Politik | 15.11.2014

Von der Problematikanalyse zur Petition in fünf Akten

Prolog: 13 Teilnehmende umfasst die Gruppe der Jugendarbeitslosigkeit 1, die sich im Sitzungszimmer des Gebäudes der SAJV in der Berner Altstadt versammelt hat. Die Teilnehmer werden in drei Gruppen eingeteilt, die jeweils zu einem der verschiedenen Teilbereiche der Jugendarbeitslosigkeit eine Petition ausarbeiten.
Stefan, Janosch, Elias und Flurins Petition wurde von ihrer Gruppe angenommen.
Bild: Oliver Hochstrasser

Personeninventar:

Janosch Weyermann (19), Utzensdorf

Flurin Martin (16), Engading

Elias Keller (14) , Küttigen

Stefan Wick (19), Luzern

Eine Reporterin

 

 

Erster Akt

Was genau soll in einer Forderung an den Bundesrat stehen? In der Problematik sind sich die vier jungen Männer einig: Es gibt zu viele arbeitslose Jugendliche. Daraus lässt sich schliessen: zu wenige Lehrstellen – oder die falschen! Weil schulisch schlechtere Schüler oftmals nicht den Beruf ausüben können, den sie ursprünglich wollen, seien sie gezwungen, einen anderen Beruf zu lernen. Dies führe zu Lehrabbrüchen und Arbeitslosigkeit. “Und die Motivation, einen Beruf zu lernen, den man gar nicht will, ist auch nicht hoch.”, wirft ein Diskussionsteilnehmer ein.

Das Hauptproblem sehen die Vier in den hohen Anforderungen, die Auszubildende erfüllen müssen, um überhaupt eine Lehrstelle angeboten zu bekommen. Für Realschüler sei es ein Ding der Unmöglichkeit, eine KV-Stelle zu erhalten.

 

Zweiter Akt

Die bewährte Lösung sei die EBA – die zweijährige berufliche Grundbildung:

“Für solche, die in der Schule schon Probleme haben, sind drei Jahre Ausbildung zu lange!” Durch dieses Angebot einer verkürzten Lehre würden auch leistungsschwächere Jugendliche eine Ausbildung in ihrem Traumberuf ausüben können.

Die Forderung soll also sein: Mehr Lehrstellen mit Berufsattest und vor allem in jedem Berufsgebiet. Nun stellt sich die Frage: Gibt es auch für beliebte Berufe, wie die kaufmännische Ausbildung, verkürzte Lehren? “Ich hätte das noch nie gesehen”, verneint ein Teilnehmer. Die Online-Recherche verläuft harzig, deshalb wird die Arbeitsgruppe von der Gruppenleiterin Lene Carl zu anderen Mitteln aufgefordert: “Ruft ein Berufsinformationszentrum an!”

Es stellt sich heraus, dass Attestlehren fast überall möglich sind, doch auch vom BIZ kommt die nüchterne Erkenntnis: Sie sind sehr selten.

 

Dritter Akt

Die Gruppe sieht hier den Punkt, an dem sie einhacken wollen: Das Lehrstellenangebot der Nachfrage anpassen: Mehr Lehren mit Attest.

Die Stimmung sinkt: In der Problematik ist man sich einig, doch wie soll die Petition formuliert werden? Das EBA existiert, deren Anforderungen seien ausreichend. “Sollen wir nicht lieber ein Statement schreiben?”, wirf jemand ein. Der Vorschlag wird abgelehnt: zu langweilig.

Plötzlich fällt der Groschen und die Teilnehmer hauen in die Tasten: “Wir fordern vom Bund, dass das Eidgenössische Berufsattest EBA in der Schweiz aktiver gefördert, unterstützt und angeboten wird.” Die Begründung: Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, ihren gewünschten Beruf lehren zu können und nicht aufgrund von schulische Leistungen zu etwas anderem gezwungen werden.

Motivierende Worte kommen auch von der Gruppenleitung. “Doch, ich bin der Meinung, das wird was”, meint Lene Carl.

 

Vierter Akt

Jetzt gilt es ernst: Die Petition muss sich in der Gruppe gegen die zwei anderen Petitionen durchsetzen. Noch kurz an der Begründung feilen, Synonyme suchen, “emotional schreiben!”

Zur Wahl stehen drei Petitionen: Feste Quoten an Auszubildende für Grossunternehmen, ein Fond zur Unterstützung bei Weiterbildungen und die Förderung von EBA.

 

Fünfter Akt

Die Diskussionen sind hitzig – man gönnt sich wenig und will seine eigene Petition durchboxen. Die Gruppe wird aus der Reserve gelockt: “Entsteht durch solche Grundausbildungen nicht noch eine grössere Kluft zwischen Guten und Besseren?”, und “Was genau ist das EBA?”

Doch schlussendlich lohnte sich der Stress für die Gruppe: Ihre Petition zur Förderung der EBA wird deutlich angenommen.

 

Epilog

Wird sich die Petition auch morgen im Plenum durchsetzen? Die Stimmung innerhalb der Gruppe ist euphorisch: “Ja. Ja!” Ein Vorteil dieser Petition sei, dass sie keine aggressive Forderung stelle, sondern etwas Bewährtes unterstütze. “Sie ist realistisch und umsetzbar”, ressümiert ein Gruppenmitglied. Zudem könne man sich mit ihr identifizieren und sie decke verschiedene Bereiche der Problematik von Jugendarbeitslosigkeit ab, so der 14-jährige Elias Keller.

Trotzdem muss noch an ihr gearbeitet und umformuliert werden. Fisnik Hosti vom Forum Jugendsession warnt die Gruppe: “Bedenkt, dass in einer Petition nur eine präzis formulierte Forderung stehen darf!”

 

Ob die Petition “Förderung EBA” morgen im Plenum der dreiundzwanzigsten, eidgenössischen Jugendsession auch angenommen wird, bleibt offen.