Gesellschaft | 21.11.2014

Dreiunddreissigster Brief aus Deutschland

Peer und Philipp von Eine Zeitung sind bestens informiert über alle möglichen Gefahrenherde im Raum Schweiz. Sie wissen auch, wovor man sich in der Schweiz nicht fürchten muss und klären in ihrem dreiunddreissigsten Brief auf.
Die Brieftaube aus Deutschland hat sich vor ihrem Flug gegen Vogelgrippe impfen lassen.
Bild: Katharina Good

Guten Morgen, liebe Schweiz,

 

hier in Deutschland ist es mittlerweile wieder etwas dunkler geworden, während bei Ihnen gerade einmal die Menschen von ihren Weck-Hühnern wachgebrüllt werden. Und damit wären wir schon beim heutigen Thema: die vollkommen falschen Vorstellungen, die wir Nicht-Schweizer von ihrem Land haben.

 

Zum Beispiel: die Zeitverschiebung. Viele Deutsche wissen das gar nicht, dass die Schweiz mehrheitlich in derselben Zeitzone liegt wie Deutschland (sieht man einmal von den Schweizerischen Überseegebieten ab). Deswegen ist es gar nicht nötig, bei Grenzübertritt die Uhren umzustellen. Aber machen Sie das mal einem Randbewohner klar, der bspw. in Bottrop den ICE besteigt und nach sechs Stunden Fahrt in Basel ankommt!

 

Zum Beispiel: Reiseimpfungen. Es gibt noch immer Deutsche, die glauben, vor einer Reise in die Schweiz den Arzt konsultieren zu müssen und sich über etwaige Vorsorgeimpfungen zu informieren. Dazu muss man ganz klar sagen: wenn man sich auf den einschlägig bekannten Pfaden in der Schweiz bewegt, besteht kaum Gefahr, sich eine der tückischen Schweizer-Krankheiten einzufangen. Auf jeden Fall sollte man Vorsicht walten lassen, aber akute Lebensgefahr besteht eigentlich nur bei leichtsinnigem Verhalten. Kontakt mit Einheimischen sollte aber eher vermieden werden.

 

Zum Beispiel: Kriminalität. Die Schweiz ist nicht mehr oder minder gefährlich für Ausländer als andere Staaten. Dazu gibt es gar nicht viel mehr zu sagen; die Zahl ermordeter Touristen ist so gering wie seit Jahren nicht mehr. Natürlich muss man gerade in den Großstädten aufpassen, in der Regel ist man aber kein Opfer, weil einheimische Kriminelle wissen, dass gerade Deutsche eher arm sind verglichen mit den Inländern. Also auch hier: die Kirche im Dorf lassen, keine allzu große Panik aufkommen lassen und sich nach Einbruch der Dunkelheit im Hotel verstecken, niemanden reinlassen und unterm Bett nachschauen – einfache Tipps, die Leben retten können.

 

Zum Beispiel: Tierarten. Im Ausland, besonders in Schweden und Finnland, glauben viele, dass die Schweiz über ganz eigene Tierarten verfügen, die es nur in ihrem Land gibt. So sollen Gerüchten zufolge der Büffelbär, die Berner Rüslischnecke und der Humpeldumpf in der Schweiz beheimatet sein. Dass in der Schweiz tatsächlich dieselben Tiere leben wie im Rest Europas (bis auf die Spitzmaus, die bekanntlich 1799 aus der Schweiz vertrieben wurde) wissen nur die wenigsten.

 

Zum Beispiel: Gastfreundlichkeit. Viele Ausländer glauben, dass die Schweiz zu den arrogantesten und unfreundlichsten Ländern der Welt gehört. Und in diesem Punkt haben sie wohl auch recht. Das Auswärtige Amt in Berlin rät deswegen von Reisen ab.

 

Sie sehen, es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie andere Staaten das eigene Land betrachten. Wir kennen das nur zu gut. Wir hoffe, dass Sie daraus lernen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihre BRD