Protest gegen die Veränderung

Die Hafenstadt Hongkong hat in den letzten Jahrzehnten einige Veränderungen durchmachen müssen. Nachdem Hongkong durch den ersten Opiumkrieg 1843 britische Kronkolonie wurde und sich Ende des 20. Jahrhunderts zu einem der Banken- und Geldflusszentren der Welt aufarbeitete, erfolgte 1997 die Rückgabe Hongkongs an die Volksrepublik China.

 

Für mindestens 50 Jahre, also bis mindestens 2047, wurde der Stadt bei der Übergabe der Status einer Sonderverwaltungszone vertraglich anerkannt. Hongkong darf seitdem die freie Marktwirtschaft beibehalten und genießt in vielen Punkten eine innere Autonomie von China. Diese scheint aber stetig zu schwinden, die Angleichung an China nimmt mehr und mehr Form an und mit dieser auch die Angst der Hongkonger Bevölkerung. Immer gelebte Rechte wie Demokratie und Meinungs- und Pressefreiheit könnten bald der Vergangenheit angehören und Hongkong könnte eine normale chinesische Stadt werden.

 

Am 1. Juli, dem Jahrestag der Übergabe von Hongkong an China, versammeln sich in Hongkong jährlich unzählige Bürger, um gegen das chinesische sowie das eigene Regime zu demonstrieren. Die Zahlen der Demonstranten steigen stetig. Die Veranstalterseite schrieb 2014 von über einer halben Millionen Demonstranten, offizielle Stellen sprechen von 100.000. Bei nahezu 90% Luftfeuchtigkeit und 35 Grad. Unabhängig davon, wie viele Demonstranten es am Ende wirklich waren – die Hongkonger scheinen mehr als besorgt. Die “Ein Land – Zwei Systeme”-Politik scheint umzukippen in eine “Ein Land – Ein System”-Politik. Doch wovor haben die Bewohner der sogenannten “Perle des Orients” Angst? Und was sind die Ziele der Protestbewegung?

 

Um das zu verstehen sprechen wir mit Emily Chan Kin Yin (26) und Kenneth Leung Yiu Hung (26), zwei politisch sehr aktiven Hongkongern, die seit ihrer Geburt in Hongkong leben und die politische Veränderung in den letzten Jahren deutlich wahrnehmen. Emily Chan Kin Yin arbeitet als Merchandising-Koordinatorin und schreibt für einen regimekritischen Onlineblog, Kenneth Leung Yiu Hung ist Projektmanager bei HK Broadband, dem zweitgrössten Internetkonzern Hongkongs.

 

Falsche Demokratie

Obwohl in Hongkong offiziell eine Demokratie herrscht, haben die Bürger und ihre Regierung kein gutes Verhältnis. Der Grund ist, dass es sich in der Praxis um eine Art Scheindemokratie handelt. Vereinfacht gesagt, dürfen Hongkonger Bürger zwar wählen, wer zur Wahl steht, wird allerdings von der chinesischen Regierung bestimmt. Eine erneute Anfrage auf eine Änderung dieses Systems für die Wahlen 2017 hat Peking erst kürzlich abgelehnt. Viel Platz für politische Selbstentfaltung bleib da nicht. Für die Bürger in Hongkong ist es schwierig einer Regierung zu vertrauen, die sie nicht wirklich selbst gewählt haben. Und die im Hintergrund von China gelenkt wird.

 

“Es gibt einfach keine Partei, die das wiederspiegelt was wir wollen”, sagt Emily Chan Kin Yin und führt fort: “Es gibt diese politischen Bewegungen, aber sie sind einfach zu unbekannt. Es ist typisch Hongkong: Hongkonger sind verärgert über die Situation, aber wenn es zu dem Punkt kommt, an dem man wirklich etwas tun muss um etwas zu verändern, gehen Hongkonger einen Schritt zurück.” Sie wirkt aufgebracht. “Hongkonger würden nicht ihr ganzes Leben aufgeben aus diesem Grund. Für uns kommt zuerst die Arbeit und Sicherheit und dann das politische System”.

 

Zuerst muss man sich um sich selbst kümmern – dann um die Gesellschaft

Da es in Hongkong kein wirkliches Sozial- und Gesundheitssystem gibt, kümmert sich die Bevölkerung an erster Stelle um das persönliche Wohl und die individuellen Probleme. Da es in Hongkong nicht wie in den meisten anderen Wohlfahrtsstaaten zu einer Umverteilung der Einkommen kommt, ist hier jeder selbst für seine Vorsorge zuständig. Für gesamtgesellschaftliche Probleme bleiben oft bei gut und gerne 60-Stunden Wochen keine Zeit mehr. Die soziale Absicherung, die wir in Europa geniessen, ist für die beiden eine Traumvorstellung. “Wir arbeiten hart und haben wenige Sicherheiten. Wenn wir unseren Job verlieren, kriegen wir von der Regierung für sehr kurze Zeit sehr kleine Beträge und je älter man wird, desto schwerer ist es dann denn Anschluss an den Arbeitsmarkt zu halten.”

 

Sie sehen das als Grund für die sehr niedrige politisch aktive Anteilnahme und Veränderungshaltung. Es wird zwar demonstriert, das auch nicht zu wenig, wirkliche politische Aktivität bei Wahlen findet man allerdings selten. “Wenn wir versuchen etwas wirklich zu verändern und es läuft schief und wir verlieren unseren Job oder ähnliches, dann ist unser Problem noch deutlich grösser, als es vorher war. Und dafür sind die meisten hier nicht mutig genug”, muss Chan feststellen. Leung fügt hinzu: “Viele merken noch nicht was hier passiert, weil ihnen noch nichts schlechtes passiert ist. Bis jetzt. Wenn sie es merken, ist es zu spät.”

 

Der Großteil der Hongkonger will keine Probleme bekommen und hält sich aus der Politik raus. Leung kritisiert das scharf. Er erzählt, dass es in Hongkong immer erst um das Geld geht. Solange genug Geld zur Verfügung stünde, würden Hongkonger sich nicht für andere Sachen interessieren.

 

Der letzte Held

Geld hat Jimmy Lai genug. Er stellt in der Sonderverwaltungszone eine der wenigen Ausnahmen dar. Nicht weil er so viel Geld hat – Hongkong ist laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der New World Wealth die Hauptstadt der Multimillionäre. Der Grund ist, dass der Unternehmer und Herausgeber der einzigen wirklichen regimekritischen Zeitung Apple Daily einer der wenigen Aktivisten ist, die wirklich die Möglichkeit haben etwas zu verändern – weil er es sich leisten kann.

“Er ist ein Held für uns und viele von uns stecken enorme Hoffnung in ihn”, sagt Chan. Auch wenn es Vorwürfe der Bestechung von Politikern gegen ihn gibt und und sogar die CIA ihn untersucht, stellt der Gründer des Modelabels Giordano einen der wenigen Lichtblicke im politischen System der SVZ dar.

“Er ist derjenige, der heraussticht. In seinen verschieden Medien berichtet er täglich über die schlechten Dinge die unsere und die chinesische Regierung machen. Ohne ihn würden uns diese Informationen wahrscheinlich nie erreichen. Jemand wie er ist hier wirklich selten”, erzählt Leung, muss aber hinzufügen: “Vielleicht hat er eines Tages einen zufälligen Unfall und stirbt. Man weiss das nie bei der chinesischen Regierung.”

