Gesellschaft | 01.08.2014

Zwanzigster Brief aus Deutschland

Am letzten Dienstag gab es Bares für Bochum. Kohle für die Kohlenwerke. Geld für Grönemeyer. Asche für Arnsberg. 300 Millionen Euro treten ihre letzte Reise von den Alpen in das Ruhrgebiet an. Doch was weiss man im Zentrum des deutschen Bergbaus mit dem Geld anzufangen? Eine Zeitung wagt einen Blick in die Stahlkugel und erklärt, wie die sonst schon frostige Beziehung zwischen deutschen und Schweizer Steuersündern darunter leiden wird.
Fliegt in Zukunft mit von der Schweiz bezahlten Briefmarken: Die Friedenstaube von Eine Zeitung.
Bild: Katharina Good

300 Millionen Euro!

 

DREIHUNDERT MILLIONEN!

 

300.000.000.000.000.000 (oder so)

 

Liebe Schweiz. Danke!

 

Mit der Zahlung der UBS an das Finanzamt Bochum haben Sie uns eine wirklich große Freude bereitet. Wir haben das Geld dringend benötigt. Und wer wenn nicht eine Schweizer Bergbank kann einen solchen Betrag mal eben aus ihren Ärmeln schütteln.

 

In Deutschland wird bereits leidenschaftlich diskutiert, was mit diesem überraschenden Geldregen alles finanziert werden kann. Junge, Junge, da geht’s rund!

 

Es gibt viele Möglichkeiten. Ganz unten auf der Liste steht eine Statue aus Gold, die einen Scheck der UBS in der Hand hält. Etwas weiter vorne steht der Wunsch, den Geldsegen in den Abbau der Staatsschulden zu investieren. Da wiederum meinen viele, dass man das Ergebnis nicht sehen kann; diejenigen tendieren dann doch wieder zu der 50 Meter hohen Statue im Zentrum der Republik, die bei Sonneneinstrahlung bis zu 200 Flugzeuge pro Stunde blenden können soll.

Worauf es aber ankommt: Bochum!

 

Wer schon mal da war, weiß, was wir meinen. Bochum! Was die mit 300 Mio. Euro anstellen, können wir uns denken: sie werden die Stadt abreißen und an anderer Stelle noch mal ganz von vorne anfangen. Dafür gebührt der UBS und all den unbraven Steuersündern unser Dank.

Eine andere Idee ist, es der Schweiz einfach zurückzuzahlen; aus Angst, sie hält es den Deutschen von nun an ständig vor, dass sie uns Geld geschenkt hat – auch, wenn es ihr auferlegt wurde und sie es schlichtweg musste.

 

Wir können uns genau vorstellen, wie das ablaufen wird. Der nächste Deutsche, der sich in der Schweiz niederlässt, bekommt dann zu hören «RAUS! Ihr habt doch erst kürzlich Geld von uns bekommen!« Oder «Ah, sieh an, der feine Deutsche wieder. Wieviel müssen wir euch noch zahlen, damit ihr der Schweiz endlich fern bleibt!?«

Dann können wir ruhigen Gewissens sagen: «Das Doppelte! Ach, was sag-˜ ich: das Zehnfache muss es schon sein!«

 

Daraufhin wird die Schweiz dann einfach direkt einen Haufen Geld überweisen und sich sicher sein können, dass niemand mehr kommen wird. Aus Deutschland zumindest nicht.

Und bitte kommen Sie uns jetzt nicht mit so was wie: «Äh, Moment mal, du dummer Deutscher – das Geld kommt ja von einer BANK, nicht von der SCHWEIZ. Was haben wir einfachen Bürger denn mit dem Gebaren der Hochfinanz zu tun, hm? Schalt mal Dein Hirn ein, bevor Du mit uns redest! Und außerdem: ändert mal Eure Steuergesetze, dann hinterzieht auch niemand mehr Steuern – wie bei uns, hier gibt es so was nämlich nicht!«

 

Daraufhin können wir nur erwidern: Selber selber, lachen alle Kälber! (Beliebter Ausdruck im Norden, wenn einem nichts Argumentatives mehr einfällt.)

So.

Herzlichst,

 

Ihr Deutschland