Gesellschaft | 15.09.2014

“Guten Morgen, Kollege Hund!”

Text von Nicole Rettenmund | Bilder von Silas Bitterli
Wer kennt ihn nicht, den teils langweiligen Büroalltag. Die apathischen Gesichtsausdrücke der Arbeitskollegen am Freitagmorgen oder den letzten und zeitaufwändigsten Auftrag kurz vor Feierabend. Dabei braucht es gar nicht viel, um die Atmosphäre im Büro ein aufzupeppen: Schaff dir einen Bürohund an!
Störenfriede? Im Gegenteil!
Bild: Silas Bitterli

Halb acht Uhr morgens. Ankunft im Büro nach gefühlten vier Stunden Staufahren auf der A1. Einen feuerheissen Kaffeebecher in der einen, Büroschlüssel und Handy in der anderen Hand. Der Computer startet und die ersten Mails landen in der Mailbox. Hie und da einen verschlafenen, unmotivierten Blick von der Bürogenossin auffangend, beginnt der Tag nicht gerade vielversprechend.

 

Allmorgendliches Gehechel

Die Tür schwingt auf und da ist es auch schon, das allmorgendliche Gehechel und die tippenden Geräusche von Pfötchen auf dem Parkett, welche die noch meditative Stille im Büro durchbrechen. Die Hundedame Lilli rennt ihrer Besitzerin voraus und begrüsst jeden einzelnen Mitarbeiter. Sie schlabbert ein bisschen, lässt sich kraulen, bekommt hier und da ein Leckerli und kehrt dann nach der erfolgreichen Begrüssungstour zu ihrem Thron, dem Hundekörbchen, zurück.

 

Der Chef betritt das Büro und wirft ein kräftiges “Guten Morgen allerseits” in die Runde, die morgendliche Besprechung steht an. Anstatt der Sitzung folgt: “Lilli! Na du? Komm doch mal zu mir!”. Die Hündin rennt und schlittert in Richtung des Vorgesetzten, dessen Augen beinahe derart leuchten wie die der Vierbeinerin selbst. Er ist ihr Liebling. “Ja so ist’s fein. Ein braves Möpschen bist du!”, der Hund wälzt sich unter den Streicheleinheiten wild auf dem Boden hin und her. Ein angenehmes Bild für die Angestellten, denn der Chef wirkt mit seiner kindlichen Freude irgendwie nahbar, gütevoll und bodenständig.

 

Entspannung und Knuddelfaktor

Die Wirkung eines Vierbeiners im Büroalltag wird oft unterschätzt. Die Laune eines jeden Morgenmuffels gibt dem Knuddelfaktor des Mopses nach und verbessert sich schlagartig. Ein Bürohund ist eine Bereicherung, da sind sich sogar Wissenschaftler einig. Streichelt man das Tier, so wird der eigene Blutdruck gesenkt, Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden können gelindert werden.

 

Wer noch nie an einem Arbeitsplatz mit tierischer Unterstützung gearbeitet hat, ist zunächst meist skeptisch. Der Hund stört doch bestimmt, bellt, sabbert, haart und stinkt womöglich noch dazu. Igitt!

Die Realität dazu sieht aber vielmehr so aus, dass ein Bürohund einen Grossteil seiner Arbeitszeit schlafend – und im Falle eines Mopses auch schnarchend – verbringt. Tatsächlich kann auch ein gut gepflegter Hund nach dem Mittags-Gassigehen bei strömendem Regen etwas riechen. Dagegen einfach ein Tuch schnappen und das “Schweinchen” einmal kräftig trockenrubbeln. Voilà  und weg ist der Gestank.

 

Dramatische Hundeprobleme

Obwohl Tiere das Gefühl von Stress am Arbeitsplatz reduzieren, sind sie manchmal Zeitdiebe, ohne dass irgendwer etwas davon merkt. Sei es das neue Halsband, eine spektakuläre Zeckenentfernung am Augenlid mit der ganzen Abteilung als Publikum, einen Hexenschuss – und ja, auch bei Hunden schießt die Hexe manchmal in den Rücken. Oder Lappalien wie Erbrechen bei zu hastigem Hinterschlingen des Hundestängels, der Vierbeiner bietet immer Gesprächsstoff für jedermann und -frau.

 

Bei Themen wie Ernährung und Diät scheiden sich oftmals die Geister von “Na, du bist aber dick geworden, heute gibt es aber kein Leckerli” zu “Abgemagert siehst du aus, komm mal mit mir, ich hab’ dir was Leckeres.” So besteht die größte Herausforderung für das Herrchen am Arbeitsplatz meist darin, die Kontrolle darüber zu haben, von wem der Hund stetig gefüttert wird und darauf zu achten, dass er in den nächsten Wochen nicht im Büro herumrollt. Mitarbeitende meinen es einfach zu gut mit Hunden.

 

Tierische Stressreduktion

Hunde im Büro sind nicht nur treue Begleiter durch den grauen Alltag, sondern auch richtige Leidensgenossen. Demotiviert am Montagmorgen? Nun, der Hund musste ja auch aufstehen. Gefühlte 40 Grad während des Hochsommers im Büro? Der Hund kann nicht mal schwitzen.

Bei Stress sind Bürotiere Balsam für die Seele. In hektischen Momenten reicht ein treudoofer Hundeblick, um die Situation zu beruhigen. Man schaut auf den Hund hinunter, der Hund schaut zu einem hinauf, stellt den Kopf schief und hechelt. Pure Magie.

Bitten Sie doch Ihre Arbeitskollegen deren gut erzogene Hunde für einen Tag Büroluft schnuppern zu lassen (aber nicht alle Hunde auf einmal). Versuchen Sie es. Sie werden produktiver und motivierter sein wie nie zuvor.