Kultur | 16.09.2014

Einsame Herzen

Text von Sofiya Miroshnyk | Bilder von Ice Graf)
Die Truppe "just a moment" besteht aus 16 Menschen mit geistiger Behinderung. Das Tojo Theater in Bern diente als Lokal für ihr Theaterstück "coeurs solitaires - einsame Herzen.»
Die 16-köpfige Theatertruppe "just a moment" in Aktion im Berner Tojo Theater. (
Bild: Ice Graf)

Das Stück beginnt mit viel Tanz und Techno. In der nachfolgenden Zeit werden die Töne jedoch ruhiger, ja gar besänftigend. Eine anfangs etwas schiefe weibliche Stimme wird von einer rauen, melancholischen Männerstimme begleitet. Nacheinander kommen Frauen und Männer ins Spiel, wobei sie sich selbst im Spiegel betrachten. Schöne, glänzende Röcke und schnittige Anzüge scheinen den Liebessuchenden Vertrauen in sich selbst zu schenken.

 

Madame Odett und Moderator Pascal versuchen die glitzernden Herzen nach Spielplan, mit Hilfe von Vertrauensspielen, zusammenzubringen. Einmal flüstern sich die Spieler gegenseitig ihre Namen ins Ohr, ein anderes Mal umarmen sie sich innig. Doch die Liebe und die Herzen sind schwer zu bändigen. Unanständig unterbrechen sie abwechslungsweise das Spiel. Der betrunkene Fritz, unbezahlte Rechnungen – und plötzlich ist die Liebe dem Zeitplan voraus. Aus gegenseitigem Bemustern und Beschnuppern ist eine Liebe erwachsen. Doch die Getränkerechnung, die die Spielleiterin Madame Odett nicht bezahlt zu haben scheint, funkt immer wieder dazwischen. Mittlerweile ist auch der Chef von Fritz im Spiel angekommen, und droht seinem betrunkenen Angestellten mit der Kündigung.

 

In der Zwischenzeit schenkt Hans seiner Auserwählten eine Rose. Doch kurz darauf tanzt die Dame mit Fritz. Madame Odett versucht die neue, ungeplante Liebe zu trennen, doch an ihr gibt es nichts zu zerren. Auch mit Gewalt nicht.

 

Die Farbigkeit des Lebens

Spätestens als sich Moderator Pascal vom Anblick der wunderschönen spanischen Tänzerin nicht mehr auf den Beinen halten kann steht fest: Hier läuft nichts nach Plan. Die unbezahlte Rechnung und der Streit mit dem Boss sind im Spiel so nebensächlich wie auch essentiell.

Tout à  coup reissen die Zügel, und die Liebessuchenden übernehmen mit dem Lied “Ewigi Liebi” die Oberhand. Ein Auftritt, der zu Tränen zu rühren vermag. Und zum Mitsingen animiert. Die Zuschauer belohnen den Auftritt mit lautem Applaus.

 

Ewige Liebe und ewiges Spiel

Die rote Rose will Hans zurück. Seine Auserwählte übergibt sie ihm sogleich, doch ihr Fritz ist längst zur Nächsten weitergewandert. Als sich der Moderator von dem verführerischen Tanz der spanischen Dame in Rot erholt, meint er: “Manchmal haben wir im Leben Träume, die wahr werden, oder eben nicht.” Aber wenn man genau hinsehe, könnte es sein, dass man sie findet – die ewige Liebe.

So ist es eben in der Liebe und im Spiel.