 

Früher war die Abhängigkeit und die eingeschränkte Demokratie in Hongkong kein Problem. Die Bevölkerung war zufrieden mit den Entscheidungen der Regierung. Seitdem diese aber nicht mehr auf ihre Verlangen hört ist die Bevölkerung immer verzweifelter. “Wir sind unzufrieden mit dem, was hier passiert, aber wir wissen nicht was wir tun sollen. Wir waren noch nie in so einer Situation. Wir mussten noch nie für etwas kämpfen, weil früher ging es uns ja allen gut.”

 

Leung meint, er habe keine grosse Angst vor der Zukunft. Er sei darauf vorbereitet, dass der chinesische Einfluss in Hongkong zu extrem wird. Es würde sich nichts daran verändern lassen und es sei ein trauriger Fakt, den er tolerieren müsse.

 

“Der Kampf muss Opfer fordern”

Die Proteste in Hongkong werden allerdings massiver, die Bürger der “Weltstadt Asiens” werden aufgebrachter und lassen sich immer weniger gefallen. Die Zahlen der Demonstrationen und Demonstrierenden werden von Jahr zu Jahr grösser und während es in den letzten Jahren immer sehr friedlich zuging, gab es die im Juli 2014 die ersten Ausschreitungen. “Wenn du keine Chance in Aussicht hast, irgendetwas zu verändern, bleibt dir nicht viel ausser auch mal mit Gewalt zu agieren”, gesteht Chan ehrlich: “Der Kampf muss Opfer fordern”.

Auch wenn die Hongkonger grundsätzlich als ruhigeres Volk gelten, neigen sie immer mehr dazu, ihrem Ärger Luft zu machen. Seit sich die teilweise brutalen Videos aus der Ukraine über soziale Netzwerke wie Lauffeuer verbreiten, scheinen immer mehr Hongkonger auch etwas harschere Methoden des Protests in Angriff zu nehmen. Dass uns in den nächsten Jahren ähnliche Bilder aus der SVZ erwarten, ist nicht unwahrscheinlich.

 

Die Chance im Netz und die Frage nach der Identität

Leung, der Projektmanager bei einem Internetunternehmen sieht die einzige Chance im Netz: “Hongkonger verändern sich. In der Vergangenheit haben wir einen Führer gebraucht. Aber heute sehen wir, dass ein Führer uns nicht mehr helfen kann. Das Internet ist unsere Chance um unsere Stimme zu erheben – alle gemeinsam.”

 

Facebook, das in Hongkong im Gegensatz zu China nicht gesperrt ist, spielt dabei eine der grössten Rollen. Hier wird zu Veranstaltungen eingeladen, durch Videos von anderen Demonstrationen inspiriert und nach politisch Gleichgesinnten gesucht.

 

Das Internet in Hongkong ist frei – noch. Sollte die chinesische Regierung sich dazu entschliessen, das Internet in Hongkong zu zensieren, manipulieren oder sogar teilweise zu sperren, würde das herbe Rückschläge für regimekritische Aktivisten bedeuten. Auf der anderen Seite könnte ein solcher Vorgang unvorstellbare Wut provozieren, weswegen Peking vermutlich zu diesem Mittel bis heute noch nicht gegriffen hat.

 

Andere Mittel verwendet die chinesische Regierung allerdings schon seit Jahren. Chan und Leung berichten von den Gehirnwäsche-ähnlichen Zuständen in der Schule. Von klein auf wird den Kindern eingetrichtert China zu lieben, Lieder über China zu singen und ihr eigenes Chinesisch, Kantonesisch, durch das vollkommen andere Festlandchinesisch, Mandarin, zu ersetzen.

 

Die beiden Aktivisten haben Angst, so ihre eigene Identität immer mehr zu verlieren und komplett die chinesische Kultur aufgedrängt zu bekommen. Laut einer 2012 durchgeführten Umfrage der Hong Kong University sehen sich gute 40% der Bewohner Hongkongs als “Hongkonger Bürger”. Nur 17% sehen sich als “Chinesische Bürger”, während sich der Rest als eine Mischung betrachtet. Wenn sie sich entscheiden müssten, sehen sich 68 % der Bürger eher als “Hongkonger Bürger im weiteren Sinne” als”Chinesische Bürger im weiteren Sinne”.

 

Die Identitätsfrage ist eine sehr essenzielle für die Hafenstadt. Mit einer eigenen Sprache, eigenen kulturellen Bräuchen und einem eigenen System ist Hongkongs Identität manchmal sehr weit entfernt von der chinesischen. Durch die von China erzwungene Angleichung verliert sich der Unterschied immer mehr. Die Angst vor dem letztendlichen Identitätsverlust ist deshalb sehr verbreitet unter den Bürgern.

 

Wirtschaftliche Abhängigkeit

Als wir Chan und Leung nach ihren Träumen für Hongkong fragen, sind beide erst etwas ratlos. “Die Wirtschaft muss stabil bleiben und dadurch die Jobs. Sonst haben wir gar keine Chance mehr”, meint Leung. “Es ist hart einem Europäer unser Gefühl momentan verständlich zu machen. Wir brauchen eine schlaue Regierung, die Lücke zwischen Arm und Reich muss minimiert werden und jeder sollte sich einen Platz zum Wohnen leisten können.”

 

Bei der Nachfrage, ob Hongkong in ihren Träumen komplett unabhängig von China wäre, sind sich beide recht sicher: “Wir können nicht ohne China. Grundsätzlich sind wir ja auch Chinesen. Aber wir wollen nicht, dass China so viel Einfluss hat. Wir sind finanziell abhängig von China, aber nicht so signifikant wie es manchmal dargestellt wird.”

 

Hongkong beheimatet eine der liberalsten Marktwirtschaften der Welt. Trotzdem ist diese an China gebunden. Das liegt an den unzähligen Produktionsstätten und Fabriken, die von Firmen aus der Sonderverwaltungszone in China erschaffen wurden, aber auch daran, dass Hongkong der grösste Investor in China ist. Knapp die Hälfte der auswärtigen Investitionen in Chinas Metropolen wie Shanghai oder Peking werden von Hongkonger Firmen finanziert. Während in Festlandchina hauptsächlich Produktionen durchgeführt werden, steht im “Hafen der Düfte” fast ausschliesslich die wirtschaftliche Dienstleistung im Vordergrund.

 

China ist abhängig von Hongkong als Brücke im Kontakt mit den ökonomischen Riesen der Welt, die SVZ von den Produktionsmöglichkeiten der Industrie Chinas. Kurz gesagt: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Festland und seiner Sonderverwaltungszone sind interdependent. Beide Partner würden enorme wirtschaftliche Einbussen hinnehmen müssen, würden diese nicht existieren.

 

Ein Kind, das man nicht beim Spielen stört

Leung erzählt eine Metapher von einem Kind, um verständlich zu machen, warum China sich weniger einmischen sollte. Ein Kind, welches ein Spiel gut beherrschen würde, würde man spielen lassen, erklärt er. Hongkong sei in diesem Fall das Kind. China allerdings würde das Kind unterbrechen, sich einmischen und versuchen das Kind zu beeinflussen, obwohl das Kind ohne China schon längst kein Problem mehr hatte. “Wir verstehen nicht, was China damit erreichen will. Sie zerstören sogar manchmal ihren eigenen Vorteil.” Er muss allerdings eingestehen, dass er auch nicht ganz genau weiss, wie eine bessere Situation aussehen könnte.

