Politik | 19.11.2014

Prospekte anstatt Äpfel

Text von Michelle Stirnimann | Bilder von Ice Graf)
Nicht nur im Nationalratssaal wird heftig debattiert, auch in der Wandelhalle des Bundeshauses herrscht am Sonntag diskussionsfreudiges Klima. Wie jedes Jahr haben die verschiedenen Jungparteien die Möglichkeit, ihre Partei den Teilnehmenden vorzustellen und potenzielle Neumitglieder anzuwerben. Auf den Tischen liegen normalerweise Broschüren, Initiativbögen, Kugelschreiber, Kleber, Feuerzeuge und sonstige Give-Aways - nicht dieses Jahr!
Durch das "Give-Away-Verbot" an der diesjährigen Jugendsession bot sich an den Ständen ein wahres Meer an Prospekten und Papieren. (
Bild: Ice Graf)

Die Tische der Parteien sind dieses Jahr leer. Beinahe leer. Ein paar Broschüren und Prospekte, vereinzelte Postkarten. Wo sind all die Merchandise-Artikel?

 

“Wir dürfen dieses Jahr keine Give-Aways anbieten”, so Mentari Baumann von den Jungfreisinnigen. Also kein Kuchen von der Juso dieses Jahr, keine Äpfel von der jungen grünliberalen Partei und keine Wasserpistolen vom Jungfreisinn.

 

Wie sieht es aus mit den Kugelschreibern? Vereinzelte Exemplare liegen noch auf den Tischen der jungen BDP und der jCVP. Doch kurze Zeit später müssen auch diese von den Ständen weichen. Dieses Jahr ist nichts erlaubt, das irgendwelche Schäden hinterlassen könnte. Nur Papier, aber nichts zum Unterschreiben.

 

Flecken auf dem Parlamentsteppich

Man munkelt, die Regel sei vom Bundeshaus selbst auferlegt worden, nachdem die Parlamentsdienste letztes Jahr die Wasserpistolen des Jundfreisinnes beschlagnehmen mussten. Auch Flecken auf dem Parlamentsteppich, verursacht durch den “1:12-Kuchen” der JungsozialistInnen und Sticker jeglicher Parteien auf den Nationalratspulten und Wänden waren die unerwünschten Überbleibsel der Session des letzten Jahres.

 

Dem sei nicht so, erklärt Andreas Tschöppe, Geschäftsleiter der SAJV. Die Geschenke der Parteien sind seit Jahren Thematik beim OK. Vor vier Jahren wurden in den Gängen des Parlamentgebäudes ausartende Abstimmungskampagne geführt, dies sei nicht der Sinn der Aktion. Doch sei die neue Regel nicht “von oben herab” errichtet worden, sondern im Konsens mit den Parteipräsidien der Jungparteien.

 

Gemischte Reaktionen

“Uns kommt diese Entscheidung entgegen”, meint Christian Zürcher, Vertreter der jungen Grünliberalen. Die Diskussionen seien ohne die Merchandise-Artikel viel sachlicher. Zudem gelten für alle Parteien dieselben Regeln, was nur fair sei. Für Parteien mit kleineren Finanzmitteln sei es nicht möglich, zusätzlich noch Merchandise Artikel drucken zu lassen.

 

Anders tönt es auf der anderen Seite der Halle. Laura Curau von der jungen CVP bedauert den Entscheid: “Die Jugendpolitik wird auf Papier reduziert.” Dass keine Kugelschreiber verteilt werden dürfen, könne sie nicht nachvollziehen. “Ein Credit Suisse Kugelschreiber sei ja auch Werbung”, meint sie.

“Da wir die Buttons nicht verteilen dürfen, tragen wir sie nun alle selbst”, lacht sie.

 

Patricia Stocker von der Jugendsession-Security erklärt: “Grundsätzlich wollen wir nichts verbieten, aber letztes Jahr war dies das Tüpfchen auf dem i.” Nach der Plenumsdiskussion sei so viel Abfall herumgelegen, dass dieses Jahr die Parteiwerbung auf Papier beschränkt wurde. Doch, so meint sie, sollten die Kugelschreiber nächstes Jahr wieder erlaubt werden.