Kultur | 24.09.2014

Erlöse uns von dem Bösen

2011 wurde John Michael McDonaghs Spielfilmdebüt "The Guard" zum erfolgreichsten irischen Kinofilm aller Zeiten. Nun kommt sein zweiter Film "Calvary" in die Kinos, wieder spielt Brendan Gleeson die Hauptrolle und wieder ist es eine rabenschwarze Komödie.
Priester Lavelle (Gleeson) am Strand von Sligo.
Bild: zVg/ASCOT ELITE Entertainment Group

Zu Lachen hat der Dorfpriester James Lavelle (Gleeson) aber nicht viel. Während der Beichte erzählt ihm eines seiner Schäfchen, dass er früher von einem katholischen Priester jahrelang missbraucht wurde. Der Beichtende möchte sich aber nicht an dem schuldigen Priester rächen, der ist schliesslich seit Jahren tot. Ausserdem wäre es kein Schock, wenn ein Missbrauchsopfer den Täter umbringen würde. Aufsehen erregen würde nur der Mord an einem guten und unschuldigen Priester. Und deshalb droht der Unbekannte damit Priester Lavelle am nächsten Sonntag für die Sünden eines anderen umzubringen.

 

Lavelle scheint zu Beginn nicht sonderlich verängstigt zu sein. Er redet mit seinem Bischof darüber, will sich aber nicht bei der Polizei melden, weil er das Beichtgeheimnis nicht verletzen möchte. Und so verbringt er seine angedroht letzte Woche, wie er jede Woche verbringen würde.

 

Eine schwarze Komödie?

Die Unterschiede zwischen The Guard und Calvary sind leicht zu erkennen. The Guard war eine überspitzte, politisch höchst inkorrekte, schwarze Komödie. Calvary hat all diese Aspekte, spielt aber auf einer viel ernsteren und dramatischeren Ebene. Das geht so weit, dass der Film kaum als “schwarze Komödie” bezeichnet werden kann.  Schon in den ersten zwei Minuten des Films wird klar, dass es hier etwas ernster zugehen wird. Nebst dem sexuellen Missbrauch lässt einem auch das Geständnis eines Frauenmörders das Lachen im Halse stecken bleiben.

 

Ambivalente Hauptfigur

Das Bedrückende an dem Film ist, dass seine Hautfigur unschuldig bedroht und angefeindet wird. Das ganze Dorf kritisiert den Priester für Dinge, die in der katholischen Kirche passiert sind, mit denen Lavelle nichts zu tun hat. Zwar wissen die anderen Dorfbewohner nichts von der Morddrohung, aber die allgemeine Stimmung gegen die Kirche und den Priester ist durch und durch negativ. Berechtigte Kritik wird nicht sachlich geäussert, sondern durch Pöbeleien und Beleidigungen zum Ausdruck gebracht.

 

Regisseur und Drehbuchautor McDonagh macht aus seiner Hauptfigur keinen Heiligen. Lavelle ist ein trockener Alkoholiker, kann sich in bestimmten Situationen Schimpfwörter nicht verkneifen und verliert ab und zu die Geduld. Die Idee zum Film kam McDonagh während den Dreharbeiten von The Guard. Dazu sagte er: “Ich will immer alles anders machen, als die grosse Mehrheit. Weil ich wusste, dass damals viele Drehbücher über Kirche und Missbrauch geschrieben wurden, wollte ich umso mehr die Geschichte eines guten und schuldlosen Priester erzählen.”

 

Ab nach Irland

Der Film ist nicht perfekt, an einigen Stellen zu langatmig und ab und zu passen die Ernsthaftigkeit und Absurdität nicht zueinander. Wett gemacht wird dies aber mit einem Brendan Gleeson (The Guard, Harry Potter, In Bruges) in Höchstform, einer kontroversen Drehbuchidee und wunderbaren Bildern. Die kleine irische Grafschaft Sligo wird trotz ständigem Wind, bewölktem Himmel und kaum Sonnenschein wunderschön in Szene gesetzt. So schön, dass man nach dem Kinobesuch eine Reise nach Irland planen möchte. Egal, was einem da alles passieren mag.