Wenn Engelchen und Teufelchen sich streiten

Engelchen: Ist das nicht schön? Alle Häuser sind dekoriert, überall hängen Lichterketten und Weihnachtsbäume stehen in den Gärten. Teufelchen, freust du dich nicht auch auf Weihnachten?

 

Teufelchen: Nicht die Spur.

 

Engelchen: Aber warum denn nicht?

 

Teufelchen: Doofe Frage, das weisst du doch!

 

Engelchen: Ich verstehe dich nicht. Es ist jedes Jahr dasselbe mit dir! Denk doch nur an die Geschenke und das Essen und an die besinnliche Zeit mir der Familie.

 

Teufelchen: Das tue ich ja. Genau deshalb freue ich mich nicht! Du weisst doch genau, wie hektisch das immer wird! Das ganze Haus schmücken und putzen für die Verwandten, Geschenke kaufen, Plätzchen backen, so ein Stress.

 

Engelchen: Geschenke sind doch etwas Tolles, man kann andern eine Freude machen und ganz kreativ sein.

 

Teufelchen: Das ist doch ein riesiger Druck, der auf uns lastet! Wir müssen kreativ sein und uns ein gutes Geschenk überlegen, denn an Weihnachten geht es darum, anderen eine Freude zu machen!

 

Engelchen: Sag ich doch!

 

Teufelchen: Wenn ich nun aber für einige kein passendes Geschenk finde?

 

Engelchen: Dann schenkst du denen halt nichts.

 

Teufelchen: Spinnst du? Wenn wir nun einige auslassen, führt das zu einer Katastrophe! Die Stimmung ist sowieso schon angespannt, das würde ein Familiendrama provozieren.

 

Engelchen: Du übertreibst! Das stimmt doch gar nicht. Die Weihnachtszeit ist doch zum Entspannen da, zum besinnlichen Beisammensein!

 

Teufelchen: Ja, genau! Gerade, weil die Weihnachtszeit eine besinnliche Zeit sein sollte, versuchen alle, die perfekte Familie zu spielen, obwohl man sich vielleicht gar nicht ausstehen kann. Die Atmosphäre scheint vielleicht locker und fröhlich, dabei ist jeder angespannt und verkrampft.

 

Engelchen: In unserer Familie ist das aber anders. Wir…

 

Teufelchen: Quatsch! An Weihnachten gibt es immer Streit. Wann war das letzte Weihnachtsfest, an dem wir nicht wegen irgendeiner Kleinigkeit gestritten haben?

 

Engelchen: Du siehst immer nur das Negative. Denk doch auch mal an die schönen Momente. An die, bei denen wir gemütlich auf dem Sofa sitzen, Weihnachtskekse essen und Weihnachtslieder singen.

 

Teufelchen: WEIHNACHTSLIEDER! Das schlimmste überhaupt! Mein liebes Engelchen, hast du dich schon mal auf die Texte dieser Lieder geachtet? Sag mal, worum geht es in diesen Liedern? Worum geht es an Weihnachten selbst eigentlich?

 

Engelchen: Um die Geburt Jesus…

 

Teufelchen: Kannst du das nochmal wiederholen, ich fürchte, ich habe es nicht gehört.

 

Engelchen: Schon gut, schon gut, es geht um die Geburt Jesus.

 

Teufelchen: Soso, um die Geburt Jesus, unseres Herrn und Erlöser. Sohn Gottes. Hilf mir auf die Sprünge Liebes, wer ist vor Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil, ich zitiere: “Ich nicht an diesen Blödsinn glaube”? Warst das nicht du? Du feierst Weihnachten, obwohl du gar nicht an den Grund für das Fest glaubst? Bisschen heuchlerisch nicht? Wie kannst du nur damit…

 

Engelchen: Ist ja gut! Du hast ja Recht! Ist es das, was du hören willst? Aber das gehört zu Weihnachten nun mal dazu! Genauso wie der Baum und die Dekoration und die Geschenke und die Kekse.

 

Teufelchen: Du könntest auch konsequent sein bei deinen Entscheidungen und Weihnachten nicht mehr feiern, wenn du schon nicht an den wahren Grund Weihnachtens glaubst!

 

Engelchen: Aber ich mag Weihnachten! Ausserdem, wie soll ich bitte meinen Grosseltern und den restlichen Verwandten erklären, dass ich Weihnachten nicht mehr feiern will?

 

Teufelchen: Du könntest auch einfach in die Ferien fahren…

 

Engelchen: Nein! Wieso sollte ich?? Ich will Weihnachten so feiern, wie wir es seit Jahren tun!

 

Teufelchen: Es ist doch jedes Jahr dessalbe. Du verpasst nichts! Stell dir mal vor, ruhig und ohne Stress am Strand zu liegen, einen kühlen Cocktail zu schlürfen und einfach an nichts denken zu müssen.

 

Engelchen: Eine schreckliche Vorstellung. Ich bin doch in Weihnachtsstimmung, was soll ich dann am Strand?

 

Teufelchen: Wie wär’s mit Entspannen?

 

Engelchen: Du verstehst mich nicht! Ich finde Weihnachten toll und du, du…

 

Teufelchen: Ich?

