Sport | 29.09.2014

“Schach ist ja auch eine Sportart”

Text von Annina Häusli | Bilder von Gian-Luca Frei
Am "Burgdorfer Schlosscup" wurde während zwei Tagen gekämpft, geschwitzt und gelitten. Über hundert Spieler aus der ganzen Schweiz haben den Weg ans Tischtennis-Traditionsturnier gefunden. Dass Tischtennis mehr als nur "Ping-Pong" ist, wird schon beim Zuschauen schnell klar.
Leandro Schafer am Ausüben seiner Kunst beim "Burgdorfer Schlosscup".
Bild: Gian-Luca Frei

Ununterbrochen hört man das typische “ping-pong”-Geräusch, ab und zu geht ein erleichterter oder frustrierter Aufschrei durch die Halle. An 24 Tischen wird dem Zuschauer am Burgdorfer Schlosscup Tischtennis auf hohem Niveau geboten.

 

Ob auf dem Pausenplatz oder beim Camping in den Sommerferien: Fast jeder hat schon mindestens einmal Tischtennis gespielt. Viele nennen es der Einfachheit halber “Ping-Pong” und glauben nicht, dass Tischtennis eine richtige Sportart ist, da man gar nicht schwitze, und nur am Tisch stehe und den Ball hin und her spiele. Konfrontiert man einen Tischtennisspieler mit diesen Vorurteilen, erntet man nur ein müdes Lächeln. “Wenn Schach eine Sportart ist, dann ist Tischtennis ganz sicher auch eine”, sagt Simon Ebneter,  ein Spieler des Tischtennisclubs Burgdorf.

 

Immerhin ist Tischtennis seit 1988 eine olympische Sportart, ganz im Gegensatz zu Schach.

 

Ein Sport auch für Rollstuhlfahrer

“Tischtennis ist ein Sport für alle”, sagt Christoph Läng, der seit über 30 Jahren aktiv im Verein spielt. Tatsächlich kann wirklich jeder Tischtennis ausüben. Es gibt spezielle Turniere für Senioren und Nachwuchs-Spieler. Auch Rollstuhlfahrer kann man an Turnieren antreffen.

 

Mit der richtigen Art der Ausübung kann jeder Spieler wirklich gut werden. Viele Hobbyspieler belächeln den Sport dennoch, weil sie noch nie ein Spiel einer Weltmeisterschaft oder Olympiade gesehen haben. “In der Badi werde natürlich auf anderem Niveau gespielt als an einem Turnier”, meint einer der Turnier-Teilnehmer.

 

Am Schlosscup sind nur wenige Zuschauer anzutreffen, die meisten von ihnen Eltern, Coaches oder ehemalige Spieler. Tischtennis fristet in der Schweiz nur ein Randdasein, im Gegensatz zu anderen Ländern wie China oder Japan. Generell in Asien ist Tischtennis ein Volkssport. Kindern werden, sobald sie am Tisch stehen können, Ball und Schläger in die Hand gedrückt und zum Erfolg gedrillt. Acht Spieler der aktuellen Top Ten sind deshalb auch Asiaten. Der Niveauunterschied zwischen der Schweiz und China ist ähnlich dem zwischen Badi-Pingpong und der Schweizer Nationalliga: riesig.

 

Schnellste Rückschlagsportart der Welt

Dass Tischtennis durchaus auch anstrengend sein kann, erkennt man am Schlosscup schnell. Wenn ein Spiel über die Maximaldistanz von fünf Sätzen geht, dann läuft dem Spieler schon mal der Schweiss von der Stirn. Auch mental muss der Spieler extrem stark sein und darf sich nicht vom Gegner oder den Zuschauern ablenken lassen. Wenn einem nur noch ein einziger Punkt zum Match-Gewinn fehlt, ist es oft schwierig, genau so ruhig und konzentriert weiterzuspielen wie zuvor.

 

Tischtennis erfordert ausserdem eine extrem schnelle Reaktionszeit, nicht umsonst gilt es als schnellste Rückschlagsportart der Welt. Pro Schlag bleiben dem Spiele unter Umständen nur wenige Zehntelsekunden zur Reaktion. In dieser kurzen Zeit muss der Spieler die Rotation und Richtung des Balles richtig einschätzen und dementsprechend reagieren. “Tischtennis ist Kunst”, sagen deshalb auch viele Spieler über ihre Sportart.

 

Neben viel Übung  und körperlicher Fitness wird beim Tischtennis also auch mentale Stärke benötigt. Damit kann das Vorurteil «Tischtennis ist kein Sport« ein für alle Mal entkräftet werden.