 

Das Hauptproblem für die Hongkonger ist, dass es kein Vorbild für die aktuelle Lage gibt. Es gab in der gesamten Geschichte global nie eine ähnliche Situation, also wissen viele Bewohner auch nicht genau was ihre Zielvorstellung ist. “Für die Ukrainer ist es einfacher. Sie schauen sich um und sehen das was sie wollen in West- und Mitteleuropa. Sie haben ein klares Ziel. Wir können nicht mit und nicht ohne China, deswegen wissen wir nicht genau, was am Ende dabei herauskommen soll.”

 

Die meisten hier wissen, dass sie nicht voll unter der Regie Chinas stehen wollen und, dass die momentanen Entwicklungen ihnen nicht gefallen. An einem Beispiel für eine wünschenswerte Zukunft können sie es allerdings nicht fest machen. Leung stellt in einem intensiven Tonfall klar: “Eigentlich wollen wir nur, dass alles bleibt, wie es ist. Es ging uns gut in den letzten Jahren, keiner hätte sich beschwert. Aber wir sehen, worauf die chinesische Regierung hinaus will. Diese Zukunft wollen wir nicht.”

 

Der Wunsch ist nicht die Veränderung, sondern, dass es so bleibt wie es ist

Das scheint der grosse Unterschied zwischen den Demonstrationen in der SVZ und Ländern wie der Ukraine zu sein. Während anderswo für Veränderung gekämpft wird, kämpft die Bevölkerung hier hauptsächlich dafür, dass es bleibt wie es ist. “Wir wollen uns nicht verändern, aber wir werden verändert. Hongkong ist gut momentan, es ist gut genug für uns”, bemerkt Leung deutlich melancholisch und mit fast schon zittriger Stimme.

 

Wir fragen die beiden, wie viel Hoffnung sie haben, dass ihre Heimat so bleibt wie es ist. Die Stimmung ist betreten. Sie erzählen mir, dass sie Angst haben, dass Hongkong eine Stadt wie unzählige andere in China wird – viele Menschen, aber kein eigenes Gesicht. Das Identitätsproblem.

 

Chan findet, dass Hongkong einfach eine Sonderverwaltungszone bleiben soll. “Im Moment sind wir Kantonesisch-sprechenden Hongkonger noch die Mehrheit hier, aber die Zahl der Mandarin-sprechenden Einwanderer aus China steigt immens. Wenn es mehr Chinesen als Hongkonger hier gibt, hat China das Ziel erreicht. Wir sind dann nichts Besonderes mehr, sondern nur eine weitere Stadt in China”.

 

Die zwei Aktivisten sprechen von der angsteinflössenden Macht Chinas. Die chinesische Regierung würde nie verlieren – die Geschichte würde das bestätigen und die Hoffnung damit schwinden. Chinesen hätten sich schon immer durchgesetzt und würden sich selten anpassen. “Siehst du die Chinesen in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich? Haben sie sich assimiliert? Nein. Sie gründen China Town und versuchen ihre Kultur durchzusetzen!”, stellt der Projektmanager Leung leicht wütend fest. Nur die Chinesen wären so, es gäbe keine India Town oder ähnliches. Chan fügt hinzu: “Sie immigrieren aber integrieren sich nicht. Und so werden sie Hongkong zu China machen.”

 

Schwindende Hoffnung und Angst vor Zerstörung

Dass sogar die jungen und politisch aktiven Bürger keine Hoffnung haben, zeigt die ausweglose Situation sehr deutlich. Die Zeit ist knapp, die Jobs sind unsicher – es bleibt nichts mehr übrig um herauszustechen und sich zu wehren. “Es braucht Zeit, bis wir verstehen, dass wir uns gegenseitig helfen müssen und ein gemeinsames Ziel finden, um einen Unterschied zu machen. Wir haben nur keine Zeit mehr”, räumt Leung ein.

 

Wir sitzen mittlerweile seit über einer Stunde zusammen und man sieht den beiden eindeutig die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Sie sind engagierte Bürger, sind gebildet und erfahren. Sie haben viel vor in ihrem Leben. Aber mit Freude in die Zukunft zu schauen, das fällt ihnen schwer. Sie sehen, wie sich ihre Heimat in den letzten Jahren langsam aber sicher verändert und sie sind nicht mehr zufrieden mit dem Ort, an dem sie ihr ganzes Leben verbracht haben. Aber sie haben Familie, Freunde und Job in Hongkong. Aber einfach davonzulaufen und gegen China aufzugeben, das sieht ihnen nicht ähnlich. Und trotzdem wissen sie nicht, wie es weiter gehen soll. Wer die Lösung hat. Wer dafür sorgt, dass ihre Heimat so bleibt wie sie immer war. “Kannst du verstehen, dass wir traurig sind?”, fragt mich Emily Chan Kin Yin.

 

Die Stadt mit der gigantischen Skyline ist in einer Zwickmühle. Während die chinesische Regierung leise und unbemerkt die Umsetzung der Angleichung an ihr Land vornimmt, bleibt der Bevölkerung der Hafenstadt nicht viel ausser es zu beobachten. Die Angst vor individuellem Missstand ist viel zu gross, um das Risiko eines möglicherweise eskalierenden Konfliktes einzugehen. Die Veränderungen sind unerwünscht, doch jegliche Proteste zerschellen an der Abhängigkeit von der Volksrepublik. Auf der einen Seite braucht die kantonesische Metropole die guten Kontakte nach China, auf der anderen Seite sehen die meisten Bürger den immer grösser werdenden Einfluss destruktiv.

 

Der Mittelweg, den sie früher gelebt haben und unter dem auch eine allgemeine Zufriedenheit geherrscht hat, scheint nicht mehr lange möglich zu sein. Die Perspektiven für die Bürger sind unklar, die Ziele schwer zu formulieren und es braucht Zeit, bis die China-kritischen Bürger Hongkongs, die eine Mehrheit in der Bevölkerung darstellen, einen gemeinsamen Nenner finden. Zeit, die sie nicht haben. Zeit, in der China Hongkong unbeschwert zu einer weiteren chinesischen Stadt machen kann. Zeit, in der gebürtige Hongkonger wie Emily Chan Kin Yin und Kenneth Leung Yiu Hung sehen, wie ihre Heimat langsam aber unaufhaltsam ihr Gesicht verliert.

 

“Es geht uns ganz gut im Moment. Wenn du mich fragst, wonach ich suche, weiss ich das nicht wirklich. Aber ich weiss was ich nicht will und das ist der Einfluss der chinesischen Regierung“, erklärt Chan. Leung schliesst sich an: “Ich frage ob mich ob die Hongkonger Regierung – unsere Regierung – Hongkong zerstört oder Hongkong dient?”, er holt tief Luft und sagt dann “Wenn du etwas veränderst ist das okay. Mach es besser oder mach es schlechter, das ist alles okay. Aber sie zerstören es, sie verändern nicht. Das ist ein Unterschied.”