 

Engelchen: Du machst alles nur schlecht! Ich habe viele Gründe, Weihnachten zu lieben, aber du siehst in allem nur das Schlechte. Ich werde mir mein Weihnachten von dir nicht verderben lassen. Basta!

 

Teufelchen: Jedes Jahr dasselbe Theater. Jedes Jahr habe ich die besseren Argumente, gute Gründe, Weihnachten zu hassen und ausfallen zu lassen, aber du hörst trotzdem nicht auf mich! Ich gebe auf, dir ist nicht mehr zu helfen.

Viel Altbewährtes beim Bestatter

Martin Ostermeier in seiner Rolle als Dr. Alois Semmelweis wird zur Hauptfigur der neuen Folgen und sein überlebtes Attentat zur wichtigsten Tatsache der neuen Staffel. Dies ist ein logischer Schritt: Ostermeier hat mit seiner Rolle und dem Wiener Charme schon lange den Status des heimlichen Stars der Serie inne.

 

Die Handlung setzt ein Jahr nach dem Attentat ein. Semmelweis wird mit einer Feier am Arbeitsplatz begrüsst und agiert, als wäre der Mordversuch nie passiert. Was er seinen Kollegen jedoch verheimlicht ist, dass er durch sporadische Rückblenden ständig an das einschneidende Erlebnis erinnert wird und mit psychischen Problemen kämpft. Sein Leiden bleibt jedoch nicht lange unerkannt.

 

In der ersten Folge macht Ostermeiers Rolle eine drastische Veränderung durch. Kein Humor sondern Nachdenklichkeit, Trägheit bis hin zum Alkoholismus prägen das neue Rollenbild von Semmelweis. Dem Schauspieler werden andere darstellerische Fähigkeiten abverlangt, die Martin Ostermeier überzeugend und natürlich spielt.

 

Auch der Antagonist kehrt zurück

Nicht nur Semmelweis sondern auch Louis Lauener (Mathias Gnädinger) kehrt nach einjähriger Haftstrafe in die Handlung zurück und die Geschichte rund um den Organhandel wird in der neuen Staffel als ledigliche Spitze des Eisbergs demaskiert.

 

Semmelweis wurde vor dem Attentat Zeuge eines viel grösseren Verbrechens. Dies wirkt konstruiert und unglaubhaft und legt die Vermutung nahe, dass die Autoren keine Lust hatten, sich einen neuen Bösewicht auszudenken. Man kann dieser Tatsache aber auch Positives abgewinnen: ein neuer Bösewicht würde bedeuten, dass die Crew nicht mehr auf die herausragenden schauspielerischen Fähigkeiten von Mathias hätte zählen können.

 

Der starke rote Faden führt dazu, dass die eigentlichen Hauptdarsteller gewohnt souverän ihre Rolle verkörpern, aber im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Staffeln von ihrer Präsenz abgeben und in den Hintergrund treten.

 

Im Verlauf der Serie taucht auch Pedro Lambert wieder auf. So bleibt schlussendlich weniger Raum für neue Entdeckungen. Mit Ausnahme der Episodenrollen in der dritten Folge tauchen fast keine neuen Gesichter auf.

 

Serienchronik

Die im letzten Jahr gestartete Serie ist das erste serielle Projekt seit zehn Jahren, das SRF umsetzte. Die Idee stammt von dem deutschen Autor Hartmut Block. Sie wurde von SRF gekauft und für das Schweizer Publikum in einem langen Prozess angepasst und umgesetzt.

 

Das fertige Produkt hatte mit der ursprünglichen Idee nicht mehr viel zu tun. Die SRF-Fassung wurde viel ernster und weniger oberflächlich gestaltet als die ursprüngliche Variante. Der Kabarettist und Satiriker Mike Müller übernahm die Hauptrolle des kernigen Bestatters und Ex-Polizisten. Barbara Terpoorten wurde in der Serie zu der Hauptkommissarin und Exfrau des Bestatters, Anna-Maria Giovanoli.

 

Die Serie wurde schnell zum Erfolg und nach einer ersten Staffel mit vier Folgen wurde die zweite Staffel auf sechs Folgen erhöht.

 

Wie persoenlich.com Mitte Dezember meldete, ist es dem SRF gelungen, die Serie an den Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) zu verkaufen. Die Synchronarbeiten beginnen im Februar und die ersten zehn Folgen werden im ersten Halbjahr 2015 im WDR ausgestrahlt.

 


SRF zeigt die dritte Staffel ab 6. Januar 2015 wöchentlich.

Akzeptanz als Lösung

Tagtäglich werden negative Urteile über Menschen gefällt. Wir bewerten gegenseitig unser Aussehen, stellen das Handeln Anderer in Frage oder verurteilen gar gesamte Charaktere. Oft kennen wir die betroffenen Menschen nicht gut und handkehrum hindert uns unser Urteilen daran, die Personen richtig kennenzulernen. Diese Urteile kommen oft unbeabsichtigt zustande. In vielen von uns ist dieses Verhalten vorprogrammiert.

