Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Karnationen der Schweiz und der EU treffen sich zum alljährlichen Stammtisch. Ort des Treffens ist eine kleine Beiz am Länderdreieck Deutschland-Frankreich-Schweiz an einem nebligen Dezemberabend. Zeit für ein Resümee zu 2014.
Weisses Kreuz auf blauem Grund - ist das noch gesund? (Bildmontage: Sandro Bucher)

EU: Beihilfe zur Steuerhinterziehung und ein “Ja” zur Masseneinwanderungsinitiative, ihr habt es dieses Jahr ja wieder krachen lassen und ordentlich gegen uns gefeuert!

 

Schweiz: Halt, eins nach dem anderen: Das Schweizer Bankgeheimnis ist eine gesetzliche Verpflichtung, hierbei geht es nur um die Privatsphäre der Kunden. Wenn ihr eure EU-Bürger nicht davon abhaltet, ihr Geld in der Schweiz anzulegen, ist das grundsätzlich nicht unser Problem.

 

EU: Beihilfe zum Verstecken von Milliarden von Euro allerdings schon. Nicht umsonst musste die UBS dieses Jahr schon eine Rekordstrafe an Deutschland zahlen.

 

Schweiz: Glücklicherweise ist zum Ende des Jahres eine Einigung in Sicht und das Thema belastet nicht länger die Beziehungen.

 

EU: Stimmt, in ruhigerem Fahrwasser befinden wir uns deshalb aber noch lange nicht. Stichwort: Masseneinwanderungsinitiative.

 

Schweiz: Der Wille des Volkes zählt bei uns halt noch etwas. Die Eidgenossen haben entschieden, dass feste Kontingente die nachhaltigere Lösung für unser kleines Land sind als ungebremste Einwanderung…

 

EU: …sagt ein Land mit beinahe Vollbeschäftigung.

 

Schweiz: Lieber Vollbeschäftigung als Massendemonstrationen aufgrund von Arbeitslosenquoten, die teilweise im mittleren zweistelligen Bereich liegen.

 

EU: Besserwisser! Apropos Wissen: Wie wollt ihr die Attraktivität eures Bildungssystems aufrechterhalten, jetzt, da Erasmus+ und Horizon 2020 vorerst gestrichen sind?

 

Schweiz: Das ist allerdings ein Ärgernis, da habt ihr echt ernst gemacht. Wir hoffen inständig, dass die Verhandlungen nach Ablauf der zwei Jahre Auszeit wieder aufgenommen werden. Vorerst lassen wir die Programme auf Sparflamme und eigenen Kosten weiterlaufen.

 

EU: Rosinenpicken ist halt nicht! Hoffen wir, dass 2015 besser wird und unsere Beziehungen nicht weiter belastet.

 

Schweiz: Allerdings, und zwar von beiden Seiten.