Gesellschaft | 27.12.2014

Akzeptanz als Lösung

Text von Auline Sanchez | Bilder von Camille Perrochet
Jeder fällt sie, jedem werden sie zuteil: falsche Urteile. Wie sie zustande kommen, was sie auslösen und ob wir gewinnen, wenn wir sie weglassen: ein Selbstversuch.
Wer den Kopf hoch trägt, wird oft als arrogant oder selbstverliebt wahrgenommen.
Bild: Camille Perrochet

Tagtäglich werden negative Urteile über Menschen gefällt. Wir bewerten gegenseitig unser Aussehen, stellen das Handeln Anderer in Frage oder verurteilen gar gesamte Charaktere. Oft kennen wir die betroffenen Menschen nicht gut und handkehrum hindert uns unser Urteilen daran, die Personen richtig kennenzulernen. Diese Urteile kommen oft unbeabsichtigt zustande. In vielen von uns ist dieses Verhalten vorprogrammiert.

 

Leben ohne Vorurteile

Um herauszufinden, wie wir von einem urteilsfreien Umgang profitieren können, führte ich einen Selbstversuch durch. Während zwei Wochen hatte ich probiert, keine negativen Gedanken an Andere zu verschwenden. Wenn es dazu kam, stellte ich die negativen Gedanken plausibel dar.

 

Die gefällten Urteile betrafen die von mir als negativ empfundenen Werte der Personen. Nach jedem Urteil ergründete und hob ich die positiven Aspekte hervor. Mit dieser Taktik kann man Menschen auf einer anderen Ebene kennenlernen. Ich erlebte keineswegs urteilsfreie Wochen, doch konnten die Urteile minimiert und ausgewogener gefällt werden. Während des Versuchs habe ich festgestellt, dass nicht alles zu verstehen, aber vieles zu akzeptieren ist.

 

Intoleranz als Auslöser?

Die zentrale Frage während des Selbstversuchs war, ob wir, weil wir urteilen, intolerante Egozentriker sind. Dieser Gedanke ist nicht zufriedenstellend. Wir beziehen Position zu gewissen Dingen und das soll auch so sein. Dies macht uns zu dem, was wir sind, und kann schützen. Jedoch bilden wir uns unsere Meinungen oft viel zu früh, was uns nicht als Schutz dient, sondern uns in Form eines negativen Vorurteils an einer genaueren Betrachtung hindert. Meinungen sollten überlegt sein und vorsichtig gebildet werden. Hat das Gegenüber andere Ansichten, muss nicht vorschnell gerichtet werden.

 

Neid gegenüber Anderen

Neben unbeabsichtigten Situationen werden Urteile oft gewollt gebildet. Der Mensch ist neidisch auf sein Gegenüber. Wir bewundern den Mut, das Aussehen oder das Wissen anderer und stufen uns daher als minderwertiger ein. Damit wir uns trotzdem besser fühlen, drehen wir den Spiess um und äussern uns negativ über das Visavis. Dies liegt nicht zuletzt an der gesellschaftlichen Norm, dass Selbstsicherheit schlecht ankommt. Sind wir stolz auf uns selbst, wird dies oft als arrogant oder selbstverliebt wahrgenommen. Stolz wird oft mit Hochmut verwechselt.

 

Vom Recht und Sinn

Gerecht ist es nicht, wenn wir zu schnell über Menschen urteilen. Denn somit wird  jemandem die Chance genommen, seinen wahren Charakter zu zeigen. Sinn macht das Urteilen deshalb nicht. Es vermiest das Leben untereinander und raubt zudem viel Energie. Wenn wir das vorschnelle Urteilen einschränken, können wir besser lernen zu akzeptieren.