“Schach ist ja auch eine Sportart”

Ununterbrochen hört man das typische “ping-pong”-Geräusch, ab und zu geht ein erleichterter oder frustrierter Aufschrei durch die Halle. An 24 Tischen wird dem Zuschauer am Burgdorfer Schlosscup Tischtennis auf hohem Niveau geboten.

 

Ob auf dem Pausenplatz oder beim Camping in den Sommerferien: Fast jeder hat schon mindestens einmal Tischtennis gespielt. Viele nennen es der Einfachheit halber “Ping-Pong” und glauben nicht, dass Tischtennis eine richtige Sportart ist, da man gar nicht schwitze, und nur am Tisch stehe und den Ball hin und her spiele. Konfrontiert man einen Tischtennisspieler mit diesen Vorurteilen, erntet man nur ein müdes Lächeln. “Wenn Schach eine Sportart ist, dann ist Tischtennis ganz sicher auch eine”, sagt Simon Ebneter,  ein Spieler des Tischtennisclubs Burgdorf.

 

Immerhin ist Tischtennis seit 1988 eine olympische Sportart, ganz im Gegensatz zu Schach.

 

Ein Sport auch für Rollstuhlfahrer

“Tischtennis ist ein Sport für alle”, sagt Christoph Läng, der seit über 30 Jahren aktiv im Verein spielt. Tatsächlich kann wirklich jeder Tischtennis ausüben. Es gibt spezielle Turniere für Senioren und Nachwuchs-Spieler. Auch Rollstuhlfahrer kann man an Turnieren antreffen.

 

Mit der richtigen Art der Ausübung kann jeder Spieler wirklich gut werden. Viele Hobbyspieler belächeln den Sport dennoch, weil sie noch nie ein Spiel einer Weltmeisterschaft oder Olympiade gesehen haben. “In der Badi werde natürlich auf anderem Niveau gespielt als an einem Turnier”, meint einer der Turnier-Teilnehmer.

 

Am Schlosscup sind nur wenige Zuschauer anzutreffen, die meisten von ihnen Eltern, Coaches oder ehemalige Spieler. Tischtennis fristet in der Schweiz nur ein Randdasein, im Gegensatz zu anderen Ländern wie China oder Japan. Generell in Asien ist Tischtennis ein Volkssport. Kindern werden, sobald sie am Tisch stehen können, Ball und Schläger in die Hand gedrückt und zum Erfolg gedrillt. Acht Spieler der aktuellen Top Ten sind deshalb auch Asiaten. Der Niveauunterschied zwischen der Schweiz und China ist ähnlich dem zwischen Badi-Pingpong und der Schweizer Nationalliga: riesig.

 

Schnellste Rückschlagsportart der Welt

Dass Tischtennis durchaus auch anstrengend sein kann, erkennt man am Schlosscup schnell. Wenn ein Spiel über die Maximaldistanz von fünf Sätzen geht, dann läuft dem Spieler schon mal der Schweiss von der Stirn. Auch mental muss der Spieler extrem stark sein und darf sich nicht vom Gegner oder den Zuschauern ablenken lassen. Wenn einem nur noch ein einziger Punkt zum Match-Gewinn fehlt, ist es oft schwierig, genau so ruhig und konzentriert weiterzuspielen wie zuvor.

 

Tischtennis erfordert ausserdem eine extrem schnelle Reaktionszeit, nicht umsonst gilt es als schnellste Rückschlagsportart der Welt. Pro Schlag bleiben dem Spiele unter Umständen nur wenige Zehntelsekunden zur Reaktion. In dieser kurzen Zeit muss der Spieler die Rotation und Richtung des Balles richtig einschätzen und dementsprechend reagieren. “Tischtennis ist Kunst”, sagen deshalb auch viele Spieler über ihre Sportart.

 

Neben viel Übung  und körperlicher Fitness wird beim Tischtennis also auch mentale Stärke benötigt. Damit kann das Vorurteil „Tischtennis ist kein Sport“ ein für alle Mal entkräftet werden.

In sieben Schritten auf den Big Air

1. “Spass ist der Schlüssel zum Erfolg”, weiss Sina Candrian. Der Weg zum Profi-Snowboarder ist ein langerjähriger Prozess – bis die internationalen Festivals euch einladen, liegen Jahre des Trainings, kleinere Contests, Siege und Niederlagen vor euch. Ohne die Leidenschaft für den Sport werdet ihr diesen Parcours kaum bestreiten können.

 

2. Eine Verjüngungskur ist angesagt: Wer wirklich durchstarten will, sollte im Alter von fünf bis zehn Jahren mit intensivem Training beginnen. “Mit etwa vierzehn Jahren zeigt sich, ob jemand Talent hat oder nicht”, sagt Candrian. Dafür muss schon vorher regelmässig trainiert werden.

Candrian selbst hat mit fünf Jahren zum ersten Mal auf dem Snowboard gestanden. Mittlerweile fange man sogar noch eher mit dem Training an.

 

3. Ein Umfeld, welches das Snowboarden unterstützt, braucht ihr unbedingt. Gesegnet ist, wer snowboardbegeisterte Eltern hat: Candrians Mutter hat sie jeden Mittwochnachmittag und jedes Wochenende mit auf die Piste genommen, von Mitte Dezember bis Ende April.

 

4. Idealerweise wohnt ihr in einer Ortschaft mit hauseigenem Wintersportgebiet. Zwar gibt es Sportschulen in den Bergen, welche auch Kinder aus dem Mittelland besuchen können, diese sind aber oft sehr teuer.

 

5. Für die Wochen, Monate und Jahre im Schnee die euch bevor stehen, sucht ihr euch am besten ein paar mindestens so angefressene Freunde. So könnt ihr euch gegenseitig antreiben. “Es ist auch wichtig, immer einmal einfach so fahren zu gehen, ohne Leistungsdruck und Ziele die es zu erreichen gilt.”

 

6. Schliesst euch einer Organisation an, die euch entsprechend fördern kann. Swiss Snowboardschool ist eine. Ansonsten seid ihr auch bei den Sportschulen gut aufgehoben. In jedem Fall schaut zu, dass ihr Wettbewerbe gewinnt, dann kommen die ersten Sponsoringverträge mit etwas Glück von selbst. Das motiviert und hilft euch beim Einstieg in die Profi-Szene. Bis das Freestyle.ch bei euch anklopfen wird, ist es dann nur eine Frage der Zeit.

 

7. Wenn ihr dabei seid, könnt ihr gleich den liebsten Trick der Meisterin lernen: das Sprayen. Für den Frontside Spray fahrt ihr mit Schuss eine Kurve frontside, das heisst von der Fersenkante zur Zehenkante, dann eine weitere Kurve sehr scharf zurück zur Fersenkante. Damit wirbelt ihr, besonders im Pulverschnee, sehr viel Schnee zum Tal auf. – Achtung dabei auf Leute die unter euch sitzen. Sie könnten sich bei Gelegenheit revanchieren.

 

Zum freestyle.ch:


Das Zürcher Freestyle.ch ist das grösste Freestyle-Festival Europas. Während  dem 26. Und 27. September haben Snowboarder, Freeskier, Mountainbiker und BMX-Fahrer gezeigt, dass der Traum vom Fliegen noch lange nicht ausgeträumt ist.  Dieses Jahr feiert das Festival sein zwanzigstes Jubiläum.