 

Leben ohne Vorurteile

Um herauszufinden, wie wir von einem urteilsfreien Umgang profitieren können, führte ich einen Selbstversuch durch. Während zwei Wochen hatte ich probiert, keine negativen Gedanken an Andere zu verschwenden. Wenn es dazu kam, stellte ich die negativen Gedanken plausibel dar.

 

Die gefällten Urteile betrafen die von mir als negativ empfundenen Werte der Personen. Nach jedem Urteil ergründete und hob ich die positiven Aspekte hervor. Mit dieser Taktik kann man Menschen auf einer anderen Ebene kennenlernen. Ich erlebte keineswegs urteilsfreie Wochen, doch konnten die Urteile minimiert und ausgewogener gefällt werden. Während des Versuchs habe ich festgestellt, dass nicht alles zu verstehen, aber vieles zu akzeptieren ist.

 

Intoleranz als Auslöser?

Die zentrale Frage während des Selbstversuchs war, ob wir, weil wir urteilen, intolerante Egozentriker sind. Dieser Gedanke ist nicht zufriedenstellend. Wir beziehen Position zu gewissen Dingen und das soll auch so sein. Dies macht uns zu dem, was wir sind, und kann schützen. Jedoch bilden wir uns unsere Meinungen oft viel zu früh, was uns nicht als Schutz dient, sondern uns in Form eines negativen Vorurteils an einer genaueren Betrachtung hindert. Meinungen sollten überlegt sein und vorsichtig gebildet werden. Hat das Gegenüber andere Ansichten, muss nicht vorschnell gerichtet werden.

 

Neid gegenüber Anderen

Neben unbeabsichtigten Situationen werden Urteile oft gewollt gebildet. Der Mensch ist neidisch auf sein Gegenüber. Wir bewundern den Mut, das Aussehen oder das Wissen anderer und stufen uns daher als minderwertiger ein. Damit wir uns trotzdem besser fühlen, drehen wir den Spiess um und äussern uns negativ über das Visavis. Dies liegt nicht zuletzt an der gesellschaftlichen Norm, dass Selbstsicherheit schlecht ankommt. Sind wir stolz auf uns selbst, wird dies oft als arrogant oder selbstverliebt wahrgenommen. Stolz wird oft mit Hochmut verwechselt.

 

Vom Recht und Sinn

Gerecht ist es nicht, wenn wir zu schnell über Menschen urteilen. Denn somit wird  jemandem die Chance genommen, seinen wahren Charakter zu zeigen. Sinn macht das Urteilen deshalb nicht. Es vermiest das Leben untereinander und raubt zudem viel Energie. Wenn wir das vorschnelle Urteilen einschränken, können wir besser lernen zu akzeptieren.

Kamikaze: Rock, Pop und Jazz aus Bern, Freiburg und dem Tessin

Musik in der Turnhalle

Es herrscht Sommer: Vor dem Progr in Bern sitzen die Leute auf ihren Gartenstühlen zwischen Pflanzen und Paletten und trinken gemütlich ihr Feierabendbier, diskutieren und geniessen den warmen Abend. Wer sich bei dem schönen Wetter nach drinnen verkriecht, muss echt ein Problem haben, denkt man sich. So erstaunt es nicht, dass in der Turnhalle und an deren Bar eher Ruhe herrscht. Ruhe vor dem Sturm, denn in einer Stunde wird hier eine Band über die Bühne fegen, die alleine mit ihrem Namen für ein Beben sorgt. Kamikaze, ein Vierergespann mit Musikern aus Bern, Freiburg und dem Tessin, taufen an diesem sommerlichen Abend ihr neues Kurzalbum Crestfallen und wollen mit ihrem High Energy Jazz nicht nur die Bühne zum Zittern bringen.

Leere oder Fülle

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn lassen nur die Instrumente auf der Bühne der Turnhalle darauf schliessen, dass hier ein Konzert stattfinden soll. Der Grossteil des Publikums lässt auf sich warten, wenn denn überhaupt noch jemand kommt. Glücklicherweise sind die Hoffnungen nicht umsonst und so tröpfeln die Gäste von der Terrasse mehr und mehr in den Konzertsaal. Auch die Band ist bereit an diesem Sonnentag ein musikalisches Gewitter loszubrechen.

Musikalischer Todesflug

Und diese Energie steckt Pinto wie auch der Rest der Band direkt in ihren gefühlsgeladenen und temporeichen Jazz, der mal mehr nach Rock klingt, dann nach Synthie-Pop und auch mit Electronica-Elementen auftrumpft. Die Band eröffnet mit dem Song Tomorrow, einer der vier Tracks auf dem neuen Shortplayer, welche an diesem Abend getauft wird. Und Kamikaze lassen das Publikum nicht lange auf musikalische Ausbrüche warten. Von ruhigen Momenten bis zu monströsen Ausbrüchen sorgt Pinto mit Gitarre und Stimme für den Donner, der das Gewitter ankündigt. Vor allem bei Parallels bricht die Musik aus und fegt durch den Raum. Das Stück ist so inbrünstig, wie der darauffolgende Applaus.

