Gesellschaft | 27.10.2014

Vom Piratensender zum Marktführer

Text von Michael Küng | Bilder von Melanie Schmidt)
Radio 24 ist seit Frühling 2014 unter neuer journalistischer Führung. Der neue Programmleiter, Marc Jäggi, ermöglichte Tink einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen des Zürcher Privatradios.
Tink.ch begleitete für einen Tag den grössten Privatradiosender der Schweiz. (
Bild: Melanie Schmidt)

Das 1971 als Piratensender gegründete Radio 24 strahlte in den ersten Jahren illegal vom Pizzo Groppera in Italien aus. Vom Berg in der Provinz Como konnte mittels diversen Parabolspiegeln und dem damals stärksten UKW-Sender der Welt ideal in die Stadt Zürich gesendet werden. Der damit eigentlich illegale und umstrittene Sender Radio 24 wurde in dieser Zeit durch die italienischen Behörden auf Druck der Schweiz mehrmals geschlossen.

 

Die Polizisten wendeten jeweils Waffengewalt an, um die Macher am Senden zu hindern. Nach dem jahrelangen Rechtsstreit mit den schweizerischen und italienischen Behörden, und dem anschliessenden Erwerb der Radiokonzession Zürich, durfte Radio 24 ab 1983 aus Zürich senden.

 

Der Sender kam in den Folgejahren zur Ruhe, und etablierte wichtige Radiomarken wie die Discosendung “Friday Night” und die Morgensendung “Ufsteller” fest in den Hörgewohnheiten der Zürcher Bevölkerung. 2001 verkaufte der Gründer Roger Schawinski Radio 24 an die Tamedia AG. Diese wiederum verkaufte den Sender zehn Jahre später an Peter Wanner, Besitzer der AZ Medien, der den Sender über seine Radiomedien AG weiter betreibt.

 

Das erste Projekt, das unter Peter Wanner in Angriff genommen wurde, war der Umzug ins historische Löwenbräu-Areal im April 2013, in dem ein neues, modernes Studio eingerichtet wurde. In dieses wurde Tink.ch ein Einblick geboten.

 

Der Morgen

 

Der Betrieb bei Radio 24 beginnt schon um drei Uhr morgens: Der zuständige Morgenredaktor ordnet die möglichen Themen für die Nachrichten ein. Er ist als Erster anwesend, noch bevor der Moderator und seine Produzentin zur Arbeit kommen. Um 4:20 Uhr beginnt die Sitzung, bei der die vier Verantwortlichen die Themen besprechen. Um fünf Uhr geht Dominik Widmer, einer der drei Morgenmoderatoren, auf Sendung und stellt das automatisch eingestellte Musikprogramm ab, das über die Nacht für Unterhaltung sorgt und so den 24-Stunden-Betrieb garantiert.

 

Das alles erzählt uns Dominik Widmer kurz vor seinem Feierabend um 15 Uhr. Er sei wieder einmal viel zu lange hier geblieben, und müsse dringend schlafen. So ein Job gehe an die Substanz – man müsse aufpassen, dass die sozialen Kontakte nicht unter dem Schichtbetrieb leiden.

 

Die Arbeit auf der Redaktion

 

Die Redaktionssitzung, die wir begleiten dürfen, beginnt um 13:15 Uhr. Die gesamte Crew sitzt  am modernen Hochtisch in der Mitte des Grossraumbüros und bespricht die aktuellen Themen. Immer mit dabei ist per Telefon auch Bundeshausredaktor Matthias Bärlocher, der aus dem umgebauten Bundeshaus-Mediencenter Beiträge zur eidgenössischen und politischen Lage liefert.

 

Die verantwortliche Nachrichten-Redaktorin, die bis jetzt die stündlichen Nachrichten gelesen hat, kommt dazu und gibt einen kurzen Überblick über die relevanten Themen. Nach kurzer Besprechung – viel Zeit bleibt im hektischen Radioalltag nicht – entscheidet sich die Redaktion an diesem Tag für die aktuelle Steuerdebatte, die gerade aus zwei Blickwinkeln beleuchtet wird: Erstens wird die gesamtschweizerische Sicht aus Bern dargestellt, und aus Zürich geht man der Frage nach, was diese Steuerdebatte für den Kanton Zürich bedeutet. Zusätzlich hat der Kanton Zürich an diesem Tag seine Zahlen vom letzten Jahr, sowie das Budget für dieses Jahr erläutert. Auch dieses Thema wird bearbeitet.

 

Beitrags-Entstehung

 

Die Redaktion ist sich bewusst, dass die Themenwahl heute etwas eintönig und zahlenlastig ist. Man fühle sich der Stadt aber verbunden, solche Themen aufzugreifen, und kann nicht auf andere ausweichen, so der Tenor an der Sitzung. Die Beiträge entstehen anschliessend in rascher Folge. Eine Redaktorin ist jeweils gleich für zwei oder sogar drei Beiträge verantwortlich, erklärt Chefredaktorin Birgit Orgler. Mit einem modernen Programm ist es den Redaktoren sogar möglich, die Beiträge im Grossraumbüro zu schneiden, ohne, dass die Tonausschnitte  Umgebungslärm abbekommen und so unbrauchbar werden würden.

 

Die Textpassagen der Redaktorin werden im Studio zusammen mit den ebenfalls vorbereiteten Fragen des Moderators live über den Sender geschickt. Die Redaktorin spielt die dazugehörigen Tonausschnitte ab. Die Zeiten, bei denen ein ganzer Beitrag erst geschnitten und dann komplett vor Ausstrahlung vertont wurde, sind bei Radio 24 grösstenteils vorbei.

 

Interview mit dem Programmleiter

 

Der neue Radio 24-Programmleiter, der seit Mai 2014 in dieser Funktion für Radio 24 tätig ist, nimmt in unserem Audiopodcast Stellung zu den Herausforderungen mit dem Sender und berichtet von seinen langjährigen Radioerfahrungen. Jäggi war in den Vorjahren schon bei Radio 24 als Redaktor tätig, bevor er mit Radio 24-Gründer Roger Schawinski den neuen Sender Radio 1 aufbaute. Den Audiopodcast findet ihr bald auf Tink.ch.