Nationalismus trotz gewollter Abhängigkeit

Rote Telefonzellen, schwarze Taxis, Fish & Chips und die blau-weiss-rote Fahne. So kennt man Grossbritannien. Trotzdem unterscheidet sich Schottland massgeblich vom Rest der Insel.

 

Blau-weiss überall

Schon bei der Ankunft am Flughafen der Hauptstadt Edinburgh sieht man überall die blaue Flagge mit dem weissen Kreuz – die schottische Flagge. Ausserdem stellt sich Schottland mit seinem Werbespruch Scotland welcomes the world (dt.: Schottland begrüsst die Welt) als unabhängiges, weltoffenes Land dar. Man merkt, die Schotten sind stolz auf ihr Land.

 

Auch in Schottland selbst wird man das Gefühl nicht los, man sei gar nicht in Grossbritannien. Nicht nur die fast schon fehlenden britischen Flaggen stechen ins Auge, sondern auch die zahlreichen Besonderheiten Schottlands.

 

Whisky, Bier und Irn-Bru

In Schottland wird so viel getrunken wie kaum sonst in Grossbritannien. Das zeigt eine Studie der britischen Gesellschaft für Gastroenterologie. Laut dieser trinken zwei Drittel der Schotten zu viel, während es im Rest von Grossbritannien merklich weniger sind.

 

Whisky und Bier gehören zu den Nationalgetränken. Diese werden auch gerne und in grossen Mengen konsumiert. In den Universitäten Schottlands gibt es am Freitag kein anderes Thema als die beste Bar für den Abend. Auch unter der Woche wird kräftig getrunken. Nicht selten trifft man am frühen Abend Betrunkene auf der Strasse. Um den Kater heil zu überstehen, haben die Schotten das Süssgetränk Irn-Bru erfunden. Dieses verkauft sich nirgends so gut wie in Schottland. Dort wurde  es sogar lange Zeit mehr verkauft als Coca-Cola, berichtete einst die schottische Tageszeitung “The Scotsman”. Mittlerweile liegen die beiden gleich auf.

 

Viel Geld für Repräsentation

Obwohl Schottland nicht wirklich viel in der transnationalen Politik zu sagen hat, haben die Schotten ein eigenes, sehr teures Parlamentsgebäude bauen lassen. Dies zeigt wie wichtig es ihnen ist, sich gegen aussen zu repräsentieren und, vor allem, mitreden und entscheiden zu können. Dies hat das Volk allein schon mit dem Aufkommen und der doch recht grossen Anzahl Ja-Stimmen (44,7%) gezeigt.

 

Antike Städte

Manchem mögen die Landschaften von Schottland und Nordengland ähnlich erscheinen. Die Städte sehen jedoch unterschiedlich aus. Schottlands Städte verfügen über sehr viele alte Gebäude, während Englands Städte eher modern sind. Vor allem die grossen Städte lassen sich untereinander kaum vergleichen. In Schottland ist vieles in den Städten traditioneller gehalten als in England, und schon allein deshalb nicht vergleichbar.

 

Unabhängig gewesen

Schon die Geschichte Schottlands zeigt, dass dieses Volk nach Unabhängigkeit und Freiheit strebt. Seit Schottland 1209 von England abhängig wurde, versuchten die Highlander immer wieder, ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen.

 

1320 wurde das Land mit der Deklaration von Arbroath, die die Unabhängigkeit Schottlands festlegte und an Papst Johannes XXII. gesandt wurde, von dem Oberhaupt der katholischen Kirche akzeptiert. Dieses trug in den Folgejahren massgeblich zu der Schlichtung zwischen England und Schottland bei. Nur wenig später, im 14. Jahrhundert, wurde Schottland wieder von den Engländern erobert.

 

Seit damals werden die beiden Königreiche gemeinsam regiert. Diese Regentschaft ist geprägt von Aufständen der Schotten. Der letzte Versuch eines Aufstands war die Abstimmung vom 18. September 2014.

 

Fragen über Fragen

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass Schottland anders ist als England. Trotzdem hat sich eine Mehrheit der Schotten für den Verbleib in Grossbritannien entschieden.

 

Einerseits warf die Unabhängigkeit viele Fragen auf. Beispielsweise jene nach der Währung, sowie jene nach dem Verbleib in der Europäischen Union. Andererseits wurden auch Zweifel laut, ob Schottlands Wirtschaft genug stabil wäre, damit das Land nicht an Wohlstand verliert. Ein anderes Diskussionsthema war die Beziehungen zu England. Mit der Unabhängigkeit hätten sich diese ziemlich verschlechtert.

 

Dennoch ist klar, dass das schottische Volk in Grossbritannien mitreden will. Ein Stück Freiheit hofft es sich zu erlangen – und vielleicht sogar ein Stück Unabhängigkeit.

Solistenträume à  la Vivaldi

Emilies Vorliebe für den klassischen Musiker beginnt vor einem Jahr an einer Schüleraufführung und mit dem “Konzert in G-Dur”. Emilie verliebte sich sofort in die Musik und begann weiter nach Vivaldi und seinen Stücken zu forschen. “Ich mag seinen Stil”, erklärt die Neunjährige. Vivaldis schnelle Rhythmen passen auch zu ihrem quirligen Temperament. Eines Tages möchte sie ein Stück im Stile des italienischen Musikers komponieren, eins das genauso berühmt wird wie seine Konzerte. Was Vivaldis Kompositionen und Techniken anbelangt, möchte die Neunjährige einmal genauso werden wie der Violinen – Wunderknabe, der seinen Vater schon als Kind im Orchester vertrat.

Vivaldis Leben? Nein, danke!

Obwohl Emilie in einem Orchester spielt, Vivaldis Leben würde sie trotzdem nicht gegen ihres Tauschen: “Sein Leben war viel zu traurig. Vivaldi war berühmt, aber gegen das Ende seines Lebens änderte sich der zeitgenössische Musikgeschmack. Dadurch erhielten seine Kompositonen kaum mehr Aufmerksamkeit und er starb einsam”, bedauert Emilie.

Auch die grössere Auswahl an Musikrichtungen, die es in der heutigen Zeit gibt, hält die Viertklässlerin davon ab, exakt dasselbe zu tun wie Vivaldi damals. Die Vorstellung, Vivaldis Barock mit dem heutigen Rock zu verbinden, sei auch irgendwie abwegig. “Das gäbe Katzenmusik!”, lacht Emilie.

Auf jeden Fall möchte sie Solistin werden und ihren Lebensunterhalt mit der Geige verdienen. “Dafür übe ich jetzt schon zwei Stunden täglich”, erzählt Emilie nicht ohne Stolz.

Berufsgeheimnis

Ein kleines Konzert gibt sie heute schon. Sie bindet sich die braunen Haare zusammen und holt die Geige aus einem mit blauem Samt ausgeschlagenen Koffer. Danach montiert sie etwas, das unter Geigenspielern “Schulterstütze” genannt wird. Sie setzt die Geige an. Was spielt sie? Vivaldi natürlich. Diesmal das “Konzert in A-Moll”. Es ist ein schnelles Stück und Emilies Finger rasen über das blanke, schwarze Griffbrett. Sie trifft jeden Ton. Wie sie das anstellt, behält sie aber vorsorglich für sich: “Berufsgeheimnis”, grinst Emilie. Mit feierlichen Tönen endet das Stück.