Mal ruhig, mal laut

Der Kopf hinter der Musik, Fabio Pinto, begrüsst nach dem dritten Stück herzlich das Publikum, dass sich nun doch zahlreich in der Turnhalle eingefunden hat. “Wir feuen uns auf diese EP-Taufe. Seid Willkommen!”, so der Freiburger. Es folgen die Stücke Aerodrom und The Gaze vom neuen Album. Letzteres beginnt mit knackigem Schlagzeugtakt, der ungewohnt tanzbar klingt. Darüber legt sich die zarte Stimme von Claire Huguenin, welche nicht nur mit ihrer Stimme verzaubert, sondern auch durch ihr Auftreten. Es ist sie, die auch gestisch die experimentelle Jazz-Musik wiedergibt und sich zwischen den einzelnen Stücke nicht um einen Scherz zu schade ist. Neben neuen Liedern spielt die Band auch Songs von ihrem Longplayer Alpha aus dem Jahr 2012. Von Trauer über Wut bis hin zu Liebe findet sich alles wieder und so variantenreich die Gefühle hinter der Musik, so variantenreich auch die Darbietung.

Stärke im Detail

Als der Titeltrack Crestfallen folgt hüllt sich die Bühne in Rauch und rotes Licht, die Atmosphäre ist genauso angespannt wie der Song. Der Bass faucht und spuckt die Klänge aus, auf einmal setzt das Schlagzeug ein und Fabios Gesang steigt mit ein. Crestfallen zeigt eindrücklich wie energiegeladen Kamikazes Musik ist und das vor allem in den instrumentalen Teilen viel Feinfühligkeit und gleichzeitig Stärke steckt. Das Publikum goutiert die Leistung der Vier stets mit Jubel und Applaus, auch wenn die Turnhalle längstens nicht gefüllt ist. Dies lassen sich die Musiker jedoch nicht anmerken. Und so endet auch der letzte Song namens Colours wie das Konzert begonnen hat, mit dem Beben des Schlagzeug, das zum Grossumschlag ausholt, und mit verzerrt heulenden Gitarrenklängen, welche durch den Raum und ins Gehör der Zuschauer dröhnen. Kamikaze stehen zu ihrem Namen, ein musikalischer sowie halsbrecherischer Flug, der mit der Gewissheit endet, dass Jazz selten so abwechslungsreich war.

Mehr Gleichberechtigung für die Männer!

Frauen und Gleichberechtigung, das sind oft diskutierte Themen. Dass auch Männer sich für die Gleichberechtigung einsetzen, scheint neu zu sein. Männer.ch tut dies jedoch seit nunmehr bald zehn Jahren. Entstanden ist die Organisation aus einer Strömung von Männerorganisationen. Ein politischer Arm, ein Sprachrohr wurde nötig. So kam es zur Gründung von Männer.ch, welche sich selbst als Sprachrohr für Buben, Männer und Väter versteht und die Männerperspektive in den politischen Diskurs einbringen will.

 

“Förderungsbedarf bei der Gleichberechtigung der Männer”

“Männer brauchen Geleichberechtigung. Dafür setzten sich jedoch mehrheitlich Frauen ein”, meint Andreas Borter, Leiter des von Männer.ch gegründeten “Schweizerischen Institutes für Männer-und Geschlechtsfragen”. Neun von zehn Anfragen, welche Männer.ch erhält, stammen von Frauen, erklärt er.

 

Der Geschlechterdialog wird bei Männer.ch grossgeschrieben. So sollen die Geschlechter gleichmässiger auf die Berufe verteilt werden. “Männer sollen vor allem mehr in Lehrerberufen und der Kinderbetreuung unterkommen. Momentan setzen wir uns für mehr Männer in Kitas ein”, so Borter. In Zukunft sollen die Väterzeit und der Elternurlaub oberste Priorität haben.

 

Ein weiteres wichtiges Thema nebst der Arbeit ist die Familie. Durch sein Interesse an der Väter-Thematik ist auch der Leiter des Institutes auf Männer.ch gestossen. “Mir ist es wichtig, Väterthemen in die Politik einzubringen. Das kann ich über die Lobbyorganisation Männer.ch tun”, sagt Borter dazu. Der Bereich der gemeinsamen elterlichen Sorge ist für Borter der wichtigste Punkt. Anfangs 2011 wurde aufgrund dieser Thematik eine Mahnwache vor dem Bundeshaus gehalten.

 

“Sexualität kommt in der Gleichstellunsdiskussion kaum zur Sprache”

Das dritte Kernthema von Männer.ch ist Sexualität. Borter kommentiert dies folgendermassen: “In der Gleichstellungsdiskussion kommt Sexualität bisher kaum zur Sprache.” Für Männer.ch gehöre das Thema jedoch auch in diese Debatte. “Es geht dabei unter anderem auch um Themen wie sexuelle Bildung, Wirtschaftsethik in der Sexbranche, Verantwortung im Internet und sexuelle Belästigung durch Werbung”, so Borter.

