Kultur | 27.09.2014

Solistenträume à  la Vivaldi

Text von Louisa Merten | Bilder von Louisa Merten
Vivaldi war einer der berühmtesten Musiker und Komponisten überhaupt. Er spielte für den Papst, leitete Orchester und gab Cello- und Violinenunterricht. Emilie Merten ist ein neunjähriges Mädchen, das leidenschaftlich Geige spielt und von der Musik des alten Meisters angetan ist. Wie Vivadi will sie später komponieren und als Konzertsolistin spielen.
Wenn eine Neunjährige bereits von "Berufsgeheimnissen" spricht, hat sie noch einiges vor.
Bild: Louisa Merten

Emilies Vorliebe für den klassischen Musiker beginnt vor einem Jahr an einer Schüleraufführung und mit dem “Konzert in G-Dur”. Emilie verliebte sich sofort in die Musik und begann weiter nach Vivaldi und seinen Stücken zu forschen. “Ich mag seinen Stil”, erklärt die Neunjährige. Vivaldis schnelle Rhythmen passen auch zu ihrem quirligen Temperament. Eines Tages möchte sie ein Stück im Stile des italienischen Musikers komponieren, eins das genauso berühmt wird wie seine Konzerte. Was Vivaldis Kompositionen und Techniken anbelangt, möchte die Neunjährige einmal genauso werden wie der Violinen – Wunderknabe, der seinen Vater schon als Kind im Orchester vertrat.

Vivaldis Leben? Nein, danke!

Obwohl Emilie in einem Orchester spielt, Vivaldis Leben würde sie trotzdem nicht gegen ihres Tauschen: “Sein Leben war viel zu traurig. Vivaldi war berühmt, aber gegen das Ende seines Lebens änderte sich der zeitgenössische Musikgeschmack. Dadurch erhielten seine Kompositonen kaum mehr Aufmerksamkeit und er starb einsam”, bedauert Emilie.

Auch die grössere Auswahl an Musikrichtungen, die es in der heutigen Zeit gibt, hält die Viertklässlerin davon ab, exakt dasselbe zu tun wie Vivaldi damals. Die Vorstellung, Vivaldis Barock mit dem heutigen Rock zu verbinden, sei auch irgendwie abwegig. “Das gäbe Katzenmusik!”, lacht Emilie.

Auf jeden Fall möchte sie Solistin werden und ihren Lebensunterhalt mit der Geige verdienen. “Dafür übe ich jetzt schon zwei Stunden täglich”, erzählt Emilie nicht ohne Stolz.

Berufsgeheimnis

Ein kleines Konzert gibt sie heute schon. Sie bindet sich die braunen Haare zusammen und holt die Geige aus einem mit blauem Samt ausgeschlagenen Koffer. Danach montiert sie etwas, das unter Geigenspielern “Schulterstütze” genannt wird. Sie setzt die Geige an. Was spielt sie? Vivaldi natürlich. Diesmal das “Konzert in A-Moll”. Es ist ein schnelles Stück und Emilies Finger rasen über das blanke, schwarze Griffbrett. Sie trifft jeden Ton. Wie sie das anstellt, behält sie aber vorsorglich für sich: “Berufsgeheimnis”, grinst Emilie. Mit feierlichen Tönen endet das Stück.

Und wer weiss: Vielleicht werden aus den kleinen Konzerten, die Emilie zurzeit im Orchester und am Strassenrand gibt, tatsächlich einmal grosse Auftritte vor hunderten von Zuschauern.

*Was ist eine Portraitception?

Die Portraitception ist eine von Tink.ch erfundene journalistische Darstellungsform, die eine Person portraitiert, um mehr über ihr Vorbild zu erfahren. Dadurch entstehen zwei Portrait in einem. Die Idee wurde erstmals in der Redaktion Bern von Reporter Rade Jevdenic zur Diskussion gebracht.