Gesellschaft | 12.09.2014

Vierundzwanzigster Brief aus Deutschland

Ein kleines Land wie die Schweiz sollte eigentlich nicht genügend Angriffsfläche bieten, dass man 24 Briefe mit Feindseligkeiten füllen könnte. Eigentlich. Aufgrund dieser Erkenntnis schwelgen Peer und Philipp von Eine Zeitung andächtig in Erinnerungen und ermahnen uns väterlich, öfters an die eigentlich wichtigen Dinge im Leben zu denken.
Die deutsche Friedenstaube hilft Eine Zeitung des Öfteren auch beim Verfassen der Briefe.
Bild: Katharina Good

Sehr schön, Peer! Das kann man doch so abschicken, oder? Die Schweizer lesen ja eh alles. Selten so einfach Geld verdient, haha!

Ich hab’s nochmal hier und da ein wenig korrigiert. Wenn du auch noch was findest, kannst du ja auch nochmal drübergehen. Ansonsten würde ich sagen, weg damit. Und das Ende ist doch völlig ok. Kann man so machen. Oh, was?! Wir sind schon auf tink.ch? Gott, wie peinlich.

Ähem! *hust*:

 

Hallo liebe Schweizer,

 

wir haben uns mal Ihr Land genauer angesehen und erstaunliche Dinge festgestellt. Erstens sieht die Schweiz von oben aus wie ein unförmiger Klecks. Ein bisschen wie ein Fettklumpen, der nach unten hin etwas verläuft. Von der Seite aus betrachtet sieht das Land noch lustiger aus, aber das kann man schlecht beschreiben. Muss man gesehen haben. Sie wissen ja sicher, was wir meinen – Stichwort “Minarette”.

 

Wir haben zudem gelesen, dass es einen Wikipedia-Eintrag über die Schweiz geben soll, was ja schon mal für eine gewisse Relevanz spricht. Vielleicht schauen wir uns den Artikel beizeiten mal an.

 

Und jetzt wird es richtig spannend!

 

Wussten Sie z.B., dass wir Deutschen sehr viel Wert auf das “ß” legen? Wir – halt, Moment, das schrieben wir Ihnen ja bereits in unserem achten Brief.

Aber Sie werden staunen, was wir herausgefunden haben: Die Schweiz hat im Gegensatz zu vielen anderen großen Staaten keinen Meeranschluss. Während der Deutsche einfach – was? Oh, auch das haben wir bereits thematisiert. Im 13. Brief an die Schweiz.

Na gut, wie wäre es dann mit einer Schweigeminute? Fangen wir an – Bitte?

Letzte Woche erst?

 

Verdammt!

 

Wissen Sie, es ist gar nicht so einfach, über einen so langen Zeitraum jede Woche neue Dinge über die Schweiz zu schreiben. Klar, Ihr Land bietet wahrlich viel Potenzial und es gibt noch so einiges, das Sie lernen können, um in der Welt das Ansehen zu bekommen, dass Deutschland seit Jahren genießt. Aber es fällt zunehmend schwerer, ein Thema zu finden, mit dem wir einen ganzen Brief füllen können. Und wir wollen ja auch nicht irgendwelche niveaulosen Gags über die Fettklumpen-ähnliche Form der Schweiz auf Landkarten oder dergleichen machen. Glauben Sie uns, so viel Anstand besitzen wir auch noch.

 

Was wir aber echt nicht verstehen: lassen Sie doch einfach mal Geri Müller in Ruhe. Wirklich. Soweit wir wissen, hat er niemanden verletzt oder fuhr betrunken mit der Tram. Sie sollten froh sein, dass es noch Menschliches in der Bundespolitik gibt. Wir hatten in Deutschland auch mal einen Sex-Skandal. Aber wir können uns nicht mehr dran erinnern, muss gestern oder vorgestern gewesen sein. Heute kämpfen wir Deutschen gegen den ISIS.

Und Sie so?

 

Friedliche Grüße,

 

 

Ihr Deutschland