 

Männer.ch setze sich ausserdem dafür ein, dass Männer nicht von vorne herein als sexuelle Belästiger abgestempelt werden. Gesundheit im Allgemeinen sei deshalb von männer.ch nicht als Kernthema definiert worden, da dies ein Querschnittsthema sei und damit bereits in allen Kernthemen von männer.ch bearbeitet werde, wie Borter erklärt: “Alle Themen befassen sich indirekt auch mit der Gesundheit und dabei sowohl mit dem körperlichen wie auch dem seelischen Wohlbefinden von Männern.”

 

Kein exklusiver Klub

Männer.ch versteht sich als Geschlechterbewegung. Mitglied werden bei Männer.ch können aber nebst Männern auch Paare. “Das Engagement von Männer.ch kommt allen zu, nicht nur den Männern”, sagt Borter. Männer.ch sei kein exklusiver Klub, fügt er an. Die meisten Mitglieder sind jedoch Kollektivmitglieder. Sie seien also über einen Verein, bei dem sie bereits Mitglied sind, zu Männer.ch gestossen. Dreihundert Einzelmitglieder hat die Lobbyorganisation. Laut Borter sind diese sehr engagiert.

 

Frauenmehrheit im Bundesrat ist kein Nachteil

Auf die Frage, ob mehr Männer im Bundesrat sein sollten, antwortete Borter, dass eine Frauenmehrheit für Männer.ch wohl vorteilhafter wäre. Er hält die Männer im Allgemeinen für etwas verschlafen und sieht die Anliegen der Organisation besser durch Frauen vertreten. “Frauen sind sensibler bei Geschlechterfragen”, meint der Vizepräsident. Demzufolge würden sie sich auch vermehrt in dieser Thematik einsetzten.

Siebenunddreissigster Brief aus Deutschland

Liebe Schweizerinnen, liebe Schweizer,

 

Wie so vieles im Leben hat auch dieses Jahr einmal ein Ende. Nicht mehr lang und 2014 gehört der Vergangenheit an. Was bleibt? Woran werden wir uns auch in zehn Jahren noch zurückerinnern, wenn wir und Sie an dieses ereignisreiche Jahr zurückdenken?

 

An die Ukrainekrise? Gewiss nicht!

An die brutale IS? Ach was, nein!

An die Weltmeisterschaft? Blödsinn! Vor allem Sie nicht.

 

Nein, ein Datum wird vor allem den Schweizern auf ewig in Erinnerung bleiben. Und das ist der 21. März 2014. Das ist so einfach, dass wir das eigentlich gar nicht erwähnen müssten. Denn an diesem Tag erreichte der erste Brief aus Deutschland die Schweiz. Und fortan sollte sich praktisch alles verändern.

Wir blicken zurück: Bis vor kurzem war die Schweiz ein Land, das niemand mochte: Isoliert, aus allem raushaltend, verhasst und höchstens für reiche Ausländer ein attraktiver Zweitwohnsitz.

In diesem Zustand vegetierte die Schweiz jahrzehntelang vor sich hin – bis auch der große vorbildliche Nachbar aus dem Norden nicht länger zusehen konnte und intervenieren musste.

Und so begann am 21. März diesen Jahres eine neue Ära und die Schweizer lernten von nun an wöchentlich ein paar Lektionen, was sie tun müssen, um endlich ernst genommen zu werden von der Welt.Wir neigen wahrlich nicht zum Eigenlob und wollen auch weiter gewohnt bescheiden bleiben, aber wenn man die Entwicklung in der Schweiz in den vergangenen sieben Monaten einmal genau betrachtet, sieht man, was wir geschafft haben, aus dem Land zu machen. Und das nur anhand wöchentlicher kleiner Briefe.

Heute, sieben Monate später, erkennt man die Schweiz kaum noch wieder. Stattdessen ist es ein Land, das niemand mag. Isoliert, sich aus allem raushaltend, verhasst, höchstens für reiche Ausländer attraktiv und – das wissen wir nun – beratungsresistent ohne Ende!

 

Aber, gemach: wir wollen so kurz vor Weihnachten auch nicht immer nur stänkern, beleidigen, auf offensichtliche charakterliche Mängel hinweisen und auf hinterwäldlerische Bergvölker eindreschen. Nein, heute möchten wir mit Ihnen die Tassen hochleben lassen und uns feierlich auf das Fest der Liebe einstimmen. Nehmen Sie sich doch ein Stückchen Lebkuchen. Wo auch immer Sie gerade sind – im Büro, in der Uni, auf dem Arbeitsamt, auf der Straße, im Café, im Bundeshaus – machen Sie einfach mal mit!

Und einen Wein. Gerne rot, wie Ihre Flagge.

 

Und jetzt stellen wir uns gemeinsam zu einem Kreis auf, nehmen die Hände unserer Nachbarn und singen:

“Oh, du fröhliche-he

Oh, du selige-he […]” und so weiter.

Ja, das macht Laune! Machen Sie auch ruhig schon Feierabend, legen Sie Stift/Laptop/Frisierstab/Hochofen zur Seite und freuen Sie sich auf die kommenden Festtage!

