Sport | 11.08.2014

Luxuriös ins Schwitzen kommen

Text von Nicole Rettenmund | Bilder von Nicole Rettenmund
Wer sich auf dem Golfplatz, der Yacht oder auf dem Pferd reitend einen Namen machen will, braucht mehr als nur ein bisschen Kleingeld. Luxussportarten wie Golf scheinen für das Normalvolk meist zu teuer um überhaupt einen ersten Versuch zu wagen. Manchmal sind das aber nur Vorurteile.
Golfen muss nicht teuer sein.
Bild: Nicole Rettenmund

Wandern, Radfahren, Schwimmen und Skifahren – so heissen die beliebtesten Sportarten der Schweizerinnen und Schweizer im Jahre 2014. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung übt diese regelmässig aus legt dafür durchschnittlich stolze 2500.- Franken pro Kopf und Jahr hin. Die in den Medien oft genannten “reichen Schweizer” sind keine Fans teurer Sportarten, mit der Ausnahme unseres Nationalsports, dem Skifahren.

Die Luxussportarten der Reichen sind ein Schauplatz deren Ansehen, Erfolg und Macht. Die Elite der Golfer und Segler sorgt mit ihren Villen und teuren Autos für eine Verzerrung der zum Teil auch für Normalbemittelte erschwinglichen Sportarten.

 

Geld verlochen

Golf ist der Nationalsport Schottlands. Er wurde ursprünglich von Königen und Adeligen betrieben, dann begeisterten sich Normalbürger für das Ballspiel. Heute finden sich, entgegen dem Vorurteil, die verschiedensten Menschen auf den Greens, nicht nur Akademiker und Reiche. Wer sich an einem Schläger und ein paar Bällen versuchen möchte, kann dies in den meisten Golfclubs kostenlos tun. Weil Golflektionen unter 50.- Franken schwer zu finden sind, ist es von Vorteil, wenn man eine golfbegabte Person kennt und mit ihr üben kann. Die Neuvariante einer Ausrüstung ist ab ein paar hundert Franken gekauft – doch als Einsteiger braucht man kaum unbenutzte Schläger und Bälle.

 

Sobald man ein solides Golfspiel zeigt, wird eine Platzreifeprüfung absolviert. Diese soll testen, ob der Prüfling “reif” ist, um alleine auf dem Golfplatz zu spielen. Kostenpunkt zirka 150.- Franken. Ohne Mitgliedschaft in einem Golfklub zahlt man normalerweise zwischen 60.- und 100.- Franken für die Benützung des Greens je nach Saison. Zugegeben, das ist nicht billig. Eine Mitgliedschaft bewegt sich zwischen mehreren hunderten und tausenden von Franken. Dafür sollte man Profi sein.

 

Goldene Schiffe

Die Fortbewegung auf dem Wasser ist so alt wie die Menschheit selbst. Segler mussten zu Kolumbus’ Zeiten abenteuerlustig, mutig und furchtlos sein. Heute braucht man das nötige Kleingeld. Segeln gilt als die teuerste Sportart der Welt. In einem teuren Land wie der Schweiz bleibt Segeln als regelmässiges Hobby den Gutbetuchten vorbehalten. Möchte ein Segelneuling für einen Tag reinschnuppern, ist dieses Vergnügen mit Kosten bis zu 200.- Franken verbunden. Der Segelkurs inklusive Segelschein befindet sich in einem Kostenbereich von zwischen 1300.- und 2000.- Franken.

 

Soll eine vollständige Ausrüstung daher, sind ältere und gebrauchte Boote für ein paar tausend Franken erschwinglich. Ist diese finanzielle Hürde überwunden, gibt es jedoch bei den Anlageplätzen auf schweizer Seen Wartezeiten von 10 bis 20 Jahren. Dies sind entmutigende Bedingungen für segelbegeisterte Anfänger, aber eine Lösung ist vorhanden: Die Organisation Sailcom stellt ihren Segelmitgliedern zu vernünftigen Preisen 89 Boote auf 16 Schweizer Seen zur Verfügung. Ist man Eigentümer eines Boots und stellt es der Genossenschaft zur Verfügung, segelt man um einen Viertel günstiger als andere Mitglieder, die kein eigenes Boot besitzen.

 

Pferdegolf

Polo assoziieren viele mit dem vereinigten Königreich, denn Royals wie Prince Charles und seine Söhne sind begeisterte Polospieler. Dort ist die Sportart heutzutage am populärsten, erfunden wurde sie vor Christus in Arabien. Es spielen zwei Teams an je 4 Spielern gegeneinander. Ziel ist es, möglichst viele Tore zu schiessen. Das Spiel teilt sich in vier bis acht Episoden (sogenannte Chuckas) an je 7 Minuten. Die Sicherheit der Pferde hat oberste Priorität. Entsteht im Spiel eine gefährlich Situation oder verletzt sich das Tier, wird das Spiel unterbrochen und das Pferd ausgewechselt. Fällt ein Reiter vom Pferd, wird je nach Schweregrad des Sturzes weitergespielt.

 

Ein Einsteigertag mit einer vollen Ausrüstung kostet um die 300.- Franken. Wer diesen Preis jetzt schon zu teuer findet, für den ist Polo aus finanzieller Sicht nichts. Fürs Polospielen braucht es nicht wenig an Ausrüstung – einen Helm, ein typisches Poloshirt, Reithosen, Polostiefel, Knieschoner, Reithandschuhe, einen Holzschläger und Bälle. Des Weiteren braucht man ein polofähiges Pferd, dazu Sattel, Zaumzeug, Schirrung und Beinschützen. All das geht ins Geld, eine Aktivmitgliedschaft in einem Poloclub in der Schweiz ist nochmals mit Beiträgen von über 5000.- Franken pro Saison verbunden. Der Unterhalt des Pferdes – ob eigenes oder nicht – kommt kostenhochtreibend hinzu. Regelmässiges Polospielen bleibt somit für Erwachsene ein teures Privileg. Für Kinder sind Pololektionen nur wenig kostspieliger als gewöhnliche Reitstunden.

 

Das Spiel mit den Schlägern und den Yachten ist mit höheren Kosten verbunden als bei gewöhnlicheren Sportarten. Wer sich dennoch für eine einschüchternd teure Sportart interessiert, sollte sich nicht davon abschrecken lassen und sich zumindest einen Einblick verschaffen. Das kann sich durchaus lohnen.