Gesellschaft | 23.10.2014

Einmal um die ganze Welt – mit dem Velo

Der Kasache Magzhan Sagimbayev hat vor vier Monaten sein Velo genommen und ist von zu Hause losgefahren. Der 26-jährige hat sich zum Ziel genommen, einmal um die ganze Welt zu reisen. Tink.ch hat ihn bei seiner Reise durch die Schweiz getroffen.
Magzhan ist stolz auf sein Heimatland. (
Bild: Benjamin Schlegel)

Warum hast du dich entschieden, mit dem Velo um die ganze Welt zu fahren?

Im letzten Jahr bin ich per Autostopp durch Kasachstan, Russland, Usbekistan, Georgien, Armenien, die Türkei, die Ukraine und Moldawien gereist. Diese vier Monate waren eine unglaubliche Zeit. Ich habe mir überlegt, was ich in diesem Jahr machen soll. Da man beim Reisen mit dem Auto zu wenig sieht und man in einem Tag zu Fuss nicht weit genug kommt, habe ich mich entschieden, mit dem Velo einmal um die ganze Welt zu fahren.

 

Was hast du vor deiner Reise in Kasachstan gemacht?

Ich hatte studiert und arbeitete zuletzt als Touristenführer. In unsere ehemalige Hauptstadt Almaty kommen viele Touristen. Ich zeigte ihnen die schönen Orte in der Region und führte sie auf die Berge.

 

Wie hoch ist dein Reisebudget?

Ich möchte nicht über das Geld sprechen, da es sonst Leute abschrecken könnte, etwas Ähnliches zu machen, da ihr Budget nicht so hoch ist. Ich kenne jedoch eine Person, welche mit gerade einmal 300 Franken während drei Jahren gereist ist. Das Budget spielt keine Rolle. Wenn man etwas im Leben will, sollte man es auch machen.

 

Was war bisher das eindrücklichste Reiseerlebnis?

Es gab viele tolle Erlebnisse. So habe ich etwa viel über den Iran gelesen. Nun war ich zum ersten Mal dort. Dieses Land ist unglaublich und die Leute sind sehr nett. Ich habe mich in dieses Land verliebt.

 

Hast du auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Nicht wirklich. In Usbekistan hat jemand aus einem Auto eine leere Flasche nach mir geworfen. Sonst habe ich vor allem positives erlebt. In der Wüste in Turkmenistan habe ich mein ganzes Wasser aufgebraucht. Ich zeigte einem vorbeifahrenden Lastwagen mit einer Geste, dass ich kein Wasser mehr habe. Nach zwanzig Metern warf er eine volle Flasche aus dem Fenster in meine Richtung. So unterschiedlich kann es sein, wenn jemand eine Flasche nach dir wirft. Das eine Mal ist es eine schlechte Erfahrung, das andere Mal eine sehr gute.

 

Wie verbringst du die Nächte?

Ich zelte oft in Wäldern. Manchmal lerne ich auf der Reise auch Leute kennen, die mich zu ihnen nach Hause einladen. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, übernachte ich auch in Hostels. Besonders in Westeuropa sind die Übernachtungen mit über 30 Franken pro Nacht sehr teuer. Da bin ich froh, wenn ich auf einem Sofa schlafen kann.

 

Nimmst du während deiner Reise Unterschiede war, beispielsweise bei der Gastfreundlichkeit?

Die Europäer haben eine andere Mentalität als die Asiaten. Gastfreundlich sind jedoch alle, da gibt es keine Unterschiede zwischen den Kulturen.

 

Was hat dir an der Stadt St. Gallen am besten gefallen? Was an der Schweiz im Allgemeinen?

Der St. Galler Dom war traumhaft. Diese Malereien sind sehr eindrucksvoll. Die ganze Landschaft ist ein Traum und alles ist so perfekt, die Strassen und Wege, einfach unglaublich. Super geschmeckt haben mir Zopf und Birchermüesli. Ich freue mich, mehr von der Schweiz zu sehen.

 

Gibt es auch etwas, das dir an der Schweiz weniger gefällt?

Es gibt zu viele Regeln. Etwa wenn man an einer Kreuzung bei einer roten Ampel warten muss, obwohl man fünf Kilometer rechts und links kein Auto sieht. Das ist allerdings in ganz Europa so.

 

Was sind deine nächsten Pläne auf deiner Reise?

Als nächstes werde ich nach Frankreich und Spanien fahren. Von dort werde ich nach Kolumbien fliegen, um über Ecuador und Peru nach Chile zu radeln. Nach Südamerika plane ich, Australien zu bereisen, um zum Schluss über Malaysia, Thailand, Kambodscha, Vietnam und China zurück nach Kasachstan zu gelangen.

 

Wie lange bist du noch unterwegs?

Ich werde vermutlich noch mindestens ein Jahr mit dem Velo unterwegs sein. Mein Ziel ist es nicht, möglichst schnell vorwärts zu kommen, sondern möglichst viele Leute aus unterschiedlichen Kulturen kennenzulernen und neue Freundschaften zu schliessen.

 

Hast du Pläne für die Zeit nach der Reise?

Ich habe keine konkreten Pläne, ich möchte aber im Tourismus arbeiten. Ich will den Leuten das schöne Kasachstan zeigen. Wir haben wunderschöne Berge wie die Alpen, über 7000 Meter hohe Bergspitzen, viele Seen, Wüsten und Canyons.