Gesellschaft | 23.09.2014

Von Schönheits-OP und Mathegenies

Text von Lukas Blatter | Bilder von Lukas Blatter
Wir sind hässlich, dumm und langsam. Das zumindest behauptet Google. Doch wie viel Wahres steckt in diesen Angaben? Recherchen von tink.ch zeigen, dass nicht alles stimmt, was die Suchmaschine sagt.
Google scheint von Schweizerinnen und Schweizern nicht besonders viel zu halten.
Bild: Lukas Blatter

Google ist das Tor zur digitalen Welt. Wer heute nach etwas sucht, der googelt. Seit 2009 ist die Suchmaschine mit einer neuen Funktion ausgestattet, die Suchabfragen gleich bei der Eingabe mit passenden Begriffen ergänzt. Gibt man im Suchfeld etwa “Schweizer sind” ein, schlägt Google als Antwort vor, wir seien hässlich, dumm und langsam.

 

Laut der Suchmaschine stammen die Ergebnisse der automatischen Vervollständigung “aus den Suchaktivitäten der Google-Nutzer und aus dem Inhalt der von Google indexierten Webseiten”. Google lässt damit also jene zu Worte kommen, die schamlos über andere Länder herziehen. Die Suchmaschine macht dies zwar auch bei allen anderen Suchabfragen automatisch. In diesem Artikel beschränken wir uns jedoch auf das eben genannte Beispiel.

 

Schweizer sind hässlich

Laut Google sollen Schweizerinnen und Schweizer ein gebrochenes Verhältnis zu ihrer Schönheit haben. In der Tat scheint an dieser Behauptung etwas dran zu sein, denn nirgendwo sonst in der Welt eifern mehr Menschen einem unerreichbaren Schönheitsideal hinterher. Laut “Acredis” unterzogen sich 2011 im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in keinem anderen Land so viele Menschen einer Schönheitsoperation wie in der Schweiz.

 

Auf zehntausend Einwohnerinnen und Einwohnern kommen hierzulande 59 verzweifelte Seelen, die keinen anderen Ausweg als eine Schönheitsoperationen kennen. Selbst in den USA greifen nur 35 von zehntausend Menschen zum letzten Mittel. Auf der Rangliste teilen sich Griechenland und Südkorea mit rund 53 Eingriffen den zweiten Platz.

 

Eine weitere Schmach ist eine Internet-Umfrage der Reisewebsite zoover.ch. Über 8000 Frauen wurden zur Attraktivität von europäischen Männern befragt, wobei gerade mal 5,4 Prozent die schönsten Männer in der Schweiz verorteten. Am besten schnitten die Italiener ab. Doch deswegen legen sich längst nicht alle Männer auf den Operationstisch. Nur 19 Prozent der Patienten von Schönheitsoperationen in der Schweiz sind Männer.

 

Schweizer sind dumm

Schweizerinnen und Schweizer sollen nicht nur hässlich sein. Glaubt man der Suchmaschine, sind wir auch dumm. Die Ergebnisse der PISA-Studien, die alle 3 Jahre erhoben werden, lassen uns hingegen eher wie blitzgescheite Menschen aussehen: Bei der letzten Befragung 2012 gehörten wir im Bereich Mathematik zu den besten Ländern in Europa. Auch in den anderen Bereichen liefen wir vielen anderen Staaten den Rang ab.

 

Schweizer sind langsam

Auf Online-Foren werden Schweizerinnen und Schweizer allzu oft als langsam betitelt. Den Ursprung mag das Klischee wohl teils auch in der schweizerischen Politik haben.

 

Können in anderen Ländern Regierungen mit der Einwilligung des Parlamentes rasche Entscheide fällen, bedarf es in der Schweiz der Zustimmung der Bevölkerung. Und die lässt oft auf sich warten. Vernehmlassungen, Referenden und die Möglichkeit, Beschwerden einzureichen, garantieren, dass Schweizerinnen und Schweizer eine Politikverdrossenheit entwickeln.

 

Schliesslich war die Schweiz auch eines der letzten westlichen Länder, die das Frauenstimmrecht einführten. Erst 1971 fand das Anliegen hierzulande eine Mehrheit an der Urne. Nur Portugal (1976) und Liechtenstein (1984) zogen später nach. Doch auch die schleppende Umsetzung von aktuellen Initiativen wie der Ausschaffungsinitiative der SVP zeigen, wie schwerfällig unser System im Vergleich mit anderen Ländern funktioniert.

 

Im Internet hingegen schnell

Schnell sind wird hingegen im Internet unterwegs, zumindest könnten wir das laut einer Auswertungen von “Statista” sein. Ein Vergleich der Verbindungsgeschwindigkeiten mit anderen Ländern zeigt, dass wir hinter Südkorea und Japan am flottesten durch das World Wide Web surfen könnten.

 

Ein kleiner Trost zum Schluss. Auch bei Suchabfragen zu anderen Ländern findet Google keine netten Worte: Die Deutschen seien geizig und arrogant, Franzosen seien unfreundlich und könnten nicht am Computer zocken und Amerikaner seien dumm und oberflächlich. Praktisch jedem Land lastet die Suchmaschine etwas an. Sorgen um den Ruf der Schweiz brauchen wir uns also nicht zu machen.