Und wer weiss: Vielleicht werden aus den kleinen Konzerten, die Emilie zurzeit im Orchester und am Strassenrand gibt, tatsächlich einmal grosse Auftritte vor hunderten von Zuschauern.

*Was ist eine Portraitception?

Die Portraitception ist eine von Tink.ch erfundene journalistische Darstellungsform, die eine Person portraitiert, um mehr über ihr Vorbild zu erfahren. Dadurch entstehen zwei Portrait in einem. Die Idee wurde erstmals in der Redaktion Bern von Reporter Rade Jevdenic zur Diskussion gebracht.

Bayrische Hassliebe

Am Samstag um Punkt zwölf Uhr war es wieder soweit und es hiess wie jedes Jahr: „O’zapft is!“ (hochdeutsch: „Es ist angezapft!“). Mit diesen Worten eröffnet der Münchner Oberbürgermeister jährlich das Oktoberfest (bayerisch: Wiesn) auf der Theresienwiese, indem er der Tradition nach im Schottenhamel-Festzelt das erste Bierfass ansticht. Ab dann herrscht drei Wochen lang der Ausnahmezustand in München: Die bayerische Reinkultur wird von etwa 6,5 Millionen Besuchern ausgelassen gefeiert – mit viel Bier, besten Schmankerln (hochdeutsch: Delikatessen), Blasmusik und knapp 200 traditionellen und modernen Schaustellerbetrieben.

 

Dass das Oktoberfest auch bei den Schweizerinnen und Schweizern beliebt ist, zeigen nicht nur die jährlich unzähligen Eidgenossen-Pilger zur Münchner Wiesn: Selbst in Zürich findet sich ein relativ erfolgreicher Ableger – nicht, dass er dem Original gefährlich werden könnte. Die schiere Grösse und die gelebte Tradition des Münchner Unikums sind bis heute unerreicht. Für diejenigen, die sich dem ganz eigenen Zauber des grössten Volksfestes der Welt hingeben wollen, bekommen hier die wichtigsten Insider-Tipps, damit der Besuch kein Reinfall wird:

 

Hut ab? Hut auf!

Die Tracht hat in den letzten Jahren ein beispielloses Revival erfahren. Egal ob Jung oder Alt, ob von nah oder fern, jeder trägt wieder Dirndl oder Lederhose. Komplettpakete für schicke Madln und fesche Buam (hochdeutsch: Mädchen und Jungen) gibt es vor Ort meist schon für knapp 200 Euro. Wem das allerdings zu teuer ist, kann sich auch lediglich mit ausgewählten Accessoires schmücken: Halstuch, Hut und vieles mehr sind erschwinglich und oft authentischer, als sich gezwungenermassen in ein Outfit zu werfen, in dem man sich offensichtlich nicht wohl fühlt. Gesagt werden muss aber auch: Bayerische Tracht steht (fast) jedem.

 

Tipp: Die Auswahl der richtigen Tracht ist oft eine Gradwanderung: nicht zu kitschig, nicht zu kurz. No-Go: Tracht und Turnschuhe.

 

Morgenstund-˜ hat Gold im Mund

Was selbst viele Einheimische nicht wissen: Auf der Wiesn lässt es sich herrlich frühstücken. Allen voran die kleinen Festzelte bieten das an. Von Bodos Café-Zelt bis Café Mohrenkopf, von süss bis herzhaft ist für jeden etwas dabei. Dabei sollte man ein wenig Hunger für das klassische „Münchner Weisswurstfrühstück“ in einem der grossen Festzelte nebst der ersten Mass aufsparen.

 

Geheimtipp: Café Kaiserschmarrn, Frühstück ab neun Uhr morgens.

 

Nur das Wichtigste am Mann/an der Frau

Regel Nummer 1: Immer genügend Bargeld dabei haben. Ein Wiesn-Tag kann länger werden als geplant und bei Masspreisen (Mass = 1 Liter Bier) von teilweise über zehn Euro summieren sich die Ausgaben schnell auf. Geldautomaten gibt es zwar an jeder Ecke, jedoch muss man hier erfahrungsgemäss sehr lange anstehen. Wie auf allen grossen Veranstaltungen sind auch auf dem Oktoberfest Langfinger unterwegs und warten nur darauf, bis sie sich bei den ersten Betrunkenen bedienen können – deshalb: Portemonnaie immer eng am Körper tragen.

 

Tipp: Nur das mitnehmen, was man für den Tag wirklich braucht: Bargeld, Ausweis, Natel, Kopfschmerztabletten.

 

Die naive Illusion

Für alle Langschläfer und Morgenmuffel ohne eine begehrte Tischreservierung: vergesst den Zeltbesuch auf der Wiesn am Wochenende. An Sams- und Sonntagen stehen sich die Menschenmassen schon ab halb sechs Uhr morgens vor den Zelten die Beine in den Bauch und warten auf den Einlass, sodass die meisten Zelte schon kurz nach Öffnungsbeginn um zehn Uhr wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. An Fahrgeschäften und Buden sieht es da nicht viel besser aus: Lange Wartezeiten für ein paar Minuten Spass. Deshalb lohnt ein Besuch vor allem von Montag bis Donnerstag. Das ist wesentlich entspannter, die Zelte sind vormittags nicht überfüllt, man muss sich nicht durch Menschenmassen kämpfen, und es lässt sich mehr erkunden.

 

Tipp: Der Dienstag schont den Geldbeutel. Zahlreiche Stände, Fahrgeschäfte und Schausteller bieten vormittags und nachmittags Sonderkonditionen für Kinder und Familien. Zahlreiche Apps rund um die Wiesn informieren zudem in Echtzeit, wo man wann noch einen Platz findet.

 

Für jeden das Richtige

Für viele Besucher die wichtigste Frage: Welches Zelt ist das richtige für mich? Bei 14 grossen und 21 kleinen Zelten kann man auch mal schnell den Überblick verlieren. Während die kleinen Zelte zu einer Verschnaufpause einladen, herrscht in den grossen Zelten eine ausgelassene Stimmung. Vor allem für junge Leute empfehlenswert sind die unter Einheimischen beliebten Zelte Hacker, Bräurosl, Schützen und Schottenhamel. Hier ist ganztägige Partystimmung vorprogrammiert. Tagsüber etwas ruhiger geht es beispielsweise im Augustiner-Festzelt, in der Ochsenbraterei oder dem Armbrustschützen-Zelt zu. Ganz neu ist der Marstall, der nach 30 Jahren das Hippodrom-Festzelt ersetzt und sicherlich auch ein Besuch wert ist. Bei schönem Wetter bietet es sich zudem an, sich einen Platz in den Biergärten rund um die Festzelte zu sichern.

 

Tipp für die Unerschütterlichen: Wer nach 23 Uhr noch nicht genug hat, kann im Weinzelt und in Käfers Wiesnschänke bis ein Uhr nachts weiterfeiern, denn diese sind von der allgemeinen Sperrstunde ausgenommen. Immer populärer werden auch die After-Wiesn-Partys in vielen Münchner Nachtclubs – einfach immer den jungen Leuten in Tracht hinterher.

