Gesellschaft | 08.11.2014

“Es war eine Herausforderung, aber im guten Sinne.”

Text von Linda Schweizer | Bilder von zVg/Alan Maag)
Packend, emotional und voller Überraschungen - der Zürcher Regisseur Stefan Haupt nimmt die Zuschauer in "Der Kreis" mit auf eine unvergessliche Reise. Hier spricht er über die Entstehung des Films, über Zweifel und Hoffnung und die Faszination am Filmwesen.
Regisseur Stefan Haupt stellt in seinem Film die Schwierigkeiten der Liebe ins Zentrum, und damit ein universelles Thema. (
Bild: zVg/Alan Maag)

Wie bist du zum Film gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kind (lacht). Ich habe zuerst als Primarlehrer gearbeitet, habe mich dann aber entschieden, die Schauspielakademie zu absolvieren. Ein Freund vom WWF fragte mich an, einen Jugendfilm mit Laien zu machen. Obwohl ich kaum Ahnung vom Filmemachen hatte, sagte ich zu. Dieses Projekt hat mein Interesse für den Film geweckt, und so glitt ich immer weiter rein. Eine Filmschule habe ich aber eben nie gemacht.

 

Was fasziniert dich am Film?

Ich finde es unglaublich, auf wie vielen Ebenen man arbeitet. Schreiben, Inszenieren, das Arbeiten mit verschiedensten Leuten, um dann eine quasi Realität herzustellen. Kein Film ist gleich, mit jedem Projekt kommt etwas Neues. Der Film ist ein Medium mit Resonanz, mit dem man eine Breite erreichen kann – das ist fantastisch.

 

Arbeitest du im Moment an einem neuen Projekt?

Zurzeit laufen die Vorbereitungen für die Verfilmung von Lukas Hartmanns Roman “Finsteres Glück”, ein reiner Spielfilm dieses Mal. Gleichzeitig bin ich auch an ein paar Doku-Projekten dran.

 

“Der Kreis” ist dein neuester Film, der momentan im Kino läuft. Wie bist du zu dem Projekt dazugestossen?

Vor über sieben Jahren haben mich die Produzenten Ivan Madeo und Urs Frey gefragt, ob ich das Buch und den Film, ausgehend vom bereits vorhandenen Treatment (ein Treatment ist eine Vorform des Drehbuchs, es beschreibt auf etwa zwanzig Seiten die Handlung des Films, Anm. d. Red.), machen möchte. Die Geschichte hat mich gepackt, und so habe ich zugesagt. Normalerweise geht der Regisseur ja zum Produzenten und präsentiert ein Projekt. Bei uns war es gerade umgekehrt.

 

Was war es, das dich beim Lesen des Treatments gepackt hat?

Die wahre Geschichte der beiden Zürcher Röbi und Ernst in einen Spielfilm zu packen, fand ich spannend. Zudem weist sie eine grosse Relevanz auf, und als Urzürcher gefiel mir die Idee, etwas ganz Neues im Eigenen zu finden.

 

Ursprünglich war “Der Kreis” als Spielfilm geplant, aus finanziellen Gründen kam es zu einem Mix aus Doku- und Spielfilm. Würdest du wieder diese Form wählen, auch wenn ein Spielfilm-Format finanziell drin liegen würde?

Ja, unbedingt. Als Doku-Fiction kommt die Geschichte brisanter und spannender rüber. Schon zur Zeit des Spielfilm-Projektes meinten einige Leute, dass sich der Stoff für eine Doku-Fiction eignen würde. Irgendwann war dieser Gedanke dann gar nicht mehr so abwegig.

 

“Der Kreis” feierte seine Uraufführung an der diesjährigen Berlinale – ein senkrechter Start. Wie überraschend war es für dich, dass der Kreis in Berlin gespielt wurde?

Zweifel gehören bei jedem Projekt dazu. “Der Kreis” ist mein zehnter Kinofilm, ich habe bereits Überraschungen in beide Richtungen erlebt. Die Hoffnung auf eine Annahme an der Berlinale war immer da, ich war mir der Schwierigkeit jedoch bewusst – umso mehr freut mich die Anerkennung. Dass “Der Kreis” besonders ist, habe ich insgeheim schon gespürt.

 

Die Homosexualität ist ein Hauptthema im Film. Inwiefern war es schwierig, ein zurzeit noch immer heikles Thema so zu inszenieren, dass sich ein breites Publikum dafür begeistern kann?

Es war eine Herausforderung, aber im guten Sinne. Ich wollte die Geschichte offen erzählen, aber nicht so, dass die Homosexuellen als ärmste Opfer der Gesellschaft dargestellt werden. So war es manchmal eine Gratwanderung; obwohl ehrlich erzählt wurde, sollten keine provokativen Brüskierungen anfallen. “Der Kreis” ist kein missionarischer Film, er spricht auch nicht nur die “Gay-Community” an. Im Fokus steht die Schwierigkeit einer Liebe, und dieses Thema ist universell.