 

Wir sind ja auch unter uns, deshalb: keine Scheu vor Peinlichkeiten! Wenn Ihnen danach ist: lassen Sie die Tränen kullern, oder kutschen Sie jemanden, oder – entschuldigen Sie bitte das Wort – ********** Sie mal wieder so richtig.

Und schon sieht die Welt wieder einigermaßen besser aus. Sehen Sie, so schön kann Weihnachten sein!

 

Bis nächstes Jahr,

Machen Sie es gut,

Ihr Deutschland

Sechsunddreissigster Brief aus Deutschland

Mail von P. Feldhusen, 9:31 Uhr:

Hey Peer,

alles fit? Kinder zur Schule gebracht? Wie geht es deiner Frau? Ist sie wieder gesund?

Naja, wie auch immer, es ist Freitag. Zeit für den neuen Brief an die Schweiz. Ich fange gleich mal damit an, ok? Muss vorher noch ein paar Dinge erledigen.

Bis gleich.

 

Mail von P. Gahmert, 9:41 Uhr:

BITTE WAS!? DU fängst mit dem Scheißbrief an? Du hast letzte Woche schon angefangen, ich bin auch mal wieder dran! Du fängst in letzter Zeit immer an! Ich habe auch gute Ideen, Du Hund!

 

“Guten Tag, Schweiz!

 

Der Winter kommt, das haben Sie sicherlich mitbekommen. Auch bei uns hat es schon vereinzelt geschneit und gerieselt und geeist – Zeit also, sich um die Weihnachtsgeschenke zu kümmern! Wir hätten da ein paar schöne Vorschläge!

Was immer gut ankommt, sind persönliche Geschenke, die dem Beschenkten etwas bedeuten.”

 

Mail von P. Feldhusen, 9:46 Uhr:

Was soll DAS denn jetzt, Peer? Wir hatten uns doch vor zwei Tagen darauf geeinigt, dass unser dieswöchiger Brief sich mit der Frage beschäftigt, ob auch in der Schweiz zu Hause deutsch gesprochen werden muss. Oder wie die das mit ihren sechs Landessprachen regeln.

 

Also, “halli hallo liebe Schweizer,

Sie haben sicherlich mitbekommen, was da gerade in Deutschland für eine Diskussion entbrannt ist, nachdem die CSU vergangene Woche von Migranten forderte, zu Hause doch bitte Deutsch zu sprechen. Wir finden diese kleine Debatte ja sehr amüsant und fragen uns, wie Sie das bei sich eigentlich so regeln.”

 

Mail von P. Gahmert, 9:56 Uhr:

Hallo!? Was soll denn das jetzt wieder? Ich hatte auch gesagt, dass ich das Thema Deutschsprechen für die Schweiz nicht geeignet finde! Ich verstehe gerade echt nicht, was Du wieder für einen Film fährst! Aber klar, ist ja eigentlich wie immer: Der Herr Feldhusen drängt sich mal wieder in den Vordergrund. Was ist denn an Weihnachtsgeschenken jetzt auszusetzen?! Wo doch Weihnachten vor der Tür steht und in der Schweiz der alljährliche Hundebraten vorbereitet wird!

 

“Ganz Wichtig: lassen Sie sich nicht unter Druck setzen – das Geschenk muss von Herzen kommen! Sie kennen das ja selber, wenn man etwas auspackt, voller Vorfreude, und dann feststellt, dass sich niemand wirklich Gedanken über Sie macht. In Deutschland nennt man das das “Philipp-Feldhusen-Syndrom”. Es ist im Grunde nur mit dem freiwilligen Frühableben des bescheuerten Betroffenen zu lösen. Je gewaltvoller der Volltrottel ums Leben kommt, desto besser für alle.”

 

Mail von P. Feldhusen, 10:07 Uhr:

Haha, sehr witzig, Peer. Da hat der Herr Gahmert wohl wieder einen Kasper gefrühstückt, wie? Es gibt kein Philipp-Feldhusen-Syndrom, und das weißt du auch ganz genau! Was soll die Scheisse jetzt? Bist du wieder beleidigt, weil ich deine Idee abgelehnt habe und doof finde? Die Schweizer brauchen viel, aber ganz gewiss keine Geschenketipps zu Weihnachten. Idiot!

 

„Sprechen Sie zu Hause eigentlich genauso wie beim Bäcker? Oder im Supermarkt? Oder mit Freunden? Verstehen Sie sich untereinander, wenn z.B. ein Mensch aus dem französisch sprechenden Teil der Schweiz kommt und mit einem schweizerdeutsch Sprechenden zusammentrifft? Wissen Sie, bei uns versteht man viele Menschen einfach überhaupt nicht, wenn sie zu Hause in ihren eigenen vier Wänden sind und sich untereinander unterhalten. Dann wird genuschelt ohne Ende und es wird überhaupt kein Wert mehr auf einen vernünftigen Satzbau gelegt. Bei uns nennt man das peergahmern, benannt nach seinem miserablen deutsch sprechenden Erfinder –

 

Mail von P. Gahmert, 10:11 Uhr:

