Sport | 25.11.2014

Risikofreudiger Träumer

Text von Damaris Oesch | Bilder von Damaris Oesch)
Der Skirennfahrer Nils Mani ist zurzeit verletzt. Doch weder ein gebrochener Arm noch andauernde Kniebeschwerden können den 22-Jährigen davon abhalten, weiterhin von einer grossen Karriere zu träumen. Er ist überzeugt davon, dass sich alles Risiko irgendwann auszahlen wird.
"Ohne Risiko gewinnst du nie ein Rennen", ist Nils Mani sicher. (
Bild: Damaris Oesch)

“Scheisse.” Das dachte der Nachwuchsskirennfahrer Nils Mani, als er am 20. Oktober dieses Jahres bei einer Trainingsfahrt stürzte und ein Knacken in seinem Arm hörte. Dieser Bruch wirft ihn noch weiter zurück, da dieser neben einer Entzündung im Knie bereits die zweite Verletzung ist, die er sich in diesem Jahr zugezogen hat. Aufgrund dieser Entzündung, die ihn seit Anfang dieses Jahres plagt, konnte der 22-Jährige in diesem Sommer nicht optimal trainieren. Jetzt bremst der Bruch seine Karriere noch mehr. “Im Augenblick selber sind solche Verletzungen natürlich ein riesiger Anschiss”, sagt Nils ehrlich, während er entspannt an der Bar vom Sportzentrum in Magglingen sitzt.

 

Bodenständiger Berner

Selbst diese Worte wählt Mani ruhig und gelassen. Kein bisschen ist von der Aufregung oder der Verärgerung zu spüren, von der er spricht. Seine Worte spiegeln seine überlegte, unaufgeregte Art. Er sagt kein Wort zu viel, doch das, was er sagt, hat Hände und Füsse. In dieser Hinsicht entspricht der Skirennfahrer genau dem Klischee des langsamen Berners.

Nils Mani wuchs am Fusse des Skigebiets Grimmialp im Diemtigtal auf und stand schon mit drei Jahren das erste Mal auf den Brettern. Nils, der im Jahr 2013 von der Schweizer Sporthilfe zum Nachwuchssportler ausgezeichnet wurde, ist auch äusserst bodenständig: Vor zwei Jahren schloss er seine Berufsausbildung als Landmaschinenmechaniker ab. “Ich wollte etwas Sicheres in der Hand haben”, begründet der naturverbundene Mani diese Entscheidung. Er habe damit einen Plan B, falls es mit dem Sport nicht klappen sollte. Doch das hatte einen hohen Preis: “Ich hatte keine Ferien und nur sehr wenig Freizeit”, sagt er über die Folgen der Doppelbelastung. Jetzt hat er wieder mehr Zeit, um sich mit Kollegen zu treffen oder als Ausgleich dazu auf dem Bauernhof mitzuhelfen.

 

Risikofreudiger Speedspezialist

Nils Mani durchlief alle Juniorenkaderstufen in seinem Skiklub sowie bei Swiss Ski, wo er auf diese Saison hin in der Abfahrt ins A-Kader aufsteigen konnte. Der zielstrebige Nils Mani konnte vor allem in der Abfahrt viele Erfolge feiern, unter anderem ist er in dieser Disziplin aktueller Juniorenweltmeister. Dazu kommen sieben Einsätze im Weltcup. Der Skisport fasziniert Mani. Wenn er von seiner grossen Leidenschaft erzählt, blüht er auf: “Ich liebe die Geschwindigkeit und die Sprünge”, meint er. Diesen Adrenalinkick, den man in jedem Rennen erlebe, sei für ihn das Grösste. Genau dieses Tempo und der schlechte Schutz sind aber auch die Faktoren, die Skifahren zum Risikosport machen. Angst habe Mani nie auf der Piste: “Ich bin sehr risikofreudig. Während dem Rennen will ich immer schneller und schneller fahren”, sagt Nils Mani. Diese Risikobereitschaft führe halt zu Verletzungen. “Ohne Risiko stürzt du nie- aber du gewinnst auch nie ein Rennen.”

 

Träumen erlaubt

Deshalb will er weiterhin Vollgas geben, ohne Rücksicht auf Verluste. Er träumt von einer Medaille an einem Grossanlass. Nils Mani ist überzeugt davon, dass er weiter kommen kann, als alle anderen denken. “Ich lasse nicht zu, dass Andere bestimmen, wo die Grenzen meiner Träume sind”, erklärt der eigenwillige Mann lächelnd sein Lebensmotto. Im Moment versucht Nils Mani, positive Seiten an dem Trümmerbruch der Elle des linken Arms zu sehen. “Jetzt habe ich viel Zeit, um gezielt an meiner Kondition zu arbeiten”, meint er. So könne er vielleicht noch stärker zurückkommen, wenn er frühestens Ende Dezember wieder an Rennen teilnehmen kann.