Politik | 16.11.2014

Jugendliche kümmern sich um Papp-Politiker

An der Jugendsession 2014 brillieren die gestandenen Politiker durch ihre beinahe makellose Abwesenheit. Die Jugendlichen kümmert das nur am Rande. Sie wollen lieber ein Bundeshaus-Selfie. Also courant normal im Nationalratssaal. Eine Satire über den grössten Schweizer Anlass für Nachwuchspolitik.
Zwei OK-Mitglieder stützen die beiden nominierten Papp-Figuren, damit sie nicht rückwärts vom Stuhl fallen.
Bild: Matthias Käser

Immerhin etwas durfte die politische Zukunft der Schweiz im Nationalratssaal bestimmen: Wer den Prix de Jeunesse bekommen soll. Nominiert waren drei Politiker bürgerlicher Parteien. Die Jugendlichen, welche in den abgesessenen Sesseln der Nationalräte richtiggehend versinken, machen lange Gesichter bei der Kampfrede um den beliebten Preis. Zwei der drei Politiker werden von den Jugendlichen in den Nationalratssaal getragen. Bewegungslos sitzen Christine Bulliard-Marbach (CVP) und Pierre Maudet (FDP) am Rednerpult und antworten mit verzerrter und heiserer Stimme auf die Fragen der mittlerweilen bleichen Jungpolitiker. Zwei OK-Mitglieder stützen die beiden nominierten Papp-Figuren, damit sie nicht rückwärts vom Stuhl fallen.

 

Das bizarre Theater scheint die Jugendlichen bald nicht mehr zu interessieren. Sie greifen reflexartig in ihre Hosentaschen und machen Nationalrats-Selfies mit ihren neu gewonnen Kollegen aus der ganzen Schweiz. Die monotonen Stimmen gehen langsam im anschwellenden Getuschel der provisorischen Nationalräte unter – eigentlich ist kein Unterschied zu einer normalen Nationalratssitzung festzustellen. Teilnahmslose Politiker schwatzen etwas und 200 uninteressierte Nasen sind damit beschäftigt, die hölzernen Sessel aufzuwärmen. Man könnte annehmen, dass Politiker wie Lobbyisten in der Wandelhalle campieren, wenn mehrere hundert  Jugendliche zu Ihren Wünschen und Bedürfnisse an die Schweizer Politik kundtun. Weit gefehlt. Das Bundeshaus bleibt an dem Wochenende der Jugendsession überwiegend in Kinderhand.

 

Die Verleihung des Prix de Jeunesse alleine wird der Jugendsession jedoch nicht gerecht – man könnte fast sagen, sie ist nicht repräsentativ genug. Springen wir an den Anfang der ungewöhnlichen Nationalratssitzung der Jugendsession: Didier Burkhalter betritt den Nationalratssaal. Einige Jugendliche heben sich von Ihren Plätzen und zollen dem Bundespräsidenten ihren Respekt. Einige der Spalier-Stehenden haben sich gar in Schale geworfen. Die Anzüge sind leicht zu gross, aber so passt er sicher auch noch, wenn die Teenager in geschätzten vierzig Jahren in den Nationalrat gewählt werden sollten. Burkhalter schwingt eine Rede, so wie wir sie aus dem Fernseher kennen. Macht ein paar High-Fives mit Teenagern und huscht zwanzig Minuten später zufrieden mit dem Prix de Jeunesse aus dem Saal. Er dürfte Philipp Müller ein Whatsapp in folgendem Stile geschickt haben: “Ich glaube sie haben es gefressen. Wir sind back in Business.” Das Online-Beitrittsformular der Jung-FDP ist wohl für mehrere Stunden nicht mehr erreichbar gewesen: “Unsere Server sind momentan leider überlastet. Bitte seien sie so liberal und kommen Sie wieder zurück.”

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