Junge, es gibt gerade ü-ber-haupt keinen Grund, persönlich zu werden! Wie wäre es, wenn Du einfach mal die Fresse hältst und weit wegziehst, hm? Ich kann dieses “Seht mich an, ich bin Philipp Feldhusen, der größte und beste auf Erden- nicht mehr hören! Und Deine Familie auch nicht mehr! Ja, ich habe gestern mit Deiner Frau ge– telefoniert, die überlegt, sich endlich von Dir scheiden zu lassen und —

 

Mail von P. Feldhusen, 10:12 Uhr:

Lass meine Familie da raus, die widerlicher Scheisskerl! Aber wenn du schon so anfängst, bitte! BITTE! Dann sag ich nur 18. September 2013. Ja, denk mal scharf nach! Bis heute glaubt jeder, dass es ein Unfall war. Aber ich wusste von Anfang an, dass du –

 

Mail von P. Gahmert, 10:14 Uhr:

Ach komm, jetzt lass den Scheiss und hör einfach auf zu schreiben! Also:

 

Hallo Schweiz! Weihnachten steht vor der Tür, die Berge sind schneeweiß und in irgendeiner Höhle im Engadin oder wie das heißt läuft Blut in den Schnee. Neben einem leblosen Körper liegt eine Axt und ein arroganter, kotzhässlicher Norddeutscher. Offenbar umgebracht von einem unbekannten—

 

Mail von P. Feldhusen, 10:16 Uhr:

Deine Mudda ist kotzhässlich!

 

Mail von P. Gahmert, 10:18 Uhr:

So, das reicht! Ich hol jetzt Herrn Chefredaktor Bucher dazu!

 

Mail von Sandro Bucher (tink.ch), 10:23 Uhr:

Anita, jetzt ist es schon wieder passiert. Diese zwei komischen Vögel aus Deutschland haben mir einen dieser seltsamen Briefe geschickt. Nur scheint er diese Woche noch seltsamer als sonst. Da ich sie nie lese, kannst du das aber bestimmt besser beurteilen. Magst du ihn bitte online stellen und ihnen dann sowas in der Art „Jungs, vielen Dank für den Brief! Wie immer toll geworden! Ich stelle ihn sofort rein, echt klasse gemacht! Gerne nächste Woche wieder. Ihr seid sooo lustig!“ zurückschreiben? Ich ertrag das Ganze nicht mehr. Besten Dank!

Wie das Beben eines isländischen Vulkanes

In einem Land, das geprägt ist von kahlen Landschaften, schlummernden Vulkanen, dampfenden Geysiren und eisiger Kälte, sprudelt eine grosse Inspirationsquelle für fantasiereiche Musik wie aus einer anderen Welt. Da fliessen Sagen und Märchen zusammen, dort trifft isländische Folklore auf elektronische Elemente. Schon grosse Namen wie Björk oder die Band Sigur Ros haben bewiesen, dass in Island musikalisch alles andere als Kahlheit herrscht. Das Trio Samaris hat sich 2011 zusammengeschlossen um elektronische Elemente mit tragendenden Klarinettenklängen und der erzählerisch eindringlichen Stimme der Sängerin Jófríður àkadóttir zu verbinden. Und sie erhalten den guten Ruf Islands.

 

2011 waren die Mitglieder noch blutjung, doch sie wussten bereits zu überzeugen. Nach ihrer Gründung im Januar gewann das Trio bereits wenig später die isländische Músíktilraunir, ein jährlich stattfindender Musikwettbewerb in Reykjavík. Ihre beiden EPs, die in der Heimat grossen Anklang fanden, wurden auch im europäischen Raum wahrgenommen. Die Nachfrage nach der jungen Band wurde immer grösser, auch durch deren Teilnahme am bekannten Musikförderfestival Iceland Airwaves. Spätestens seit dem jüngsten Album Silkidrangar, welches dieses Jahr veröffentlicht wurde und von Kritikern allseits gelobt wurde, gehören Samaris zum Musikgesicht von Island.

 

Um ein Stück nordischer Musikkunst zwischen Folkklängen, Electronica und sanftem Gesang zu erleben, bedarf es aber keiner Reise nach Island. Nächste Woche machen Samaris für zwei Konzerte Halt in der hügeligen und grünen Schweiz. Für ihr zweites Konzert am 17. Dezember verlost tink.ch 2×2 Tickets. So kann sich gleich jeder selber von der eindringlichen und mystischen Musik der Isländer überzeugen und sie hautnah im Papiersaal Zürich erleben.

