Gesellschaft | 06.09.2014

Die Dirigenten hinter der Kamera

Text von Melanie Schmidt | Bilder von zVg [da]
Die beiden SRF-Fernsehregisseure Mirjam Almasy und Martin Wälchli plauderten aus dem Nähkästchen. Sie verrieten unter anderem, was angehende Fernsehregisseure unbedingt mitbringen müssen und wer der wahre Boss hinter der Kamera ist.
Tink.ch war zu Besuch beim SRF und durfte den Fernsehregisseuren über die Schulter schauen.
Bild: zVg [da]

“Eine spezifische Ausbildung für Regie beim Fernsehen gibt es in der Schweiz nicht”, heisst es beim einschlägigen Berufsinformationsportal berufsberatung.ch. Das Portal verweist jedoch auf die Möglichkeit, sich bei entsprechender Eignung beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) während einem ein- bis zweijährigen Stage zum Fernsehregisseur ausbilden zu lassen. Diesen “klassischen” Weg ist Mirjam Almasy, heute Fernsehregisseurin beim SRF, gegangen. Nach ihrem Studium der Film- und Medienwissenschaften wanderte sie den Weg der Medien weiter. “Zwischen meinem Studium und dem Stage habe ich über 10 Jahre gearbeitet: als Redaktorin und Redaktionsleiterin, Regie-, Kamera- und Schnittassistentin. Es brauchte also auch in meinem Fall etwas mehr Vorwissen und Berufserfahrung.”

 

Auf Umwegen zum Traumjob

Martin Wälchli, ebenfalls Fernsehregisseur beim SRF, gelangte auf weniger direktem Weg ins Fernsehstudio.  Er besuchte das Lehrerseminar, fing ein Architekturstudium an und arbeitete unter anderem als Sekretär, bevor er schliesslich als Produktionsassistent beim Schulfernsehen von SRF landete. Die unterschiedlichen Erfahrungen aus all seinen früheren Jobs und Ausbildungen könne er nun bei seinem Traumjob gut gebrauchen.

 

Vielseitiger Job

“Ein Regisseur ist einerseits für die Mitentwicklung, Gestaltung, Planung und Realisierung einer Sendung zuständig. Er ist aber auch für den Spannungsaufbau in der Handlungsabfolge einer Sendung, sowie für das Licht, den Ton und die Organisation mitverantwortlich”, erklärt Bettina Werren, Leiterin Inszenierung im Raum SRF. Almasy ist es wichtig zu betonen, dass sich die Aufgaben der Regie je nach Sendungstyp unterscheiden können: “Newssendungen wie zum Beispiel die “Tagesschau” sind sehr strukturiert und man hat kaum Spielraum.” Bei Magazin- oder Livesendungen könne man hingegen seine Kreativität und sein Improvisationstalent viel besser ausleben. Je nach Sendungstyp findet die Arbeit zudem im Freien oder im Fernsehstudio statt. Was es jedoch als Fernsehregisseur auf jeden Fall braucht, da sind sich Wälchli und Almasy einig: hohe Stressresistenz, auch in hektischen Situationen, die im Fernsehalltag nicht selten vorkommen.

 

Der Boss hinter der Kamera

Auf die wohl oft gestellte Frage, ob der Regisseur der Boss hinter der Kamera sei, meint Wälchli: “Inhaltlich ist der Produzent zuständig, und wir schauen dann ob es mit der technischen Umsetzung klappt.” Der Fernsehregisseur entspreche wohl am ehesten einem “Dirigenten hinter der Kamera”. Almasy ergänzt: “Schlussendlich übernehmen wir die Führung und müssen für das Resultat den Kopf gerade halten.”

 

Zuhause abschalten? Fehlanzeige!

Wälchlis Job lässt den Fernsehregisseur auch privat nicht los. Vor dem Fernseher denkt sich der Regisseur nicht selten:  “Wie haben die das schon wieder hingekriegt?”, oder: “Wo wohl die Kamera gestanden haben muss?” Dafür stoppe er auch gerne mal einen Film – eine Angewohnheit, an welcher vor allem seine Freundin nicht immer so grosse Freude habe.

 

Öpis mit Medie


Tink.ch traf die beiden Fernsehregisseure Mirjam Almasy und Martin Wälchli beim Anlass «Wie werde ich Fernsehregisseur/in?«, organisiert von SRG Insider im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Öpis mit Medie«, die jungen Interessierten einen Einblick in Berufe beim SRF ermöglichen soll.