Gesellschaft | 04.10.2014

Ein Stückchen Schweiz im Herzen Münchens

Wer als Schweizer in München lebt und nicht auf die Lebensart der Eidgenossen verzichten will, sollte dem Schweizer Verein in München beitreten. Welche Bedeutung der Verein für die Schweizerinnen und Schweizer in der süddeutschen Stadt hat und weshalb sich eine Mitgliedschaft lohnt, erzählt dessen Präsidentin Adelheid Wälti im Interview mit Tink.ch.
Adelheid Wälti ist die erste Präsidentin der Schweizer Gesellschaft in München.

Wer fernab der Heimat das Schweizer Lebensgefühl vermisst, der findet sich früher oder später zwischen riesigen Pappeln, die die breite Leopoldstrasse säumen. Wir befinden uns inmitten des geschichtsträchtigen Stadtteils Schwabing der bayerischen Landeshauptstadt München. Hier, in Sichtweite zum Siegestor und der Münchner Freiheit, befindet sich das Haus des «Schweizer Vereins München e.V.« mit rund 450 Mitgliedern. Genauso geschichtsträchtig wie die Leopoldstrasse ist auch der Verein selbst: 1848 als «Schweizer Gesellschaft in München« von 24 Schweizern gegründet, trägt er seit 1940 den heutigen Namen. Allen voran waren es Künstler, die sich damals den heute noch gültigen Statuten verschrieben haben:

 

«In München anwesende Schweizer treten zu einer Gesellschaft zusammen,-¨ die den Zweck hat, schweizerischen Sinn und Geselligkeit zu pflegen, so wie hülfsbedürftige Landsleute zu unterstützen.«

 

Dank dem langjährigen, 2008 verstorbenen Präsidenten Tino Walz, kann der Verein die Hausnummer 33 seit über 50 Jahren sein Eigen nennen. Mittlerweile ist es Adelheid Wälti, die die Geschicke der Gesellschaft lenkt. Sie kann auf ein langes persönliches Engagement zurückblicken: Seit 28 Jahren Mitglied im Verein, seit 14 Jahren im Vorstand und seit nunmehr sechs Jahren die erste Präsidentin – und das alles ehrenamtlich neben ihrem Beruf.

 

Tink.ch: Frau Wälti, auf der Internetseite liest man, der Verein sei «ein Stück Heimat für alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger.« Wie erreichen Sie und Ihre Mitarbeiter dieses Ziel?

Adelheid Wälti: Das erreichen wir vor allem über die zahlreichen Aktivitäten, die wir unseren Mitgliedern anbieten: Dazu zählen die monatlichen Vereinsabende mit kulturellen und unterhaltsamen Beträgen. Wir laden Autoren, Schauspieler, Musiker und Personen aus der Wirtschaft ein – meistens aus der Schweiz oder mit Bezug zur Schweiz. Auch der 1. August wird entsprechend gefeiert und zweimal im Jahr gibt es ein grosses Raclette-Essen, zu dem über 100 Personen kommen.

 

Warum gibt es in München überhaupt einen Schweizer-Verein?

Als der Verein 1848 gegründet wurde, war er primär für hilfsbedürftige Schweizer gedacht, die nach München kamen. Unter den Gründungsmitgliedern waren viele namhafte Künstler aus der Schweiz. Den sozialen Aspekt des Vereins verdeutlicht auch der Name «Schweizerischer Unterstützungsverein«, den er zwischenzeitlich trug.

 

Sind die Schweizer schlecht in der deutschen Gesellschaft integriert, sodass sie diesen “Rückzugsort” benötigen?

Im Gegenteil, die Schweizerinnen und Schweizer sind bestens in der deutschen Gesellschaft integriert. Zudem gibt es viele Familien, die aus Deutschen und Schweizern – und oft Doppelbürgern – bestehen. Viele von ihnen leben schon seit Generationen in München und können so etwas Schweizerisches in unserem Verein erleben, wie beispielsweise den 1. August.

 

Hat der Verein spezielle «Zielgruppen«, für die er besonders attraktiv ist?

Wie in den meisten Vereinen sind die älteren Mitglieder in der Mehrzahl. Folglich sehen wir eine wichtige Aufgabe darin, diesen Menschen in allen Lebenslagen zur Seite zu stehen und bei Bedarf zu helfen. Familien mit Kindern sehen wir hauptsächlich am 1. August und bei der jährlichen Kinder-Weihnachtsfeier am 3. Advent bei uns im Saal.

 

Sind Schweizer Bürger und Bürgerinnen aller vier Landessprachen im Verein vertreten?

Wir haben in erster Linie Mitglieder aus der deutschsprachigen Schweiz – einige der Romands treffen sich im monatlich stattfindenden Cercle Romand. Es gibt einige wenige Personen aus dem Tessin bzw. aus Graubünden, für die wir bislang keine eigenen Programme anbieten. Am Nationalfeiertag hingegen singen wir auch Lieder in italienisch und rumantsch.

 

Nach Jubiläen, vor allem anlässlich der 160-jährigen Geschichte des Vereins, ist es auch immer Zeit, nach vorne zu schauen: Haben Sie als Präsidentin besondere Projekte, die Sie vorantreiben möchten?

Es ist mein besonderes Anliegen, das Haus, das uns als Erbe anvertraut wurde, pfleglich zu behandeln.. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass unsere Angebote und unser Auftreten nach aussen seriös und niveauvoll bleiben, was aber nicht heissen soll, dass wir keinen Humor haben. Anspruchsvolle Musik-Programme liegen mir persönlich sehr am Herzen, wie auch Beiträge über interessante Schweizer Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen. Darüber hinaus möchte ich, dass unser Verein noch mehr im sozialen Bereich leistet.

 


 

Wer neugierig geworden ist und noch mehr über den Schweizer Verein in München und dessen Aktivitäten erfahren möchte, kann sich genauer auf der Internetseite umsehen: www.schweizervereinmuenchen.de