Gesellschaft | 10.10.2014

Siebenundzwanzigster Brief aus Deutschland

Während wir uns in der Schweiz über die Abschaffung des Frühfranzösisch streiten, trauern unsere deutschen Kollegen von Eine Zeitung der verpassten Chance nach, bei uns richtig französisch zu lernen.
Hat sich der Schnabel der Brieftaube womöglich aufgrund der französischsprachigen Transportware derart verkrümmt?
Bild: Katharina Good

Bonjour Mesdames et Messieurs,

 

Voilà  le premier lettre de l’Allemagne en francais! Seulement pour vous! Nous avons lus ce qu’ un des langues officielles à  la Suisse est: la langue francaise! Oui, c’est vrai! Vous pouvez nous croire! Nous sommes parfait en francais, oui oui! C’ est vrai! Nous avons fait notre «Abitur» en francais, vous savez? C’était a l’école. Pas longtemps, non non.

 

Est’ ce que vous nous comprends? Où est’ ce qu’ on dit : «comprennez»? Vous savez ce que nous voulons dire? Ja, mit diesem lustigen kleinen Einstieg wollten wir ein ernstes Thema angehen: das deutsche Bildungssystem. Sie glauben ja niemals, dass wir beide, die Autoren dieses Briefes, die Schule mit einem Abitur abgeschlossen haben. Wir hatten Französisch als Prüfungsfach im Abitur, und nun sehen Sie sich bitte an, was daraus geworden ist (s.o.).

 

Für diese wenigen französischen Zeilen haben wir länger gebraucht, als für die letzten vier Schweizer Briefe zusammen. Und wir mussten auch noch 12 Mal das Wörterbuch zu Rate ziehen. Zudem bezweifeln wir stark, dass die Grammatik auch nur annähernd fehlerfrei ist.

 

Es ist wirklich deprimierend für jeden einigermaßen intelligenten Menschen auf der Welt, der sich nun mit uns intellektuell messen lassen muss. Dass wir an die Universität durften ist bei Licht betrachtet ein ungeheuerlicher Skandal. Mit unseren Leistungen wären wir in der Schweiz nicht einmal über die Landesgrenze gekommen. Und das Beste ist: wir dürfen trotzdem bei Ihnen leben und arbeiten! Ha!

 

Eigentlich müssten Sie an den Grenzen Bildungs- und Intelligenztests durchführen, damit Leute wie wir nicht ungehindert in Ihr Land kommen. Ganz anders bei Ihnen: Ihre Schulen sind die besten von ganz Europa, können sich sehen lassen und sehen nicht so heruntergekommen aus wie unsere.

 

Allerdings haben wir die schöneren Lehrer(innen). Als wir zur Schule gingen, war mindestens ein Schüler aus der Klasse in die Lehrerin verliebt. Weil sie unter 50 waren, keine Brillen trugen und vor allem, weil sie nicht so streng waren wie heute.

 

Aber genug davon. Nun zum eigentlichen Thema dieses Briefes: Hat die Schweiz eigentlich Weinberge? Ach, tatsächlich? Wirklich? Mist, dann haben wir schlecht recherchiert und eigentlich keinen Grund mehr, uns aufzuregen.

Das wäre uns mit einem besseren deutschen Bildungssystem gewiss nicht passiert!

 

In diesem Sinne.

Bis nächste Woche.

 

 

Herzlichst,

 

Ihr Deutschland