Gesellschaft | 29.08.2014

Zweiundzwanzigster Brief aus Deutschland

Philipp Feldhusen und Peer Gahmert wurde während ihrem zweiwöchigen Urlaub ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen können. Ganz geheuer ist ihnen das aber nicht, immerhin ist die Schweiz bekannt für ihre mafiösen Financiers. Im Zentrum der investigativen Recherche von "Eine Zeitung" stehen die zwielichtigsten Organisationen der Alpennation: Die FIFA und Nestlé.
Trägt eine weisse Weste: Die Friedenstaube von "Eine Zeitung".
Bild: Katharina Good

Hallo, hier sind wir wieder.

 

Erinnern Sie sich noch?

 

Wir haben Ihnen bis vor drei Wochen jeden Freitag einen netten Brief zukommen lassen, in dem wir, als Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland, kluge Ratschläge an die Schweizer Nation verteilten und Ihnen erklärten, wie Sie vieles, wenn nicht sogar alles, besser machen können.

 

Wir haben in den vergangenen drei Wochen zahlreiche Briefe erhalten mit der Aufforderung, uns bitte nicht mehr in die Belange der Schweiz einzumischen. Einige flehten uns regelrecht an, den Urlaub um weitere vier Monate zu verlängern. Andere berichteten uns von ihrer Auswanderung und ihrem neuen Leben in einem Land fernab unserer Briefe. Ein Herr, der seinen Namen nicht nennen wollte, schickte uns sogar einen Scheck über 20.000 Franken und bat uns, das Geld anzunehmen und dafür auf den “wöchentlichen Schund” zu verzichten.

 

Und nun sitzen wir hier in unserem neu eingerichteten Büro und schreiben den ersten Brief nach unserer kleinen Sommerpause an unserem hypermodernen neuen PC. Und erstmals tragen wir dabei einen Anzug. Von Armani.

 

Jetzt aber beschleicht uns das Gefühl, unser neuer Wohlstand könnte auf Blutgeld beruhen. Ja, es könnte gar aus zweifelhaften Geschäften stammen. Wie wir der internationalen Presse entnahmen, soll es in der Schweiz nur so von Mafiosi wimmeln.

 

Huch. Haben die da etwa gerade Mafia geschrieben? Mafia? In der Schweiz?

Ja, wir nehmen da kein Blatt vor den Mund. Wir sind deutsch genug, kriminelle Ausländer zu erkennen und öffentlich anzuprangern!

 

Aus unserer Sicht ist zum Beispiel Joseph Blatter ein Ausländer. Und wer hätte mehr Erfahrung darin, Milliarden reinzuwaschen, umzuverteilen und wieder in seiner Tasche landen zu lassen als Herr Blatter?

Aber es nützt ja nichts, wir müssen Ihnen wohl noch mehr die Augen öffnen. Tun Sie bitte nicht so, als wären Sie von der Existenz der Mafia in der Schweiz überrascht. Blatter ist nur ein offensichtlicher Repräsentant, daneben gibt es noch: Nestlé.

 

Sie haben richtig gelesen. Eine Recherche unsererseits hat ergeben, dass der Konzern in etwa so viel Umsatz macht wie die kalabrische Mafiavereinigung ‘Ndrangheta, ein offizieller Jahresumsatz von 93 Milliarden Franken steht einem geschätzten Umsatz von 90 Milliarden gegenüber. Und beide, meine Damen und Herren, verdienen Ihr Geld mit Drogen und Menschen töten.

Den Rest der Interpretation überlassen wir Ihnen, uns wird das jetzt zu heikel.

 

Herzlichste Grüße,

 

 

Ihre BRD