 

So jung – und schon ein Klassiker

Seit 2010 fester Bestandteil des Oktoberfests ist die Oide Wiesn (hochdeutsch: Altes Oktoberfest). Wer in die Vergangenheit eintauchen und dem ganzen Trubel etwas entkommen möchte, sollte sich auf das 3,5 Hektar grosse Areal auf dem Südteil der Festwiese begeben.  Dort findet man das Oktoberfest so vor, wie es früher einmal war. Gemütlich und zünftig geht es hier zu, mit historischen Fahrgeschäften, Festzelten und anderen Attraktionen. Der Eintritt beträgt drei Euro.

 

Tipp: Auf der Oidn Wiesn bieten den Münchner Brauereien ein gemeinsam gebrautes, dunkles Spezialbier an, das nach einer historischen Rezeptur vom Beginn des 19. Jahrhunderts an hergestellt wurde.

 

Ausflucht

Auch die hartgesottensten Fans wünschen sich nach einem ausgiebigen Wiesn-Besuch etwas Ruhe. Ganz abgesehen von denen, die hoffen, der Spuk nähme so schnell wie möglich wieder ein Ende. Man kann dem Wahnsinn in der Stadt nur schlecht entkommen: Trachten-Fetischisten bevölkern die ganze Stadt, die Schaufenster sind bis ins letzte Eck mit bayerischem Schnickschnack ausgeschmückt und aus sämtlichen Lautsprechern tönen die aktuellsten Wiesn-Schlager. Die besten Rückzugsorte sind da Hallenbäder, Museen, Theater oder Konzerte. Nicht, dass die Oktoberfest-Jünger Kulturbanausen wären – aber in den kommenden 16 Tagen haben sie sicher anderes als das im Sinn.

Erster Brief aus der Klasse 8F

Sehr geehrte Frau und sehr geehrter Herr Schweizer,

 

den heutigen Brief an die Schweiz hat die Klasse 8 F des Rudolf-Kess Gymnasiums Heilbronn verfasst, unter der Aufsicht von Klassenlehrerin Frau Margret Meinler.

 

Dies war Teil eines großen Gewinnspiels der Autoren Philipp Feldhusen und Peer Gahmert unter mehreren hundert deutschen Gymnasien und Gesamtschulen.

 

Wir  – das sind insgesamt 33 Schüler der Klasse 8F – wurden erfreulicherweise Erster und haben nun die große Ehre, den 26. Brief an die Schweiz zu schreiben.

 

Also, fangen wir mal an:

 

Wir hatten neulich im Politikunterricht das Thema G20 Staaten. Und plötzlich fiel dem Tobias auf, dass die Schweiz da gar nicht bei ist. Henning, Maik und Matthias “Schorle- haben sofort vermutet, dass das irgendwie an der Neutralität Ihres Landes liegt und dass Sie deshalb irgendwie nicht zur Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer gehören. Aber Lara hat dann gleich in den Raum geworfen, dass das eine mit dem anderen doch gar nichts zu tun hat. Herr Seifers hat dann gesagt, dass wir einfach mal selbst ein wenig nachforschen sollen, was ein paar von uns auch gemacht haben.

 

Wir haben herausgefunden, dass die Schweiz durchaus zu den 20 größten Wirtschaftsnationen zählt. Aber warum sie nicht zur G20 gehört, ist uns schleierhaft. Wir finden aber, dass die Schweiz dazugehören sollte, weil sie ja eine der wichtigsten Wirtschaftsländer der Welt ist. Auf jeden Fall ist das irgendwie unfair. Wie sehen Sie das? Möchten Sie gerne, dass Ihr Land auch in der G20 ist? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum?

 

Dann hatten wir auch mal das Thema Menschenrechte in Politik. Da kam die Schweiz kaum drin vor. Einige von uns glauben, dass das ist, weil die Schweiz so gut ist.

 

Frau Meinler sagte, dass die Schweiz eine Insel der Glücklichen ist und jeder, der da wohnen darf, hat Geld. Maike sagte dann, das ist ja voll unfair, wenn man dafür zahlen muss, in einem Land leben zu können und sich das ja auch gar nicht alle leisten können. Außer man ist berühmter Sportler, dann geht das. Frau Meinler sagte, Maike hat sie falsch verstanden.

 

Von uns war übrigens noch keiner in der Schweiz. Wir wollen aber mal eine Klassenfahrt machen. Vielleicht fahren wir dann mal zu Ihnen. Aber die Stadt zahlt keine Klassenfahrten mehr und sagt, wir sollten froh sein, dass wir überhaupt einen neuen Hausmeister haben. Und die Lehrer haben auch keine Lust. Na, mal sehen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

 

 

Ihre 8F

Die verpasste Emanzipation der Männer

Olympe de Gouges wurde 1748 in Frankreich geboren. Im Alter von 45 Jahren wurde sie in Paris an der Guillotine hingerichtet, nachdem sie die “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin” verfasst hatte. Als Heldin der Frauenbewegung ging sie in die Geschichte ein. Leider war sie nicht die Letzte, die für das Ziel von gesellschaftlicher und politischer Gleichberechtigung der Geschlechter ihr Leben gelassen hat. Die Männerbewegung suchte derweil all die Jahre vergebens nach ihrem Helden, denn so mutig wie die Frauen war von ihnen keiner.

 

Pausenhofsexismus

Wenn man sich als Vertreter des männlichen Geschlechts das gesellschaftliche Idealbild eines Mannes genauer unter die Lupe nimmt, könnte man eigentlich beleidigt sein. Die Stereotypisierung fängt meistens bereits in der Grundschule an, wie durch den weitverbreiteten Pausenhof-Mythos, dass Mädchen stets drei Jahre in ihrer mentalen Entwicklung den Jungen voraus sind. In Wahrheit ist es natürlich so, dass sich Jungen und Mädchen hormonell und geistig total verschieden entwickeln. Doch ob eines der Geschlechter geschwinder ist, lässt sich medizinisch an keinem Indikator festmachen.

 

Dank der Forschung in den Gender Studien ist seit Jahren erwiesen, dass Geschlechter uns antrainiert werden. Frauen sind halt so und Männer sind halt anders. Unbedingt anders, denn bei Männern werden Abweichungen oder gar Annäherungen an das gesellschaftliche Frauenbild als feminin und unmännlich gewertet. Gefühle und Ängste gelten weiterhin als unmännlich, wie auch Emma Watson in ihrer Rede festhielt. “Bei Männern in Grossbritannien zwischen 20 und 29 ist die häufigste Todesursache Selbstmord.”, so Watson.

Die Ursache dafür ist das vorherrschende Männerbild: Männer gelten als triebgesteuert, emotional nicht ausgereift, rücksichtlos. Die handwerklichen Fähigkeiten werden Männern zwar zugeschrieben, aber denken und sprechen, das soll Sache der Frau sein. Nun, es gibt klar Fälle in welchen die Rollenbilder auf einzelne Menschen gut passen, doch für die Allgemeinheit sind sie nicht geschaffen.

