Gesellschaft | 02.09.2014

Reichtum, Macht und Sex

Text von Linda Schweizer | Bilder von Silas Bitterli
Es gibt eine Sparte Männer, auf die könnte man in gewisser Weise verzichten. Was sich jetzt böse anhört, ist auch ein bisschen so gemeint.
Junge Frauen lassen sich von Geld und Macht verführen.
Bild: Silas Bitterli

Geld, Macht und ein bisschen Sex – das sind die drei Dinge, die unsere Gesellschaft beschäftigen. Man will alles, man will immer mehr und man will dabei nicht auf Geselligkeit verzichten. So könnte man einem Ausserirdischen kurz und knapp erläutern, worauf sich das dringlichste Gesellschaftsproblem beläuft, mit dem die Menschheit zu kämpfen hat. Es wäre jetzt bestimmt angebracht, Lösungsansätze dafür aufzulisten.

 

Aber darauf will ich hier und jetzt nicht hinaus. Gehen wir lieber noch einen Schritt weiter und blicken etwas tiefer hinter die Fassade der Menschen, deren Gedanken stets um die drei oben genannten Begriffe kreisen – und somit soll auch zugleich klargestellt werden, dass sich nicht alle angesprochen fühlen müssen. Heute soll es ja eben um die Sparte Männer gehen, worauf die Welt verzichten könnte.

 

Geld und Macht sind geil

Nehmen wir den jüngsten Fall der Schweizer Geschichte – Nacktselfie-Nationalrat Geri Müller, 53, der einen Sex-Chat mit einer 20 Jahre jüngeren Frau führte. Seine Motive und Gedanken einmal weggelassen – warum tut das eine junge Frau? Was findet sie an einem Mann, der theoretisch ihr Vater sein könnte? Klar, wir kennen die altbekannte Leier zur “Suche nach väterlicher Zuneigung”.

 

Zürcher Millionärsgattin Irina Beller meint: “Jeder mächtige und erfolgreiche Mann ist sexy. Alter und Frisur sind egal.” – Gerade sie muss es ja wissen. Aber ganz im Ernst: Sexy? Dieses Motiv trifft wohl auf die wenigsten jungen Frauen zu. Lieber sollte ehrlich gesagt werden, was gedacht wird: Geld und Macht sind für viele nämlich nicht sexy, sondern geil. Mit Geld lassen sich teure Designerkleider kaufen, tolle Luxusferien verbringen und jeden Abend Restaurantbesuche tätigen. Und Macht, die kann ja sowieso nie schaden.

 

Das Ego wächst und wächst

Genau durch solche junge Frauen, die von Ruhm und Macht verführt werden, entsteht diese riesige Wolke rund um Männer, die die 60 ansteuern – sie werden in den Himmel hinauf befördert und geniessen ihren Macht-Status. Ganz klar, dass sie darauf dann nicht mehr verzichten wollen. Hierbei wird klar, dass Macht ganz klar als wichtigstes Attribut neben Geld und Sex hervorgeht. Diese Form von Männermacht treibt deren Ego an, und so stolzieren einige von ihnen durch die Welt, als würde sie ihnen gehören.

 

Da ist der Chef, der seiner Praktikantin nichts zutraut, und jede Idee mit vernichtenden Worten begräbt. Da ist der Lehrer, der seiner Schülerin nicht Recht geben kann, obwohl sie es verdient hätte. Und da ist eben der bald sechzigjährige Grossvater, der seine junge Geliebte durch Geld und Ruhm angelockt hat. Und Letztere lässt sich anlocken, lässt sich von Banknoten und Kreditkarten verführen. Bezahlen tut sie dafür natürlich mit ihrem Körper.

 

Berühmte Vorbilder

Es scheint, Sex sei mittlerweile zu einem offiziellen Zahlungsmittel geworden. Und damit ist nicht die Prostitution gemeint. Viele junge Frauen haben entdeckt, dass sie mit Sex – und das kann jede von ihnen ganz einfach anbieten – zu sehr viel mehr kommt als ohne. Körper hergeben für ein bisschen Luxusfeeling und eine Tasche von Gucci; dieses Verhalten ist im Grunde ja nichts Neues.

 

Männer haben schon vor hunderten von Jahren angefangen, mit ihrer Macht ihr Aussehen zu kompensieren, um eine Frau rumzukriegen – nicht selten mit Erfolg. Man nehme Kleopatra, die wohl eher der Macht von Julius Cäsar verfallen war als seinem Aussehen, Anne Boleyn, die ihren Henry VIII. heiratete, obwohl der ja offensichtlich kein Beau war, oder – ganz aktuell – Carla Bruni, die Frankreichs Ex-Präsidenten Nicholas Sarkozy immer treu zur Seite steht. Man kann also nicht von einem Trend sprechen, der sich hier entwickelt, aber: Es werden immer mehr Frauen, die darauf abfahren.

 

Bleibt nur ein Letztes zu sagen: Wofür sind in der Geschichte massenweise Frauen auf die Strasse gegangen, um für Gleichberechtigung und gleiche Rechte zu kämpfen, wenn jetzt eine scheinbar genau so grosse Masse an Frauen freiwillig auf Gleichstellung verzichtet? Nennt mich keine Feministin, denn das bin ich nicht, aber wo soll das Verhalten der jungen Frauen hinführen, die Sex mit Geld und Macht gleichstellen?