 


Konzert Samaris:
Dienstag, 16. Dezember, Papiersaal Zürich
Türöffnung: 19h, Konzert: 20h
Support: Evelinn Trouble (CH)

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Schlachtgetümmel mit digitalem Zuckerguss

Warum die Filmadaption von J.R.R. Tolkiens überschaubarem Kinderbuch “Der Hobbit” als episch breitgewalzte Trilogie von Anfang an ein höchst fragwürdiges Unternehmen war, hatte bereits der dreistündige Auftakt eklatant deutlich gemacht: Es herrschte rasender Stillstand in Eine unerwartete Reise, die Expedition rund um Gandalf, Bilbo Beutlin und die dreizehn Zwerge wollte nicht vom Fleck kommen. Auch die letztjährige Fortsetzung vermochte den Eindruck einer zähflüssigen Fantasy-Kino-Seifenoper kaum zu revidieren. Trotz einiger gelungener Einzelszenen schien Smaugs Einöde wiederum zu überfrachtet, zu forciert in epische Länge gezogen. Insofern trägt nun der Abschlussfilm die schwere Bürde, zur Ehrrettung des bis dato teuersten Filmprojekts der Kinogeschichte anzutreten. Die Schlacht der fünf Heere muss nichts weniger leisten, als die wild wuchernden Handlungsfäden zusammenzuführen und überzeugend in die Herr der Ringe-Trilogie überzuleiten. Und erwartungsgemäss wählt Regisseur Peter Jackson dafür den mühsam vorgetrampelten Weg des maximalen Spektakels.

 

Dreidimensionales Schlachtgemälde

Hin und zurück – auf diese einfache Formel brachte der Untertitel von Tolkiens 300 Seiten schmalem Büchlein die streng lineare Geschichte. Denselben Beititel hätte zunächst auch Jacksons Hobbit-Finale tragen sollen, bis im April dieses Jahres überraschend Die Schlacht der fünf Heere als definitiver Titelzusatz verlautbart wurde. Das ist nicht alleine aufgrund der ausgedehnten Kampfhandlungen passender. Jacksons 3D-Trilogie erweitert die Linearität der Vorlage um parallele, quere und diagonale Erzählachsen als narrative Verstrebungen innerhalb seiner Mittelerde-Saga. Was in Eine unerwartete Reise und Smaugs Einöde eher zu einem Stocken im Erzählfluss führte, kulminiert jetzt im dritten Teil zu einem opulenten Schlachtgemälde mit digitalem Pinselstrich.

 

Der Film setzt nahtlos dort ein, wo sein Vorgänger so verheissungsvoll endete: Der Drache Smaug ist aus dem Einsamen Berg ausgebrochen und richtet in der Seestadt ein Inferno an – wo es bereits zum ersten von zahlreichen Showdowns kommt. Währenddessen verschanzen sich die Zwerge in ihrem Königreich unter dem Berge, um die darin gehorteten Golddünen vor konkurrierenden Interesseparteien zu schützen. Weder Elben noch Orks lassen lange auf sich warten, um Anspruch auf den Zwergenschatz zu erheben. So werden einmal mehr endlose Kriegerkolonnen in Position gebracht, die sich auf Kommando ins Kampfgetümmel stürzen. Dabei ist Jackson darauf bedacht, aus der klassischen Ebene des Schlachtfeldes auszubrechen und das Kriegsgeschehen in alle Raumdimensionen auszudehnen – etwa durch Schwärme von Kampffledermäusen oder gipfelstürmende Schwertduelle.

 

Der digitale Zuckerguss der Fantasie

Wie schon die vorhergegangenen Hobbit-Teile hat auch der Abschlussfilm für sich alleine genommen erstaunlich wenig zu erzählen. Nur fällt das diesmal kaum auf, weil die knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit randvoll sind mit rasanten Gefechten und kuriosen Details: Da galoppiert ein Zwergen-Feldherr auf einer gepanzerten Wollsau durchs Bild und statt Rammböcken knacken Kriegstrolle die Stadtmauern per Kopfnuss. Dazu gesellen sich furiose Kampfchoreographien und extravagante Enthauptungen im Akkord, die Jacksons Vergangenheit als Slapstick-Horror-Regisseur durchschimmern lassen – glasiert mit dem digitalen Zuckerguss, der die artifizielle Ästhetik der Hobbit-Filme so eigenwillig ausstellt.

 

Von Fun-Splatter-Feuerwerken wie Bad Taste oder Braindead bis hin zur Ring-Saga bot Peter Jacksons Kino stets Eskapismus-Fantasien erster Güte, da ist die Die Schlacht der fünf Heere keine Ausnahme. Es ist der dynamischste, spassigste und gleichzeitig brutalste Film der Hobbit-Reihe – exzessiv in jeder Hinsicht und damit die ersehnte Krönung jener zweitbesten Mittelerde-Trilogie, die so schleppend Fahrt aufnahm und nunmehr nach zwei Filmen in die Gänge kommt. Wenn Bilbo Beutlin zum Ende ins malerische Auenland zurückkehrt (eine der wenigen Umgebungen im Film, die nicht weitestgehend im Computer entstanden sind), so kommt tatsächlich noch einmal dieses ganz besondere Mittelerde-Gefühl auf, das leider viel zu selten durch die gut 8-stündige Hobbit-Reihe echote. Hier wird der Abschied tatsächlich auch die grössten Skeptiker und Tolkien-Muffel schmerzen. Nur die desillusionierenden High Frame Rate-Bilder*, die mit ihrer gnadenlosen Schärfe selbst den hintersten und letzten Zwergenbart als aufgeklebt entlarven, vermisst wohl so schnell keiner mehr.

 

*Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere läuft in ausgewählten Kinos in sogenannter High-Frame-Rate-Qualität mit 48 statt den üblichen 24 Bildern pro Sekunde.