 

Die Realität ist eine Andere

Beängstigend ist auch das gesellschaftliche Schönheitsideal. Während der Druck in den letzten Jahren auf Frauen massiv zugenommen hat, lässt sich auch vermehrt eine völlige Reduktion des männlichen Individuums auf äusserliche, sexuell anreizende Merkmale feststellen. In der Werbung und im Showbusiness wird diese Idealisierung seit Jahren aktiv praktiziert: durchtrainierte Arme, breite Schultern, stramme Schenkel. Das Schönheitsideal, welches die Unterhaltungsbranche suggeriert, verzeiht keine Verfehlung. Es sind Models auf Werbeplakaten, die Backgroundtänzer von Popsängerinnen und Schauspieler in Hollywood-Filmen, welche das Idealbild ins Unterbewusstsein eines jeden Mannes platzieren. Viele Frauen selbst sind grosse Fans dieser Idealbilder, ohne sich des Sexismus darin bewusst zu sein. Ein Idealbild, das die wenigsten Männer erfüllen. Zum Glück.

 

Die Realität ist eine andere. Männer sind emotional gleich sensibel wie Frauen, dürfen jedoch weniger zu ihren Gefühlen stehen, weil sie schnell als Weicheier und Memmen abgetan werden. Männer verdienen zwar in einigen Branchen noch immer besser als Frauen, aber die Regel ist es nicht. Trotzdem sollen Männer ihrer Rolle als Ernährer gerecht werden, mit einer Frau als Hauptverdienerin tun wir als Gesellschaft uns immer noch schwer.

Ausserdem werden auch schweizweit tausende Männer jedes Jahr Opfer von häuslicher Gewalt und viele trauen sich aus Scham nicht, Anzeige zu erstatten. Schliesslich sei man ja das starke Geschlecht. Männer selbst werden regelmässig Opfer von Sexismus, so etwa, wenn sie einen Nachtclub betreten wollen und Frauen von den Türstehern vorgezogen werden, weil man gerne eine hohe Frauenquote erfüllt oder wenn Männer für den Wehrdienst ins Militär eingezogen werden. Dies stört indes viele Frauen, die mit erhobener Faust nach Gleichberichtigung verlangen, nicht.

 

Emanzipation abholbereit

In vielen gesellschaftlichen Bereichen sind Männer noch nicht emanzipiert. Daran sind sie selber schuld.  Wenn wir heutzutage bereit sind für Frauen, die sich in Führungspositionen und hohen Ämtern betätigen, wieso sind dann viele Menschen nicht bereit für Männer, die sich der Kindserziehung und dem Haushalt widmen? Damit tun wir uns schwer, auch viele Männer. Wahrscheinlich, weil es nicht in unser patriarchalisches Männerbild passt. Gefragt sind weiterhin ganze Kerle. Beschützer, Ernährer, Krieger. Dagegen können Männer, die weniger verdienen als ihre Ehefrauen, dies nur mit geröteten Wangen zugeben.

 

Die Emanzipation des Mannes beginnt nicht nur mit der Distanzierung vom gängingen Männerbild, sondern auch beim Ablegen des konventionellen Frauenbilds. Dies erkennt die UN-Kampagne “He For She” zwar, jedoch geht der Auftrag an die Frauen, Männer vom Rollenbild genauso zu befreien, nur leise über die Lippen von Emma Watson. Doch wir brauchen auch “She For He”, denn nur eine der beiden Geschlechterrolle allein aufheben, funktioniert nicht. Frauen und Männer müssen sich gegenseitig von dieser Last befreien. Denn während Gleichberechtiung auf dem Papier bereits besteht, muss sich das Prinzip der Gleichheit erst noch in den Köpfen jedes und jeder Einzelnen etablieren. Damit wir endlich anfangen auch danach zu handeln.

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Erlöse uns von dem Bösen

Zu Lachen hat der Dorfpriester James Lavelle (Gleeson) aber nicht viel. Während der Beichte erzählt ihm eines seiner Schäfchen, dass er früher von einem katholischen Priester jahrelang missbraucht wurde. Der Beichtende möchte sich aber nicht an dem schuldigen Priester rächen, der ist schliesslich seit Jahren tot. Ausserdem wäre es kein Schock, wenn ein Missbrauchsopfer den Täter umbringen würde. Aufsehen erregen würde nur der Mord an einem guten und unschuldigen Priester. Und deshalb droht der Unbekannte damit Priester Lavelle am nächsten Sonntag für die Sünden eines anderen umzubringen.

 

Lavelle scheint zu Beginn nicht sonderlich verängstigt zu sein. Er redet mit seinem Bischof darüber, will sich aber nicht bei der Polizei melden, weil er das Beichtgeheimnis nicht verletzen möchte. Und so verbringt er seine angedroht letzte Woche, wie er jede Woche verbringen würde.

 

Eine schwarze Komödie?

Die Unterschiede zwischen The Guard und Calvary sind leicht zu erkennen. The Guard war eine überspitzte, politisch höchst inkorrekte, schwarze Komödie. Calvary hat all diese Aspekte, spielt aber auf einer viel ernsteren und dramatischeren Ebene. Das geht so weit, dass der Film kaum als “schwarze Komödie” bezeichnet werden kann.  Schon in den ersten zwei Minuten des Films wird klar, dass es hier etwas ernster zugehen wird. Nebst dem sexuellen Missbrauch lässt einem auch das Geständnis eines Frauenmörders das Lachen im Halse stecken bleiben.

 

Ambivalente Hauptfigur

Das Bedrückende an dem Film ist, dass seine Hautfigur unschuldig bedroht und angefeindet wird. Das ganze Dorf kritisiert den Priester für Dinge, die in der katholischen Kirche passiert sind, mit denen Lavelle nichts zu tun hat. Zwar wissen die anderen Dorfbewohner nichts von der Morddrohung, aber die allgemeine Stimmung gegen die Kirche und den Priester ist durch und durch negativ. Berechtigte Kritik wird nicht sachlich geäussert, sondern durch Pöbeleien und Beleidigungen zum Ausdruck gebracht.

 

Regisseur und Drehbuchautor McDonagh macht aus seiner Hauptfigur keinen Heiligen. Lavelle ist ein trockener Alkoholiker, kann sich in bestimmten Situationen Schimpfwörter nicht verkneifen und verliert ab und zu die Geduld. Die Idee zum Film kam McDonagh während den Dreharbeiten von The Guard. Dazu sagte er: “Ich will immer alles anders machen, als die grosse Mehrheit. Weil ich wusste, dass damals viele Drehbücher über Kirche und Missbrauch geschrieben wurden, wollte ich umso mehr die Geschichte eines guten und schuldlosen Priester erzählen.”

 

Ab nach Irland

Der Film ist nicht perfekt, an einigen Stellen zu langatmig und ab und zu passen die Ernsthaftigkeit und Absurdität nicht zueinander. Wett gemacht wird dies aber mit einem Brendan Gleeson (The Guard, Harry Potter, In Bruges) in Höchstform, einer kontroversen Drehbuchidee und wunderbaren Bildern. Die kleine irische Grafschaft Sligo wird trotz ständigem Wind, bewölktem Himmel und kaum Sonnenschein wunderschön in Szene gesetzt. So schön, dass man nach dem Kinobesuch eine Reise nach Irland planen möchte. Egal, was einem da alles passieren mag.