Gesellschaft | 18.11.2014

“Die Männer waren zuerst kritisch”

Text von Anne-Lea Berger | Bilder von Anne-Lea Berger)
Ihr Engagement ist mehr als eine reine Freizeitbeschäftigung: Anstatt zu tanzen oder Volleyball zu spielen, fahren die Studentinnen Claudia und Sarah mit Feuerwehrschläuchen und Blaulicht durchs Emmental.
Immer mehr Frauen finden ihren Weg zur Feuerwehr. So auch Claudia und Sarah aus Bern. (
Bild: Anne-Lea Berger)

Immer noch qualmt es aus den Fenstern und Türen der Brandstelle. In kleinen Bächlein rinnt das Löschwasser in die Abflüsse. Mit bestimmten aber müden Schritten marschieren die Feuerwehrleute zurück zum Magazin. Gerade ist die Atemschutzübung der freiwilligen Feuerwehr zu Ende gegangen. Mit bis zu 15 Kilogramm schwerer Ausrüstung musste gesprungen, gekrochen, Puppen aus qualmenden Häusern geholt und der Umgang mit den schweren Schläuchen geübt werden, damit im Ernstfall alles reibungslos verläuft.

 

Bis es soweit ist werden die Feuerwehrautos zurück ins Magazin gebracht, die Schutzmasken geputzt und die Brandschutzkleider abgestreift. Aus der Masse von schwarz-roten Feuerwehrleuten werden wieder Individuen. Unter den Helmen kommen auch Frauengesichter zum Vorschein.

 

Frauen in den Flammen

Es sind Claudia und Sarah, zwei Studentinnen und beste Freundinnen. Seit dreieinhalb Jahren engagieren sie sich nun schon in der freiwilligen Feuerwehr Kirchberg. Angefragt wurden sie damals von Sarahs Vater, der damals als Kommandant die Leitung innehatte. Die Skepsis war bei ihnen anfangs gross. “Wir waren damals ja erst am Gymnasium, hatten keine Ahnung vom Handwerk”, so Claudia. Doch die Neugier siegte und so beschlossen sie, trotz Zweifel vorbeizuschauen. Auch die Feuerwehrmänner waren zuerst kritisch. Feuerwehrfrauen, dann erst noch so junge, das war schon ungewohnt. Die beiden Studentinnen spürten, dass man ihnen das Handwerk nicht wirklich zutraute.

 

Vielleicht spornte sie dies noch mehr an, dabei zu bleiben. Jedenfalls fanden Claudia und Sarah rasch Gefallen an der aufregenden Abwechslung zu den kopflastigen und theoretischen Aufgaben in der Schule. Sarah erklärt, sie seien von Anfang an begeistert gewesen. “Als wir dann verschiedene Kurse absolvierten und sogar im Feuerwehrsport mittrainierten, merkten auch die Männer, dass wir es ernst meinen und haben uns akzeptiert!”, meint sie schmunzelnd.

 

Erste Einsätze

Mittlerweile sind die Freundinnen schon dreieinhalb Jahre mit dabei. Nach einem Jahr in der Sanitätsgruppe haben sie den Atemschutzkurs absolviert. Dieser erlaubt ihnen, auch selber zum Feuer zu gehen und zu löschen.

 

Bei den ersten Ernstfällen wussten sie noch nicht recht, was alles zu tun sei. “Deshalb hat man uns anfangs für kleinere Hilfsarbeiten eingesetzt”, erklärt Claudia. Gut erinnern kann sie sich an ihre erste Fahrt mit Blaulicht, als sie Nachschub an Wasserschläuchen holen musste.

 

Sozialer Aspekt

Die Geräte sind jetzt wieder in die Löschfahrzeuge geräumt, die Schutzhelme hängen in Reih und Glied bereit für den Ernstfall. Nun geht die gesellige Runde weiter in die Dorfbeiz.

 

Die Kameradschaft sei ein wichtiger Aspekt, weshalb ihnen das Engagement in der Löschtruppe solchen Spass bereite, meinen Claudia und Sarah. Beide hatten, seitdem sie in der neunten Klasse ans Gymnasium in Burgdorf und später an die Universität in Bern weitergezogen waren, keinen grossen Bezug mehr zum Dorf.

 

Durch die Feuerwehr sind sie wieder mehr in Kontakt mit Ortsansässigen kommen und haben sogar Freundschaften geschlossen mit Leuten, die sie sonst nie kennengelernt hätten. Die Feuerwehrmänner akzeptieren sie schon lange als selbstverständliche Mitglieder der Löschtruppe und freuen sich über die frische Energie, die ihnen der weibliche Beitritt beschert hat.